Element of Times they are a-Changin’

18.01.2012

Dass hier bei AxeAge schon lange nichts mehr passiert ist, hat einen Grund: ich habe ein neues Musik-Projekt.
Zusammen mit meinem alten Freund und Musikerkollegen Günter Hollering spiele ich Songs der Band Element of Crime.

Mit dieser Band ist es ja bekanntermaßen so, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt: entweder man findet sie großartig oder man kann damit nichts anfangen.

Uns jedenfalls gefielen die Songs, die hauptsächlich von Bandleader und Erfolgsautor Sven Regener stammen, von Anfang so gut, dass wir das Bandprojekt Element of Times they are a-Changin’ ins Leben gerufen haben.

Dazu gibt es natürlich eine eigene Homepage. Die ist vor ein paar Tagen online gegangen und enthält seit heute auch einige Soundfiles, die bei der letzten Session entstanden sind.

Mitte März gibt es im Nürnberger Land höchstwahrscheinlich einen ersten Auftrittstermin. Wann und wo genau werde ich zeitnah hier und natürlich auf unserer Homepage veröffentlichen.

Zur Homepage aufs Bild klicken


Ich sag’s Euch …

31.12.2011

… vielleicht nächstes Jahr.


Vorstellungsgespräch

15.11.2011

Damals hielt er sich für unvoreingenommen, weil er sie einstellte. Aber der eigentliche Grund war wohl, dass sie so verdammt verführerisch war. So süß. So verlockend. Und um so mehr, als sie so töchterlich wirkte.

Delphine Roux hatte seinen Blick missverstanden, als sie den etwas melodramatischen Gedanken gehabt hatte – das war das Hinderliche an ihrer geistigen Gewandtheit: dass sie nicht nur voreilige melodramatische Schlüsse zog, sondern sich auch in erotischer Hinsicht dem Zauber des Melodrams hingab -, er wolle ihr am liebsten die Hände auf den Rücken fesseln. Nein, was er, aus allen möglichen Gründen, wollte, war dies: Er wollte sie nicht am College haben. Und darum stellte er sie ein.

Und so begannen sie ernsthaft, schlecht miteinander zurechtzukommen.

Philip Roth – Der menschliche Makel


Das Eigentliche

20.10.2011

Aber wann beginnt das Eigentliche? Mit fünfundvierzig bin ich nahezu täglich dankbar, dass ich der Erwachsene bin, der ich mit siebzehn so gern sein wollte. An meiner Armkraft arbeite ich im Fitnessraum; mit Werkzeug komme ich mittlerweile ganz gut zurecht. Gleichzeitig, nahezu täglich, verliere ich Schlachten gegen den Siebzehnjährigen, der noch immer in mir steckt. Ich esse mittags eine halbe Schachtel Oreo-Kekse, ich mache am Fernseher Großeinkäufe, ich fälle moralische Pauschalurteile, ich renne in zerschlissenen Jeans durch die Stadt, ich trinke an einem Dienstagabend Martini, ich glotze auf Bierwerbungsdekolletés, ich bezeichne jede Gruppe, der ich nicht angehöre, als uncool, ich verspüre den Drang, Range Rover zu ritzen und ihnen die Reifen zu zerstechen; ich tue so, als würde ich nie sterben.

Jonathan Franzen, Die Unruhezone


Saisonausklang

04.10.2011

Nach der ziemlich verhunzten Clubmeisterschaft vor ein paar Wochen, gestern ein versöhnliches Saisonende beim Turnier um den Goldenen Driver. Platz 11 (nein, nicht von 12, sondern von 76 !!) und ein neues Handicap: 17,2.

Blitzsaubere Scorekarte - Goldener Driver 2011


An alle Befindlichkeitsblogger

28.09.2011

Der Schriftsteller Wolfgang Herrndorf hat eine unheilbare Krankheit. Ein schnell wachsender, nicht mehr operabler Tumor, ein Glioblastom, befindet sich in seinem Kopf. Seine Lebenserwartung wurde ihm im März 2010 mit 17 Monaten attestiert.
Wolfgang Herrndorf führt seit seinem Todesurteil ein Online-Tagebuch.

