Der fiese Sandmann

12.09.2014

Dieses Lied habe ich für meine Mutter geschrieben. Wer mehr darüber wissen möchte, kann das hier nachlesen.


Tresenhocker Blues

01.09.2014

Element of Time – Playlist Nr. 1

26.08.2014

Es wird langsam Zeit

25.08.2014

Die Andern

20.08.2014

Kleinstadt Webcam

18.08.2014

 


Wir hatten Krawatten

24.07.2014

Wolfgang zieht den Stecker – BAP im Serenadenhof in Nürnberg

22.07.2014

So schwarz und bedrohlich wie die Wolken sich am vergangenen Sonntag über dem Serenadenhof in Nürnberg türmten, musste man mit dem schlimmsten rechnen und auch Wolfgang Niedecken, der, als er die Bühne betrat, skeptisch in den Gewitterhimmel blickte, hatte ein wenig Angst um sich, seine Band und die herrlichen Akustik-Instrumente, die sie mitgebracht hatte. Ein Starkregen, so wie er in letzter Zeit ein ums andere Mal aufgetreten ist, hätten die luftigen Sonnensegel, die über der Bühne und ab der zehnten Reihe auch über den Zuschauern aufgespannt waren, wohl eher nicht standgehalten.
Nachdem die Band sofort und ohne große Ansage loslegte und sich das Aussehen von Herrn Niedecken in letzter Zeit bedenklich in Richtung Bob Dylan entwickelt hatte, war meine zweite Befürchtung, das Konzert würde ähnlich misanthropisch ablaufen, wie das eines Robert Zimmermann.

BAP

BAP im Serenadenhof in Nürnberg

Aber alles kam ganz anders. Das Gewitter hat sich verzogen. Nur die ersten Zuschauerreihen wurden vom leicht einsetzenden Sommerregen ein wenig nass und Wolfgang Niedecken, neben Lukas Podolski der zweite Vorzeige-Kölner der Republik, entpuppte sich als äußerst launiger Conférencier. Zwar bemühte er zu Beginn seiner Moderation ein wenig zu oft „Lieschen Müller“, die wahrscheinlich oder ganz sicher viel zu naive Vorstellungen davon hätte, welchen Aufwand es bedeutet, ein UNPLUGGED-Konzert zu arrangieren. Es sei nämlich viel einfacher, mit E-Gitarren und fetten Marshall-Verstärkern nostalgisch gestimmtes Rock’n Roll Publikum zu beschallen, als dies mit Geigen, Westerngitarren und Kontrabass zu tun.

Ich gestehe, für mich war das der einzige Grund, zu diesem Konzert zu gehen, denn die Brachial-Arrangements unter der Federführung des damaligen Leadgitarristen Klaus „Major“ Heuser, waren mir schon zu Zeiten der goldenen BAP-Jahre zu sehr mit der Keule.
Da konnten mich die Töne der liebreizenden Geigerin Anne de Wolff, ihrem Gitarristen-Gatten Ulrich Rode, des großartigen Percussionisten Rhani Krija, und des Schifferklavier und Hammondorgel spielenden und ob seines Honecker-Hütchens so genannten Staatsratsvorsitzenden Michael Nass schon mehr begeistern, zumal der Sound im restlos ausverkauften Serenadenhof ganz brillant war und man zu jeder Zeit die einzelnen Instrumente heraushören und orten konnte.

Apropos Instrumente: Das musikalische Ehepaar de Wolff/Rode ließ es sich nicht nehmen, tief im Fundus seiner Instrumentensammlung zu wühlen und der Einsatz eines indischen Harmoniums, einer türkischen Saz, eines Banjos, einer Steel Guitar oder eines Xylophons hat die aufwändigen und teilweise völlig neu arrangierten alten und jüngeren BAP-Songs auf jeden Fall bereichert.
Überhaupt war das eine ganz hervorragend eingespielte Band, der ich auch als nicht so eingefleischter BAP-Fan sehr gerne zugehört habe.
Die Texte: nun ja. Ich verstehe kein Wort und habe auch keine große Lust, mich ins Kölner Platt einzuarbeiten, insofern könnte Niedecken auch englisch oder serbokroatisch singen.

Was man ihm auf jeden Fall attestieren muss: er ist und bleibt ein Gutmensch, der diesen Namen im positivsten Sinne auch verdient. Sein soziales und gesellschaftliches Engagement unter anderem beim Hilfsprogramm Rebound, das frühere Kindersoldaten in Uganda unterstützt, ist vorbildlich, wirkt zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt und geht weit über das hinaus, was Musiker und andere Künstler für gewöhnlich tun.

