Zehn Jahre Verschwörungstheorie

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11.09.2011 von axeage

Mich erfasst immer dann ein schlimmer Würgreiz, wenn Typen wie Rudolph Giuliani, ehemaliger Bürgermeister von New York, davon schwafeln, die Anschläge des 11. September 2001 seien ein Angriff auf die Freiheit der USA gewesen. Wenn Giuliani darunter versteht, dass sich die Vereinigten Staaten von Amerika die Freiheit genommen haben, im August 1945 Atombomben auf zwei japanische Städte zu werfen und mit diesen Angriffen für über 100.000 Tote, wenn nicht sogar 200.000 Tote verantwortlich zeichnen, ist für mich dieses Argument halbwegs akzeptabel, aber ich fürchte, Herr Giuliani meint etwas anderes.

Ja, ich weiß, man soll keine Zahlenspiele betreiben, wenn es um Opferzahlen geht, aber gegen die Zahl derjenigen, die allein beim Ground Zero von Hiroshima und Nagasaki umgekommen sind, schneidet NineEleven eher kläglich ab.
Der Begriff Ground Zero stammt übrigens aus dieser Zeit der Atombombenabwürfe und bezeichnet lt. Wikipedia im englischsprachigen Raum ursprünglich einen Punkt auf der Erdoberfläche, auf oder über dem eine Nuklearexplosion stattgefunden hat oder stattfinden soll. Der Ground Zero ist somit der Punkt mit den (wahrscheinlich) höchsten Schäden durch die Explosion.
Weil die Amis aber zu gerne ihren eigenen Ground Zero haben wollten, also nicht einen, den sie selbst zu verantworten haben, wurde die Einsturzstelle der Zwillingstürme kurzerhand auch so genannt. Kein Mensch denkt jetzt mehr an Japan, zumal Japan seit März dieses Jahres mit Fukushima einen glänzenden neuen Ground Zero vorweisen kann.

Mein erster Gedanke, als klar war, dass es sich an jenem sonnigen Morgen im September vor zehn Jahren nicht um einen Unfall, sondern um einen Anschlag handelt, war: wie kann so etwas passieren. Und ich bin eigentlich ganz schnell zu dem Ergebnis gelangt: so etwas kann nicht passieren. Ich war von Anfang an und bin heute noch der Meinung, mit ein paar Teppichmessern und einem bärtigen Finsterling als Auftraggeber, lassen sich nicht gleichzeitig vier Flugzeuge entführen, als Waffe missbrauchen und am Ende gibt es fast 3.000 Tote.
Einer Nation, die sich mit CIA, DIA, NSA, US Coast Guard Intelligence, NGA, NRO, IAIP, NSB/FBI, INR, OIA/Treasury und IN/DOE (wer sich dafür interessiert, kann dies bei USA Erklärt nachlesen) mehr als zehn Geheimdienste leistet, kann nicht entgangen sein, dass ein paar vermeintlich stinkreiche Araber, die auf Flugsimulatoren in Vero Beach, Florida nur das Fliegen von Steilkurven üben, etwas anderes vorhaben, als sich für 150.000 DM (soviel kostet eine derartige Flugausbildung) einen extravaganten Neureichen-Spaß zu gönnen.

Ich gehe nicht so weit, zu behaupten, die Anschläge wären in den höchsten Stellen amerikanischer Regierungskreise bekannt gewesen oder gar von ihnen gedeckt worden, aber gänzlich unbekannt und aus sprichwörtlich heiterem Septemberhimmel sind sie bestimmt nicht gekommen. Diese Anschläge haben einigen Falken, von denen ich ganz sicher bin, dass es sie zuhauf auf allen Ebenen des us-amerikanischen Machtapparats gibt, ganz hervorragend ins Konzept gepasst. Und komme mir bitte keiner mit „Verschwörungstheorie“. Für mich gehört die Geschichte der Teppichmesser und Geheimdienstleramnesie, die noch am gleichen Tag der Anschläge bekannt und danach kaum modifiziert propagiert wurde, am ehesten in die Verschwörungsrubrik.
Für das, was geschehen ist, gibt es nur eine Erklärung: man hat am 11. September 2001 einer Sache ihren Lauf gelassen, von der man (hoffentlich höchstwahrscheinlich) nicht annahm, wie verheerend sie enden würde, die man aber deshalb billigend in Kauf nahm, weil sie einer vielarmigen Lobbyistenkrake, die sich längst unheilvoll in alle Bereiche amerikanischer Politik tentakelt hat, vermeintlich am nützlichsten war.

