Wolfgang zieht den Stecker – BAP im Serenadenhof in Nürnberg

Hinterlasse einen Kommentar

22.07.2014 von axeage

So schwarz und bedrohlich wie die Wolken sich am vergangenen Sonntag über dem Serenadenhof in Nürnberg türmten, musste man mit dem schlimmsten rechnen und auch Wolfgang Niedecken, der, als er die Bühne betrat, skeptisch in den Gewitterhimmel blickte, hatte ein wenig Angst um sich, seine Band und die herrlichen Akustik-Instrumente, die sie mitgebracht hatte. Ein Starkregen, so wie er in letzter Zeit ein ums andere Mal aufgetreten ist, hätten die luftigen Sonnensegel, die über der Bühne und ab der zehnten Reihe auch über den Zuschauern aufgespannt waren, wohl eher nicht standgehalten.
Nachdem die Band sofort und ohne große Ansage loslegte und sich das Aussehen von Herrn Niedecken in letzter Zeit bedenklich in Richtung Bob Dylan entwickelt hatte, war meine zweite Befürchtung, das Konzert würde ähnlich misanthropisch ablaufen, wie das eines Robert Zimmermann.

BAP

BAP im Serenadenhof in Nürnberg

Aber alles kam ganz anders. Das Gewitter hat sich verzogen. Nur die ersten Zuschauerreihen wurden vom leicht einsetzenden Sommerregen ein wenig nass und Wolfgang Niedecken, neben Lukas Podolski der zweite Vorzeige-Kölner der Republik, entpuppte sich als äußerst launiger Conférencier. Zwar bemühte er zu Beginn seiner Moderation ein wenig zu oft „Lieschen Müller“, die wahrscheinlich oder ganz sicher viel zu naive Vorstellungen davon hätte, welchen Aufwand es bedeutet, ein UNPLUGGED-Konzert zu arrangieren. Es sei nämlich viel einfacher, mit E-Gitarren und fetten Marshall-Verstärkern nostalgisch gestimmtes Rock’n Roll Publikum zu beschallen, als dies mit Geigen, Westerngitarren und Kontrabass zu tun.

Ich gestehe, für mich war das der einzige Grund, zu diesem Konzert zu gehen, denn die Brachial-Arrangements unter der Federführung des damaligen Leadgitarristen Klaus „Major“ Heuser, waren mir schon zu Zeiten der goldenen BAP-Jahre zu sehr mit der Keule.
Da konnten mich die Töne der liebreizenden Geigerin Anne de Wolff, ihrem Gitarristen-Gatten Ulrich Rode, des großartigen Percussionisten Rhani Krija, und des Schifferklavier und Hammondorgel spielenden und ob seines Honecker-Hütchens so genannten Staatsratsvorsitzenden Michael Nass schon mehr begeistern, zumal der Sound im restlos ausverkauften Serenadenhof ganz brillant war und man zu jeder Zeit die einzelnen Instrumente heraushören und orten konnte.

Apropos Instrumente: Das musikalische Ehepaar de Wolff/Rode ließ es sich nicht nehmen, tief im Fundus seiner Instrumentensammlung zu wühlen und der Einsatz eines indischen Harmoniums, einer türkischen Saz, eines Banjos, einer Steel Guitar oder eines Xylophons hat die aufwändigen und teilweise völlig neu arrangierten alten und jüngeren BAP-Songs auf jeden Fall bereichert.
Überhaupt war das eine ganz hervorragend eingespielte Band, der ich auch als nicht so eingefleischter BAP-Fan sehr gerne zugehört habe.
Die Texte: nun ja. Ich verstehe kein Wort und habe auch keine große Lust, mich ins Kölner Platt einzuarbeiten, insofern könnte Niedecken auch englisch oder serbokroatisch singen.

Was man ihm auf jeden Fall attestieren muss: er ist und bleibt ein Gutmensch, der diesen Namen im positivsten Sinne auch verdient. Sein soziales und gesellschaftliches Engagement unter anderem beim Hilfsprogramm Rebound, das frühere Kindersoldaten in Uganda unterstützt, ist vorbildlich, wirkt zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt und geht weit über das hinaus, was Musiker und andere Künstler für gewöhnlich tun.

Zum Schluss des Konzerts natürlich das unvermeidliche Verdamp lang her, das allerdings, wie ich fand, als einziges Lied am fehlenden Schalldruck litt, ist man doch gewohnt, dass es einem beim erstmaligen Einsetzen des Refrains so richtig, also ich meine so richtig vom Hocker reißt und nach hinten wegbläst. Dieser Effekt bleibt bei akustischer Instrumentierung natürlich aus. Immerhin hatten die vielzitierten Lieschen Müller im Publikum endlich ihren Auftritt, sprangen von den Sitzen auf und patschten fröhlich in die Hände. Die meisten natürlich im falschen Takt.

P.S.
Für die letzten beiden Sätze bringt mich die Liebste, die in den 80er Jahren großer BAP-Fan war, sicherlich um.
Ich habe Euch immer geliebt!

Kommentar verfassen ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

Juli 2014
M D M D F S S
« Mrz   Okt »
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031