Nick Woodland in der Kofferfabrik Fürth

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03.01.2015 von axeage

Ich habe ein paar regionale, ein paar nationale und einige internationale Musiker bei facebook auf dem Schirm. Allen ist gemein: die Liebe zur Musik und die hohe Frequenz ihrer Auftritte. Am vergangenen Wochenende war einer in der Kofferfabrik, der in gewisser Weise jedem genannten Musikertypus zugehörig ist: Nick Woodland. Er ist kein ganz Großer, will heißen, er füllt keine Stadien oder Arenen, wenngleich er schon mit namhaften internationalen Größen musiziert hat, aber er ist einer, der sein Instrument, die Gitarre, wie kaum ein Zweiter beherrscht, der eine richtig gute Blues- und Folkstimme hat und etwas, das unabdingbar in seinem Job ist: Understatement und absolute Bühnenpräsenz.

Das beginnt schon mit seiner Eröffnungsfrage: Na, schafft Ihr es noch bis Silvester? Natürlich schaffen wir es. Woodland spricht hervorragend Deutsch und sein Witz ist dem eines knorrigen Engländers mehr als würdig. Er stellt sich als Edward Snowden vor und bedankt sich, dass wir, die Zuschauer, bei dieser Saukälte an diesem Abend nach Fürth in die gute alte Kofferfabrik gekommen sind.

Nick Woodland in der Kofferfabrik Fürth

Nick Woodland in der Kofferfabrik Fürth

Der Laden ist gut gefüllt. Durch die Bank betagtere Herrschaften, denn die Musik, die dieser ebenfalls betagte Mr. Woodland spielt, will der größte Teil der heutigen Jugend nicht mehr hören. Live schon gar nicht. Ehrlich gesagt, stimmt es mich ein wenig traurig, dass mit meiner Generation wahrscheinlich auch Musikclubs, wie die Kofferfabrik auszusterben drohen.

Anyway. Ich bin froh, an diesem Abend hier zu sein. Die Eintrittskarte war ein Weihnachtsgeschenk der Liebsten. Woodland beginnt mit einem locker aus dem Handgelenk geschüttelten Shuffle im Stile von Tom Petty. Tatsächlich ist seine Stimme der von Mr. Petty nicht unähnlich. Seine Mitmusiker, Klaus Reichardt an den Keyboards und an der Pedal Steel Guitar, der junge, immer fröhliche Manfred Mildenberger am Schlagzeug und Tom Peschel am Bass machen einen ausgezeichneten Job. Woodland kann sich in allen Ton- und Lebenslagen auf die drei verlassen und auch der Sound ist ganz vorzüglich in dem kleinen Club abgemischt.

Kurz nachdem Woodland den letzten Song vor der Pause angesagt hat, ist der Laden plötzlich dunkel und still. Eine Hauptsicherung war rausgeflogen. Woodland reagiert spontan, verlegt die Pause ein halbes Lied nach vorne, lässt sich eine Flasche Weißwein in die Künstlergarderobe bringen und beginnt nach der Pause, während der die defekte Sicherung ausfindig gemacht und erneuert worden war, an genau der Stelle, an der vor der Pause zwangsweise abgebrochen werden musste. Professionalität, Understatement, Spontaneität: Eigenschaften eines Handlungsreisenden in Sachen Musik. Ich bin begeistert.

Das Repertoire der Band ist äußerst vielfältig und in keiner Weise beschränkt auf 12-Takt-Blues und Woke Up This Morning Lyrik. Einige Songs klingen nach Bob Dylan, andere nach Alexis Korner, wieder andere nach Jackson Browne, was nicht zuletzt an Reichardts hervorragend gespielter Pedal Steel Guitar liegt.
Woodlands Equipment ist eher unspektakulär. Ein alter Roland-Verstärker, als Bodentreter lediglich ein Booster und seine Gitarre ist eine schmucklose, abgebeizte Stratocaster, auf deren Kopfrückseite ein Zettelchen pappt, auf dem in krakeliger Schrift „Nick“ steht. Das ist alles und mehr braucht es auch nicht.

Nach gut zwei Stunden hervorragender Bluesmusik ist Schluss. Als Zugabe spielt Woodland Little Puppet, ein großartig arrangierter Song mit spektakulärem Schlagzeugeinsatz, der für sicht- und hörbares Erstaunen im Publikum sorgt.
Doch, es hat sich gelohnt, bei dieser Saukälte zwischen den Jahren das Haus zu verlassen, nach Fürth zu fahren und Nick Woodland und seinen Mannen zu lauschen. So etwas sollte man viel öfter tun!

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