Mich erfasst immer dann ein schlimmer Würgreiz, wenn Typen wie Rudolph Giuliani, ehemaliger Bürgermeister von New York, davon schwafeln, die Anschläge des 11. September 2001 seien ein Angriff auf die Freiheit der USA gewesen. Wenn Giuliani darunter versteht, dass sich die Vereinigten Staaten von Amerika die Freiheit genommen haben, im August 1945 Atombomben auf zwei japanische Städte zu werfen und mit diesen Angriffen für über 100.000 Tote, wenn nicht sogar 200.000 Tote verantwortlich zeichnen, ist für mich dieses Argument halbwegs akzeptabel, aber ich fürchte, Herr Giuliani meint etwas anderes.
Ja, ich weiß, man soll keine Zahlenspiele betreiben, wenn es um Opferzahlen geht, aber gegen die Zahl derjenigen, die allein beim Ground Zero von Hiroshima und Nagasaki umgekommen sind, schneidet NineEleven eher kläglich ab.
Der Begriff Ground Zero stammt übrigens aus dieser Zeit der Atombombenabwürfe und bezeichnet lt. Wikipedia im englischsprachigen Raum ursprünglich einen Punkt auf der Erdoberfläche, auf oder über dem eine Nuklearexplosion stattgefunden hat oder stattfinden soll. Der Ground Zero ist somit der Punkt mit den (wahrscheinlich) höchsten Schäden durch die Explosion.
Weil die Amis aber zu gerne ihren eigenen Ground Zero haben wollten, also nicht einen, den sie selbst zu verantworten haben, wurde die Einsturzstelle der Zwillingstürme kurzerhand auch so genannt. Kein Mensch denkt jetzt mehr an Japan, zumal Japan seit März dieses Jahres mit Fukushima einen glänzenden neuen Ground Zero vorweisen kann.
Mein erster Gedanke, als klar war, dass es sich an jenem sonnigen Morgen im September vor zehn Jahren nicht um einen Unfall, sondern um einen Anschlag handelt, war: wie kann so etwas passieren. Und ich bin eigentlich ganz schnell zu dem Ergebnis gelangt: so etwas kann nicht passieren. Ich war von Anfang an und bin heute noch der Meinung, mit ein paar Teppichmessern und einem bärtigen Finsterling als Auftraggeber, lassen sich nicht gleichzeitig vier Flugzeuge entführen, als Waffe missbrauchen und am Ende gibt es fast 3.000 Tote.
Einer Nation, die sich mit CIA, DIA, NSA, US Coast Guard Intelligence, NGA, NRO, IAIP, NSB/FBI, INR, OIA/Treasury und IN/DOE (wer sich dafür interessiert, kann dies bei USA Erklärt nachlesen) mehr als zehn Geheimdienste leistet, kann nicht entgangen sein, dass ein paar vermeintlich stinkreiche Araber, die auf Flugsimulatoren in Vero Beach, Florida nur das Fliegen von Steilkurven üben, etwas anderes vorhaben, als sich für 150.000 DM (soviel kostet eine derartige Flugausbildung) einen extravaganten Neureichen-Spaß zu gönnen.
Ich gehe nicht so weit, zu behaupten, die Anschläge wären in den höchsten Stellen amerikanischer Regierungskreise bekannt gewesen oder gar von ihnen gedeckt worden, aber gänzlich unbekannt und aus sprichwörtlich heiterem Septemberhimmel sind sie bestimmt nicht gekommen. Diese Anschläge haben einigen Falken, von denen ich ganz sicher bin, dass es sie zuhauf auf allen Ebenen des us-amerikanischen Machtapparats gibt, ganz hervorragend ins Konzept gepasst. Und komme mir bitte keiner mit „Verschwörungstheorie“. Für mich gehört die Geschichte der Teppichmesser und Geheimdienstleramnesie, die noch am gleichen Tag der Anschläge bekannt und danach kaum modifiziert propagiert wurde, am ehesten in die Verschwörungsrubrik.
Für das, was geschehen ist, gibt es nur eine Erklärung: man hat am 11. September 2001 einer Sache ihren Lauf gelassen, von der man (hoffentlich höchstwahrscheinlich) nicht annahm, wie verheerend sie enden würde, die man aber deshalb billigend in Kauf nahm, weil sie einer vielarmigen Lobbyistenkrake, die sich längst unheilvoll in alle Bereiche amerikanischer Politik tentakelt hat, vermeintlich am nützlichsten war.
Die andere Alternative – tatsächlich möchte ich nicht so vermessen sein, wie unsere Bundeskanzlerin, die gefühlte achtig Prozent ihrer Absonderungen alternativlos verstanden wissen will – dass die Anschläge genauso abgelaufen sind, wie sie uns die Presse seit zehn Jahren vollkommen plausibel herleitet, ist für uns als Spezies Mensch im Allgemeinen und als Demokrat im Besonderen nicht weniger schmeichelhaft. Mohammed Atta und seine Dschihad-Kumpel haben nicht umsonst das WTC angegriffen. In die Falle, einen heiligen Krieg gegen den Islam anzuzetteln sind die Angegriffenen und alle, die sich mit ihnen verbündet haben, nachdem das Allerheiligste der westlichen Zivilisation in Schutt und Asche gelegt worden war, sehenden Auges getappt. Etwas anderes gaben Staub, Asche, Stars und Stripes offensichtlich nicht her.
Aber wäre eine Auseinandersetzung mit einer solchen Tat nicht auch so möglich gewesen, wie es derzeit die Norweger praktizieren, nachdem ein verblendeter Templer und Kreuzritter das Regierungsviertel in die Luft gesprengt und über sechzig Jugendliche auf einer Ferieninsel dahingemetzelt hat: offene Gesellschaft statt Gesetzesverschärfungen, Dialog statt Diskriminierung, Trauer statt Patriotismus.
Tatsächlich hätte ich mir derartiges unter Mr. Obama vorstellen können, allerdings auch nur bis zu dem Zeitpunkt, bis zu dem er Bin Laden in seinem eigenen Bett hat umbringen lassen. Mit dieser Aktion und dem gebrochenen Versprechen, das Gefangenencamp Guantánamo alsbald zu schließen, rückt er für mich immer weiter in Richtung seines unsäglichen Vorgängers.
Guantánamo zu schließen wäre das mindeste gewesen, was Obama in seiner bisherigen Amtszeit hätte zu Wege bringen müssen, um die völlig überzogenen Reaktionen auf Nine Eleven und Ground Zero mit Enduring Freedom und Heimatschutzbehörde halbwegs zu kompensieren.
Hat nicht sollen sein.
Zehn Jahre nach Nine Eleven muss man konstatieren: die Terroristen haben die Falken dieser Welt aufgescheucht und erfolgreich in der Luft gehalten. Die Tauben bleiben bis auf weiteres am Boden.