Zum Schluss des Konzerts natürlich das unvermeidliche Verdamp lang her, das allerdings, wie ich fand, als einziges Lied am fehlenden Schalldruck litt, ist man doch gewohnt, dass es einem beim erstmaligen Einsetzen des Refrains so richtig, also ich meine so richtig vom Hocker reißt und nach hinten wegbläst. Dieser Effekt bleibt bei akustischer Instrumentierung natürlich aus. Immerhin hatten die vielzitierten Lieschen Müller im Publikum endlich ihren Auftritt, sprangen von den Sitzen auf und patschten fröhlich in die Hände. Die meisten natürlich im falschen Takt.

P.S.
Für die letzten beiden Sätze bringt mich die Liebste, die in den 80er Jahren großer BAP-Fan war, sicherlich um.
Ich habe Euch immer geliebt!


Das Wunder von Salzburg

07.07.2014

Was lag näher, als auf den Tag genau 60 Jahre nach dem Wunder von Bern das Viertelfinale der deutschen Nationalmannschaft in einer ehemaligen k.u.k.-Stadt im Fernsehen anzusehen. Nein, Ungarn war mir zu weit weg. Nachdem allerdings Österreich bei uns gleich um die Ecke liegt und es sich fügte, dass die Liebste beruflich derzeit in Salzburg weilt, das Wetter herrlich und die weiteren Aussichten am Wochenende nicht minder herrlich waren, fuhr ich am Freitag gegen Mittag mit dem Motorrad in die Mozartstadt.

Bis Straubing auf der Autobahn, dann die zugegeben wenig malerische B 20 bis Braunau. Kurz vor der Grenze musste ich tanken und auf meine Frage, ob es denn die Deutschen heute Abend schaffen würden, antwortete mir die fröhlich-sympathische Tankwartin in breitestem Niederbayrisch, dass dies wohl eine schwierige, aber durchaus lösbare Aufgabe sei.

In Braunau schweiften meine Gedanken kurz in Richtung eines nicht von Mercedes Benz legitimierten Werbespots einer schwarzhumorigen Filmhochschule ab, und ich verfuhr mich. Manchmal sollte man einfach nicht an der falschen Stelle rechts abbiegen.

Aber ich lag gut in der Zeit, und weil die Sonne brannte und die Wolken quollen, genehmigte ich mir an einer Tankstelle eine Trinkpause. Vier kernige Bierdimpfl saßen dort um einen ebenso kernigen Holztisch, prosteten mir zu und versprachen mir, dass der Traum vom Halbfinale heute Abend wohl ausgeträumt sein dürfte. Ich prostete mit meiner Wasserflasche zurück, beglückwünschte die Herren zur erfolgreichen WM-Qualifikation und fuhr die Yamaha bei der anschließenden Flucht in den roten Bereich.

Die Liebste bewohnt während ihres Aufenthaltes in Salzburg eine nicht sehr noble, aber äußerst zentral gelegene Ferienwohnung. Sogar einen Tiefgaragenplatz hatte sie mir organisiert. Aus lauter Freude darüber, aber hauptsächlich, weil ich beim Absteigen an den ungewohnten Seitenkoffern hängengeblieben war, warf ich die Maschine erst einmal um, besser, ich lehnte sie an die Wand und versah Spiegel und Koffer mit malerisch blauen Streifen der Tiefgaragenwandfarbe. Ein Omen: Wir würden die Franzosen niederwalzen!

Der Anstoß rückte immer näher, die Liebste hatte bereits gekocht, aber vorher musste noch ein echtes Männerprojekt angegangen werden: Die Haltestange des Duschvorhangs, ein billiges Alu-Teleskop, war in der Nacht zerbrochen und samt blauem Duschvorhang mit lautem Gepolter in die Badewanne gestürzt. Ein weiteres Omen?

Jedenfalls dengelte ich unter Zuhilfenahme einer Schöpfkelle und eines Messers eine Kerbe in den einen Teil der zerbrochenen Stange, schob diesen dann in den anderen Teil, suchte und fand die in die hintersten Ecken des Badezimmers gerollten Gummistöpsel und klemmte Teleskop und Vorhang wieder an die vorgesehene Stelle in die Stöpsel. Jetzt konnte es endlich losgehen.

Axel-und-Schürrle

Beine hoch, Schnaps auf’n Tisch, Fernseher an – Viertelfinale

Nach zwölf Minuten allerdings war alles schon wieder vorbei. Mats Hummels traf. Klose traf nicht. Müller nicht. Schürrle nicht. Auch kein anderer. In der Pause beömmelten sich Mehmet Scholl und Matthias Opdenhövel in gewohnter Weise, und in einer Schalte nach Berlin unterhielten sich eine handwerklich einwandfrei geschminkte Franzi van Almsick mit einem gewohnt smarten Arne Friedrich und dem Trikotzerreißer Robert Harting, der seinem Image als Bundeshüne mit Fremdwörtern entgegenzuwirken suchte, die nie ein Mensch jemals zuvor gehört hatte.