6.9.2011 – 13:16
Immer wieder vergesse ich die Sache mit dem Tod. Man sollte meinen, man vergesse das nicht, aber ich vergesse es, und wenn es mir wieder einfällt, muß ich jedes Mal lachen, ein Witz, den ich mir alle zehn Minuten neu erzählen kann und dessen Pointe immer wieder neu und gut und überraschend ist. Denn es geht mir ja gut.

7.9.2011 – 15:57
Nächster Anfall. Immer zur gleichen Zeit. Deutliche Vorboten, ich schaffe es, das Telefonat mit meiner Mutter rasch und höflich zu beenden, bevor das 16-Tonnen-Gewicht auf mein Sprachzentrum fällt.

Auszüge aus Wolfgang Herrndorfs Blog Arbeit und Struktur

Zehn Jahre Verschwörungstheorie

11.09.2011

Mich erfasst immer dann ein schlimmer Würgreiz, wenn Typen wie Rudolph Giuliani, ehemaliger Bürgermeister von New York, davon schwafeln, die Anschläge des 11. September 2001 seien ein Angriff auf die Freiheit der USA gewesen. Wenn Giuliani darunter versteht, dass sich die Vereinigten Staaten von Amerika die Freiheit genommen haben, im August 1945 Atombomben auf zwei japanische Städte zu werfen und mit diesen Angriffen für über 100.000 Tote, wenn nicht sogar 200.000 Tote verantwortlich zeichnen, ist für mich dieses Argument halbwegs akzeptabel, aber ich fürchte, Herr Giuliani meint etwas anderes.

Ja, ich weiß, man soll keine Zahlenspiele betreiben, wenn es um Opferzahlen geht, aber gegen die Zahl derjenigen, die allein beim Ground Zero von Hiroshima und Nagasaki umgekommen sind, schneidet NineEleven eher kläglich ab.
Der Begriff Ground Zero stammt übrigens aus dieser Zeit der Atombombenabwürfe und bezeichnet lt. Wikipedia im englischsprachigen Raum ursprünglich einen Punkt auf der Erdoberfläche, auf oder über dem eine Nuklearexplosion stattgefunden hat oder stattfinden soll. Der Ground Zero ist somit der Punkt mit den (wahrscheinlich) höchsten Schäden durch die Explosion.
Weil die Amis aber zu gerne ihren eigenen Ground Zero haben wollten, also nicht einen, den sie selbst zu verantworten haben, wurde die Einsturzstelle der Zwillingstürme kurzerhand auch so genannt. Kein Mensch denkt jetzt mehr an Japan, zumal Japan seit März dieses Jahres mit Fukushima einen glänzenden neuen Ground Zero vorweisen kann.

Mein erster Gedanke, als klar war, dass es sich an jenem sonnigen Morgen im September vor zehn Jahren nicht um einen Unfall, sondern um einen Anschlag handelt, war: wie kann so etwas passieren. Und ich bin eigentlich ganz schnell zu dem Ergebnis gelangt: so etwas kann nicht passieren. Ich war von Anfang an und bin heute noch der Meinung, mit ein paar Teppichmessern und einem bärtigen Finsterling als Auftraggeber, lassen sich nicht gleichzeitig vier Flugzeuge entführen, als Waffe missbrauchen und am Ende gibt es fast 3.000 Tote.
Einer Nation, die sich mit CIA, DIA, NSA, US Coast Guard Intelligence, NGA, NRO, IAIP, NSB/FBI, INR, OIA/Treasury und IN/DOE (wer sich dafür interessiert, kann dies bei USA Erklärt nachlesen) mehr als zehn Geheimdienste leistet, kann nicht entgangen sein, dass ein paar vermeintlich stinkreiche Araber, die auf Flugsimulatoren in Vero Beach, Florida nur das Fliegen von Steilkurven üben, etwas anderes vorhaben, als sich für 150.000 DM (soviel kostet eine derartige Flugausbildung) einen extravaganten Neureichen-Spaß zu gönnen.

