Henrik Freischlader im Nürnberger Hirsch

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13.03.2014 von axeage

Es gibt ja die Legende, dass gute Bluesmusiker an der berühmten Crossroad ihre Seele dem Teufel verkauft haben sollen, damit der ihnen beibringt, wie man den Blues spielt.
Bei Henrik Freischlader war das glaube ich nicht so. Wenn es jemanden gibt, der Empathie und Sympathie in einer Person vereint, dann ist es dieser grandiose Musiker aus Wuppertal. Beim gestrigen Konzert im Nürnberger Hirsch hat er das alleine schon wieder einmal damit bewiesen, dass er höchstpersönlich als „Ersatzmann“ für den ausgefallenen Gitarristen der Vorband um die charismatische Sängerin Layla Zoe eingesprungen ist.

Auch die Geste, nach einem herrlichen Keyboardsolo von Mr. Mo, Moritz Fuhrhop, doch einen längeren Break zu machen, damit die Zuschauer dieses Solo länger beklatschen können und er seine etwas verblüfft dreinblickende Band nach dem Song aufforderte, diesen Break doch bitte jetzt, quasi just in time, mit ihm zu üben und uns, die Zuschauer, aufforderte, die entstehende Pause bitteschön ausgiebigst mit Applaus zu bedenken, auch diese Geste lässt kaum darauf schließen, Herr Freischlader hätte sich in irgendeiner Weise mit dem Teufel eingelassen.

Einzig der Song mit dem Refrain What’s my motherfucking Name wirkt ein wenig verirrt. Man nimmt dem smarten Herrn Freischlader derartigen Gossenslang einfach nicht ab und auch das durch die Bank etwas betagtere Publikum im ordentlich gefüllten Hirsch schließt sich nur vereinzelt der Aufforderung an, diesen Refrain, der jeweils auf einen schrägen Gitarrenriff folgt, mitzusingen. Ich sehe schon, ihr habt keinen Bock auf Singen, resümiert Freischlader grinsend und greift daraufhin umso beherzter in die Saiten.

201403-Henrik

Henrik Freischlader und Band

Das wirklich großartige an seiner Musik ist, dass er sowohl die leisen und leisesten Töne, als auch das volle Brett wie kaum ein anderer beherrscht. Eine seiner Balladen leitet er mit dermaßen wohl aufeinander abgestimmten Arpeggios ein. Man kann nur staunen, über so viel Beseeltheit, über sein Timing, über seine Anschlagstechnik. Umso ärgerlicher, wenn irgend so ein Spacko aus dem Publikum meint, grölen zu müssen: Jetzt geht’s loooos.
What’s your motherfucking Name, hatte ich auf der Zunge, habe es mir dann aber dann doch verkniffen.

Richtig was auf die Ohren gibt es, wenn Freischlader die Röhren seiner eigens für ihn konzipierten Realtone-Verstärker in die Sättigung fährt und sich jeder Anschlag mit einem lauten Schmatzen in einen langen, stehenden Ton wandelt. Und ein solcher Ton steht und steht und steht und steht. Manchmal etwas zu lange und die Figuren – vor allem bei den Balladen – sind dann doch auf die Dauer etwas redundant. Ich glaube, das Publikum hätte sich zum Schluss lieber ein paar Wachmacher-Shuffle als noch eine getragene Ballade im Ultralangsamtempo gewünscht.

Sei’s drum. Es war ein großartiger Abend mit Bluesrock, wie man ihn amtlicher nicht darbieten kann. Layla Zoe als Vorgruppe mit dem Meister persönlich an der Gitarre, war sowohl was fürs Auge, als auch fürs Ohr, als auch fürs Herz. Freischladers empathische Einstellung hat sich übrigens zum dritten Mal gezeigt, als er erzählte, dass für eine Vorgruppe bei einer Tour oft nur die Kosten hereingespielt würden und er uns deshalb vorschlagen würde, am Merchandising-Stand doch lieber etwas von Layla Zoe, als von seiner Band zu kaufen.
Also gut, ich war so frei und habe mir die neueste CD der Dame gekauft: The Lily – sehr hörenswert!

One thought on “Henrik Freischlader im Nürnberger Hirsch

  1. wildgans sagt:

    Klasse, wäre ich gerne dabei gewesen!
    Wie darf ich „amtlich“ gespielten Bluesrock mir vorstellen?

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