Die andere Alternative – tatsächlich möchte ich nicht so vermessen sein, wie unsere Bundeskanzlerin, die gefühlte achtig Prozent  ihrer Absonderungen alternativlos verstanden wissen will – dass die Anschläge genauso abgelaufen sind, wie sie uns die Presse seit zehn Jahren vollkommen plausibel herleitet, ist für uns als Spezies Mensch im Allgemeinen und als Demokrat im Besonderen nicht weniger schmeichelhaft. Mohammed Atta und seine Dschihad-Kumpel haben nicht umsonst das WTC angegriffen. In die Falle, einen heiligen Krieg gegen den Islam anzuzetteln sind die Angegriffenen und alle, die sich mit ihnen verbündet haben, nachdem das Allerheiligste der westlichen Zivilisation in Schutt und Asche gelegt worden war, sehenden Auges getappt. Etwas anderes gaben Staub, Asche, Stars und Stripes offensichtlich nicht her.

Aber wäre eine Auseinandersetzung mit einer solchen Tat nicht auch so möglich gewesen, wie es derzeit die Norweger praktizieren, nachdem ein verblendeter Templer und Kreuzritter das Regierungsviertel in die Luft gesprengt und über sechzig Jugendliche auf einer Ferieninsel dahingemetzelt hat: offene Gesellschaft statt Gesetzesverschärfungen, Dialog statt Diskriminierung, Trauer statt Patriotismus.
Tatsächlich hätte ich mir derartiges unter Mr. Obama vorstellen können, allerdings auch nur bis zu dem Zeitpunkt, bis zu dem er Bin Laden in seinem eigenen Bett hat umbringen lassen. Mit dieser Aktion und dem gebrochenen Versprechen, das Gefangenencamp Guantánamo alsbald zu schließen, rückt er für mich immer weiter in Richtung seines unsäglichen Vorgängers.
Guantánamo zu schließen wäre das mindeste gewesen, was Obama in seiner bisherigen Amtszeit hätte zu Wege bringen müssen, um die völlig überzogenen Reaktionen auf Nine Eleven und Ground Zero mit Enduring Freedom und Heimatschutzbehörde halbwegs zu kompensieren.

Hat nicht sollen sein.
Zehn Jahre nach Nine Eleven muss man konstatieren: die Terroristen haben die Falken dieser Welt aufgescheucht und erfolgreich in der Luft gehalten. Die Tauben bleiben bis auf weiteres am Boden.

20 thoughts on “Zehn Jahre Verschwörungstheorie

  1. Li Ssi sagt:

    da schreibst du mir aus der seele und so, wie ich es nicht kann… besonders freut es mich, dass du norwegen mit hinein nimmst, dies tat diese woche auch eine radiosprecherin… norwegen KÖNNTE diesbezüglich ein vorbild sein, ist es aber leider nicht, weil es nicht in die taktik von säbelrasseln, kontrollieren und machtdemonstrationen passt- schade eigentlich…

  2. wildgans sagt:

    Da bleibt mir der schriftliche Kommentarmund zu- oder offen- die letzten Sätze können die Überschrift „lakonisch“ haben. Aber das andere…wie gesagt…
    Gruß von Sonja

  3. axeage sagt:

    @Li Ssi
    da schreibst du mir aus der seele und so, wie ich es nicht kann…
    Wenn Du es nicht kannst, dann lass‘ es auch bleiben: die Auswirkungen von Nine Eleven mit Sudoku zu vergleichen ist großer Quatsch!

    @wildgans
    Da bleibt mir der schriftliche Kommentarmund zu- oder offen-
    Schade!

  4. Li Ssi sagt:

    es geht mir weniger um die auswirkungen, als darum dass es mir noch immer zu viele leerstellen in bezug auf das wer und wieso überhaupt gibt, als dass es eine logik hätte, die ich nachvollziehen könnte… ich glaube nicht wirklich an die terroristen

  5. Westrup sagt:

    Herr AxeAge, ich kann Ihrem bemerkenswerten Beitrag nur zustimmen. Schön zu wissen, nicht allein zu sein.