Ich gehe nicht so weit, zu behaupten, die Anschläge wären in den höchsten Stellen amerikanischer Regierungskreise bekannt gewesen oder gar von ihnen gedeckt worden, aber gänzlich unbekannt und aus sprichwörtlich heiterem Septemberhimmel sind sie bestimmt nicht gekommen. Diese Anschläge haben einigen Falken, von denen ich ganz sicher bin, dass es sie zuhauf auf allen Ebenen des us-amerikanischen Machtapparats gibt, ganz hervorragend ins Konzept gepasst. Und komme mir bitte keiner mit „Verschwörungstheorie“. Für mich gehört die Geschichte der Teppichmesser und Geheimdienstleramnesie, die noch am gleichen Tag der Anschläge bekannt und danach kaum modifiziert propagiert wurde, am ehesten in die Verschwörungsrubrik.
Für das, was geschehen ist, gibt es nur eine Erklärung: man hat am 11. September 2001 einer Sache ihren Lauf gelassen, von der man (hoffentlich höchstwahrscheinlich) nicht annahm, wie verheerend sie enden würde, die man aber deshalb billigend in Kauf nahm, weil sie einer vielarmigen Lobbyistenkrake, die sich längst unheilvoll in alle Bereiche amerikanischer Politik tentakelt hat, vermeintlich am nützlichsten war.

Die andere Alternative – tatsächlich möchte ich nicht so vermessen sein, wie unsere Bundeskanzlerin, die gefühlte achtig Prozent  ihrer Absonderungen alternativlos verstanden wissen will – dass die Anschläge genauso abgelaufen sind, wie sie uns die Presse seit zehn Jahren vollkommen plausibel herleitet, ist für uns als Spezies Mensch im Allgemeinen und als Demokrat im Besonderen nicht weniger schmeichelhaft. Mohammed Atta und seine Dschihad-Kumpel haben nicht umsonst das WTC angegriffen. In die Falle, einen heiligen Krieg gegen den Islam anzuzetteln sind die Angegriffenen und alle, die sich mit ihnen verbündet haben, nachdem das Allerheiligste der westlichen Zivilisation in Schutt und Asche gelegt worden war, sehenden Auges getappt. Etwas anderes gaben Staub, Asche, Stars und Stripes offensichtlich nicht her.

Aber wäre eine Auseinandersetzung mit einer solchen Tat nicht auch so möglich gewesen, wie es derzeit die Norweger praktizieren, nachdem ein verblendeter Templer und Kreuzritter das Regierungsviertel in die Luft gesprengt und über sechzig Jugendliche auf einer Ferieninsel dahingemetzelt hat: offene Gesellschaft statt Gesetzesverschärfungen, Dialog statt Diskriminierung, Trauer statt Patriotismus.
Tatsächlich hätte ich mir derartiges unter Mr. Obama vorstellen können, allerdings auch nur bis zu dem Zeitpunkt, bis zu dem er Bin Laden in seinem eigenen Bett hat umbringen lassen. Mit dieser Aktion und dem gebrochenen Versprechen, das Gefangenencamp Guantánamo alsbald zu schließen, rückt er für mich immer weiter in Richtung seines unsäglichen Vorgängers.
Guantánamo zu schließen wäre das mindeste gewesen, was Obama in seiner bisherigen Amtszeit hätte zu Wege bringen müssen, um die völlig überzogenen Reaktionen auf Nine Eleven und Ground Zero mit Enduring Freedom und Heimatschutzbehörde halbwegs zu kompensieren.

Hat nicht sollen sein.
Zehn Jahre nach Nine Eleven muss man konstatieren: die Terroristen haben die Falken dieser Welt aufgescheucht und erfolgreich in der Luft gehalten. Die Tauben bleiben bis auf weiteres am Boden.


Rainer Maria spielt Golf

13.08.2011

Würde Rainer Maria Rilke Golf gespielt haben, dann hätte er dieses Herbstgedicht

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

bestimmt so formuliert:

Die Bälle fallen, fallen oft von weit,
als golften auf den Plätzen gute Götter;
sie fallen mit entschleunigtem Getue.

Und an den Löchern rollen sie zur Ruhe
Von fernen Schlägen hin zur Einsamkeit.

Sie alle fallen. Dieser Ball da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist mancher, welcher dieses Fallen
Für seinen einzgen Lebensinhalt hält.

Sonja hat mir diese köstliche Modifikation geschickt. Sie stammt von Michael Kopetz aus Österreich und wurde in der letzten ZEIT in der Rubrik Zeit der Leser veröffentlicht. Danke dafür.


Neuzugang im Club 27

24.07.2011

Das schlimme an sich selbst erfüllenden Prophezeiungen ist, dass sie sich selbst erfüllen.
Eine verdammte Scheiße ist das!