Mir schmeckte ein Stiegl-Paracelsus-Zwickl-Bier. Es könnten auch zwei gewesen sein. Die Liebste hatte einen Wachauer Marillenbrand erstanden, der dafür vorgesehen war, jedes deutsche Tor mit einem Stamperl zu begießen. Es blieb bei einem Schnaps. War auch gut so, ich musste ja auf der Hut vor den Bierdimpfln sein. Zum Glück stand mein Moped gut versteckt in der Tiefgarage.

Dieser Artikel erschien am 07. Juli 2014 auch im Argentinischen WM-Tagebuch


Henrik Freischlader im Nürnberger Hirsch

13.03.2014

Es gibt ja die Legende, dass gute Bluesmusiker an der berühmten Crossroad ihre Seele dem Teufel verkauft haben sollen, damit der ihnen beibringt, wie man den Blues spielt.
Bei Henrik Freischlader war das glaube ich nicht so. Wenn es jemanden gibt, der Empathie und Sympathie in einer Person vereint, dann ist es dieser grandiose Musiker aus Wuppertal. Beim gestrigen Konzert im Nürnberger Hirsch hat er das alleine schon wieder einmal damit bewiesen, dass er höchstpersönlich als „Ersatzmann“ für den ausgefallenen Gitarristen der Vorband um die charismatische Sängerin Layla Zoe eingesprungen ist.

Auch die Geste, nach einem herrlichen Keyboardsolo von Mr. Mo, Moritz Fuhrhop, doch einen längeren Break zu machen, damit die Zuschauer dieses Solo länger beklatschen können und er seine etwas verblüfft dreinblickende Band nach dem Song aufforderte, diesen Break doch bitte jetzt, quasi just in time, mit ihm zu üben und uns, die Zuschauer, aufforderte, die entstehende Pause bitteschön ausgiebigst mit Applaus zu bedenken, auch diese Geste lässt kaum darauf schließen, Herr Freischlader hätte sich in irgendeiner Weise mit dem Teufel eingelassen.

Einzig der Song mit dem Refrain What’s my motherfucking Name wirkt ein wenig verirrt. Man nimmt dem smarten Herrn Freischlader derartigen Gossenslang einfach nicht ab und auch das durch die Bank etwas betagtere Publikum im ordentlich gefüllten Hirsch schließt sich nur vereinzelt der Aufforderung an, diesen Refrain, der jeweils auf einen schrägen Gitarrenriff folgt, mitzusingen. Ich sehe schon, ihr habt keinen Bock auf Singen, resümiert Freischlader grinsend und greift daraufhin umso beherzter in die Saiten.

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Henrik Freischlader und Band

Das wirklich großartige an seiner Musik ist, dass er sowohl die leisen und leisesten Töne, als auch das volle Brett wie kaum ein anderer beherrscht. Eine seiner Balladen leitet er mit dermaßen wohl aufeinander abgestimmten Arpeggios ein. Man kann nur staunen, über so viel Beseeltheit, über sein Timing, über seine Anschlagstechnik. Umso ärgerlicher, wenn irgend so ein Spacko aus dem Publikum meint, grölen zu müssen: Jetzt geht’s loooos.
What’s your motherfucking Name, hatte ich auf der Zunge, habe es mir dann aber dann doch verkniffen.

Richtig was auf die Ohren gibt es, wenn Freischlader die Röhren seiner eigens für ihn konzipierten Realtone-Verstärker in die Sättigung fährt und sich jeder Anschlag mit einem lauten Schmatzen in einen langen, stehenden Ton wandelt. Und ein solcher Ton steht und steht und steht und steht. Manchmal etwas zu lange und die Figuren – vor allem bei den Balladen – sind dann doch auf die Dauer etwas redundant. Ich glaube, das Publikum hätte sich zum Schluss lieber ein paar Wachmacher-Shuffle als noch eine getragene Ballade im Ultralangsamtempo gewünscht.

Sei’s drum. Es war ein großartiger Abend mit Bluesrock, wie man ihn amtlicher nicht darbieten kann. Layla Zoe als Vorgruppe mit dem Meister persönlich an der Gitarre, war sowohl was fürs Auge, als auch fürs Ohr, als auch fürs Herz. Freischladers empathische Einstellung hat sich übrigens zum dritten Mal gezeigt, als er erzählte, dass für eine Vorgruppe bei einer Tour oft nur die Kosten hereingespielt würden und er uns deshalb vorschlagen würde, am Merchandising-Stand doch lieber etwas von Layla Zoe, als von seiner Band zu kaufen.
Also gut, ich war so frei und habe mir die neueste CD der Dame gekauft: The Lily – sehr hörenswert!


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