Vorstellungsgespräch

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15.11.2011 von axeage

Damals hielt er sich für unvoreingenommen, weil er sie einstellte. Aber der eigentliche Grund war wohl, dass sie so verdammt verführerisch war. So süß. So verlockend. Und um so mehr, als sie so töchterlich wirkte.

Delphine Roux hatte seinen Blick missverstanden, als sie den etwas melodramatischen Gedanken gehabt hatte – das war das Hinderliche an ihrer geistigen Gewandtheit: dass sie nicht nur voreilige melodramatische Schlüsse zog, sondern sich auch in erotischer Hinsicht dem Zauber des Melodrams hingab -, er wolle ihr am liebsten die Hände auf den Rücken fesseln. Nein, was er, aus allen möglichen Gründen, wollte, war dies: Er wollte sie nicht am College haben. Und darum stellte er sie ein.

Und so begannen sie ernsthaft, schlecht miteinander zurechtzukommen.

Philip Roth – Der menschliche Makel

15 thoughts on “Vorstellungsgespräch

  1. iris sagt:

    Du magst Philip Roth auch? Ist ja witzig!

  2. axeage sagt:

    @iris
    Mein erster „großer“ Roman von ihm. Davor nur ein kleines Büchlein.
    Bin ziemlich begeistert. Die modernen Amis (Updike, Franzen, Roth, teilweise Foster Wallace) kann man alle sehr gut lesen.
    Demnächst gibt’s mal einen DeLillo. Bin schon gespannt.

  3. iris sagt:

    Ja, John Updike war mein erster Amerikaner, den ich gelesen hab😉
    Der Verlag Volk und Welt hat einige seiner Bücher zu DDR-Zeiten rausgebracht. Es ist wirklich schade um ihn.

  4. axeage sagt:

    @iris
    Die vier (bzw. fünf) Rabbit-Romane von Updike sind neben der Blechtrommel von Grass die einzigen Bücher, die ich zwei Mal gelesen habe.
    Und die Rabbit-Updikes lese ich bestimmt noch einmal.

    … und ja: es ist wirklich schade um ihn.
    Weiterführende LINKS:
    Hier und hier.

    … und übrigens: hast Du einen Tipp, was ich von Roth als nächstes lesen sollte?

  5. ich habe noch nie was von dem gelesen. Und das Zitat bringt mich jetzt auch nicht dazu, das zu ändern. Safran Foer mag ich sehr und dann gibt es ja auch noch Thomas Peyton.

  6. axeage sagt:

    @muetzenfalterin
    Thomas Peyton??
    Du meinst nicht zufällig Thomas Pynchon? Der stünde nämlich auch auf meiner Liste.

  7. Ertappt ;-)… Klar meine ich Thomas Pynchon. Ich lese gerade „Gegen den Tag.“

  8. Ich habe das offensichtlich mit Elizabeth Peyton gemischt, einer Malerin, die mich auch sehr fasziniert. Aber Roth? Ehrlich, was ist dran an dem? Warum sollte man ihn lesen? [das sind übrigens keine rhetorischen Fragen, ich interessiere mich wirklich für mögliche Antworten].

  9. axeage sagt:

    @muetzenfalterin
    Also ich missioniere hier nicht für Roth. Was „an dem dran“ ist, weiß ich nicht. Er schreibt einfach gut.
    Selber lesen macht schlau.

  10. iris sagt:

    Wenn du schon mit dem Buch „Der menschliche Makel“ angefangen hast, solltest du vielleicht die beiden anderen aus der Trilogie auch noch lesen?
    „Amerikanisches Idyll“ und „Mein Mann der Kommunist“
    Einen recht guten Einblick in die Bücher von ihm findest du übrigens hier: http://www.dieterwunderlich.de/Roth_idyll.htm

  11. axeage sagt:

    @iris
    Vielen Dank. Inzwischen weiß ich ja, dass „Der menschliche Makel“ aus der Trilogie um den Schriftsteller Nathan Zuckerman stammt.
    Da liegt es natürlich nahe, auch die beiden anderen Teile zu lesen. Übrigens, kann es sein, dass die Bücher deshalb in der DDR aufgelegt wurden, weil einer der Romane „Mein Mann, der Kommunist hieß“😉
    Ein Scherm Schelm, wer böses dabei denkt.

    @muetzenfalterin
    Der Dieter Wunderlich kann viel besser erklären, „was an dem dran ist“, als ich -> siehe LINK bei iris

  12. iris sagt:

    @“Übrigens, kann es sein, dass die Bücher deshalb in der DDR aufgelegt wurden, weil einer der Romane „Mein Mann, der Kommunist hieß“ ;-)“
    Das traue ich denen ohne weiteres zu und wahrscheinlich haben sie es nicht mal vorher gelesen😉

  13. axeage sagt:

    @iris
    Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Roth noch Esel auf.

  14. iris sagt:

    @axeage,
    nun aber genug mit der Vergangenheit, schauen wir nach in die Zukunft.
    Wir stehen kurz vor dem Abgrund – aber morgen sind wir schon einen großen Schritt weiter. Duck und weg…

  15. iris sagt:

    Da der Kommentarbereich bei Amy geschlossen ist, hier von mir ein Tip – ab Dezember im Handel:
    http://web.de/magazine/unterhaltung/musik/14164874.html#.A1000107

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