Wege aus der Globalisierungsfalle am Beispiel der wurstverarbeitenden Industrie

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10.02.2012 von axeage

Wenn im Iran etwas explodiert, denkt man natürlich zuerst und unwillkürlich an die Atombombe, die dort im Schurkenstaat mit Nachdruck gebaut und getestet werden soll. Allerdings gibt es für einen bekennenden und praktizierenden Franken wie mich eine Explosion, die noch viel schlimmer wirkt, als alle Bomben dieser Welt zusammengenommen, nämlich die neulich in der örtlichen Presse thematisierte Preisexplosion auf dem Markt für iranische Schafsdärme.

Dazu muss man wissen, dass der Schafsdarm, der in Fachkreisen der fleisch- und wurstverarbeitenden Industrie auch Saitling genannt wird, ein wesentlicher Bestandteil, um nicht zu sagen unverzichtbares Verpackungsmaterial für das äußerst raffiniert gewürzte, mit internationalen Patentrechten geschützte und vom Präsidenten des 1. FC Bayern München Uli Hoeneß höchstpersönlich in besagten Saitling verpresste Bratwurstgehäck ist, das nach erfolgreicher Befüllung die Original Nürnberger Rostbratwurst ergibt.

Merkwürdig mutet in diesem Zusammenhang an, dass neulich ein Streit darüber entbrannte, ob man eine Original Nürnberger Rostbratwurst auch dann noch als solche bezeichnen darf, wenn das Fleisch nicht aus Nürnberg oder seiner zauberhaft fränkischen Umgebung stammt. Übrigens sehr zum Leidwesen der Nürnberger Bratwurstgastronomie, denn für die enorme Anzahl von Schweinen, die notwendig wäre, um die Heerscharen japanischer-, amerikanischer- und sächsischer Touristen tagtäglich mit Original Nürnberger Rostbratwürsten abzufüttern, müsste ein dichtes Netz hocheffizienter Schweinzuchtanlagen um Nürnberg angelegt werden, was wiederum zur Folge hätte, nahezu sämtliche Neubaugebiete und die halbe Fränkische Schweiz zwangsumzusiedeln.
Zu Ende gedacht, würde das aber natürlich auch bedeuten, die notwendigen Därme ebenfalls einheimischen-, sprich fränkischen-, sprich Nürnberger Schafen zu entnehmen, wollte man nicht in eine eurokratisch abgesegnete Original Nürnberg-Teheran-Mischbratwurst beißen.

Tatsache aber ist, dass der Saitling iranischer Schafe seit Jahrtausenden zu den zartesten und bestgeeigneten Därmen zählt. Übrigens nicht nur bei der Wurstverarbeitung, sondern einseitig verknotet und auf die passende Länge zugeschnitten bis ins 18. Jahrhundert auch zur Empfängnisverhütung.

Nun kann ich mir in diesen globalisierten Zeiten allerdings durchaus vorstellen, die künstliche Verteuerung iranischer Schafsdärme könnte eine Trotzreaktion Teherans auf die internationalen Finanzsanktionen sein, die aufgrund des eingangs erwähnten iranischen Atomprogramms verhängt wurden, frei nach der Devise: kein Geld, kein Darm.

Aber wer weiß, wofür es gut ist. Sollen sich die ollen Perser ihre Saitlinge doch sonst wo hin schieben. Die Pläne für den Schweinegürtel um Nürnberg inklusive begrünter Schweinestalldächer, auf denen dann persische Heidschnucken weiden, liegen doch wahrscheinlich schon längst in den Schubladen der obersten Baubehörden. Und spätestens dann, wenn die EU-Verordnung 13468-II umgesetzt werden muss, nach der Original Nürnberger Rostbratwürste nur noch aus Ingredienzien bestehen dürfen, die in oder um Nürnberg herum erzeugt wurden, werden wir Mahmud Ahmadinedschad dankbar für seine Darm-Reizungen sein.

Im Übrigen könnte ich mir vorstellen, dass die Produktion von Naturdarm-Präservativen im Iran zum Boom-Industriezweig wird. Im Gegensatz zu den Katholiken dürfen die Muslime doch verhüten – oder?

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