RIP Amy.


Leben in Zeiten des Imperativismus

23.07.2011

Die Älteren werden sich noch an den guten alten Imperialismus erinnern, an Zeiten, in denen Staaten systematisch den Ausbau ihres wirtschaftlichen, militärischen, politischen und kulturellen Macht- und Einflussbereiches betrieben und in der Folge Heerscharen von Linken, 68ern und bewaffneten Rotarmisten aus ihren Kommunen trieben, um langhaarig, mit verquasten Manifesten oder Sprengstoff gegen diese verhasste Praxis der Landnahme und Kolonisation vorzugehen. 1961 wurde deshalb sogar ein antiimperialistischer Schutzwall gebaut, der 1989 allerdings wieder eingerissen wurde, weil die Imperialisten fast dreißig Jahre lang kaum Anstalten machten, ihrer imperialistischen Pflicht nachzukommen. Außerdem waren es die vom Schutzwall Geschützten leid, ständig in kleinen, stinkenden Plastikautos herumzufahren, während die Limousinen und Bulliden auf der anderen Seite des Walls schon immer aus Stahl, zum Schluss aus Aluminium waren und mehr Raum boten, als so manches Wohnungsexperiment in antiimperialistischen Plattenbauten.

Mit der Einführung der Globalisierung sind diese Zeiten endgültig vorbei. Heutzutage braucht es keine aufwändige Kriegs- und Besetzungsstrategien mehr. Man befriedigt seine imperialistischen Grundbedürfnisse mit dem Geldbeutel, kauft sich in andere Länder und Kontinente ein, wartet, bis diese pleite gehen, um sie dann ebenso unblutig wie unspektakulär zu übernehmen. Die Chinesen praktizieren derartiges gerade mit den Amis. Die Griechen wird in nächster Zeit ein ähnliches Schicksal ereilen. Säulenstätten formerly known as Akropolis und diverse schnuckelige Badeinseln werden dann wohl unter der Flagge anderer Staaten oder Konzerne firmieren. Wir werden dann am Strand von Nestle liegen, Jägermeister featuring Aphroditefelsen wird allwochenendlich ein Jäger-On-Ice-Party schmeißen und Naxos wird unter der Führung von Toyota in Zukunft Lexus heißen.

Die Grundlage eines solchen, nennen wir ihn Neo-Imperialismus, wird nach meinem Dafürhalten übrigens zunehmend in sozialen Netzwerken gelegt werden, wie sie derzeit zuhauf im weltweiten Netzdingsbums entstehen. Der dort praktizierte Imperativ kommt der imperialistischen Grundidee nicht nur begrifflich am nächsten. Hier wird nicht zögerlich gefragt: Wollen Sie nicht der Erste sein, dem das gefällt, sondern dreist duzend sofort in Befehlsform gefordert: Sei der Erste, dem das gefällt. Durchsuche deine E-Mail-Adresse nach Freunden. Aktiviere dein Handy. Finde Personen, die du kennst.
Tja, wo sonst hätte nach der Abschaffung der Wehrpflicht der Imperativ eine neue und bessere Heimat gefunden, als bei derartigen Cyber-Pfadfindergruppen.

Übrigens, eine Meldung aus der örtlichen Presse hat mir neulich wieder einmal deutlich vor Augen geführt, warum Länder wie Griechenland am Rande der Pleite stehen. Die Stadt Nürnberg, las ich in dem Bericht, verlangt von Gastronomen, die Stühle und Tische auf den Gehsteig stellen eine nicht unerhebliche Gebühr. Nürnberg stehe, was die Höhe der Gebühr betrifft, sogar an der Spitze in Bayern. Die Begründung dafür: Wer Tische und Stühle auf öffentliche Flächen stellt, die eigentlich für Autofahrer, Radler und Fußgänger gedacht sind, hat als Gastronom einen Nutzen davon und verdient auch mehr.

In Griechenland, wo es sicher wesentlich mehr Straßencafes und –restaurants als in Deutschland gibt, zahlt bestimmt niemand eine Gebühr an den Staat. Imperialismus leicht gemacht: vielleicht sollte man ganz klein, mit der Landnahme und Kolonisation der Bürgersteige beginnen.
Sei der Erste, dem das gefällt!

Dieser Artikel erschien am 26. Juli 2011 auch bei kolumnen.de


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