  6. iris sagt:

    „Weil die Amis aber zu gerne ihren eigenen Ground Zero haben wollten, also nicht einen, den sie selbst zu verantworten haben, wurde die Einsturzstelle der Zwillingstürme kurzerhand auch so genannt.“
    Ich denke, sie hatten ihn selbst zu verantworten-oder?

  7. axeage sagt:

    @Westrup
    Vielen Dank Herr Westrup.

    @iris
    Wohl kaum im Sinne von „befohlen und durchgeführt“.

  8. iris sagt:

    @axeage,
    Das bleibt zu hoffen.

  9. irgendlink sagt:

    Es könnte nichts von alldem wahr sein. Also auch Dein Artikel selbst könnte unwahr sein. Ich weiß allerdings, dass es Dich gibt. Ob es Guantanamo gibt, weiß ich nicht, ob es New York gibt, weiß ich auch nicht. Ich glaube daran. Ob dort Hochhäuser gestanden haben, kann ich nicht mit 100 prozentiger Sicherheit sagen, und ob dort Flieger reingerast sind, weiß ich auch nicht. Ich habe all meine Informationen aus dritter, vierter oder fünfter Hand. Vieles glaube ich, scheint mir plausibel. Dass es Dich gibt, habe ich auch erst vor drei Monaten am eigenen Leib erfahren. Und die Wildgans, dass es die gibt. Aber ob Ihr wahr wart, bevor ich Euch persönlich kennen gelernt habe, naja, plausibel wart Ihr Gesichter hinter den Blogs schon, aber durchaus auch Verschwörung hättet Ihr sein können. Somit muss ich leider sagen, dass 9/11 zwar wahrscheinlich statt gefunden hat und dass grundsätzlich alle Versionen, wer was wann warum gemacht hat und wer was wusste und hätte verhindern können oder wer was billigend in Kauf genommen hat, möglich wären. Es könnte aber auch sein, dass nichts von alldem je statt gefunden hat. Dies ist eine, meine Verschwörungstheorie der besonderen Art. Fakt ist, dass ich die Zwillingstürme nie gesehen habe.
    Wenn ich es mir recht überlege, könnte die Erde somit auch eine Scheibe sein.

  10. Sherry sagt:

    Ja, so in etwa. Soviele Geheimdienste mit fast neurotischen Alarmierungstendenzen, und dann das. Das passt hinten und vorne nicht. Guter Artikel. Trotzdem: Scheiß Terroristen.

  11. iris sagt:

    @Irgendlink,
    bist du sicher, dass es dich gibt?😉

  12. irgendlink sagt:

    iris, das ist das Wort zur guten Nacht jetzt für mich. Ähm, also für den, für den ich mich halte🙂

  13. […] ich wirklich und wenn ja, wer?, grübelte ich neulich, ausgelöst durch einen Blogcomment von Irgendlink bei AxeAge. Einer der besten Blogkommentare übrigens, die ich je gelesen habe. Bin ich gar mehrere, wie […]

  14. wildgans sagt:

    Auf einer Skala von 1 bis 10- wie DA, wie existent fühlen Sie sich?
    Kommt drauf an…..
    Axel, sag auch mal was zum Grandioskommentarpost von Jürgen, hm?
    Alles, was mir nicht einfiel….

  15. axeage sagt:

    @Irgendlink, SoSo, wildgans

    Es saßen am Ufer des Indus
    drei philosophierende Hindus.
    Ihr Problem war fatal,
    denn sie fragten voll Qual:
    „Bist ich es, sind er’s oder bin du’s?“

    Schobert & Black

  16. iris sagt:

    hihi – die Atwort ist ein typischer Axeage🙂

  17. günter sagt:

    Wie kommst Du eigentlich dazu, mit meinem Parade-Lieblings-Limerick zu prahlen, den ich Dir schon seit Jahren ins Ohr schraube?
    Wie wär’s mit einem anderen indischen Limerick von Schobert & Black:
    Ein Kanufahrer im Ganges,
    ein Sportler besonderen Ranges
    sah plötzlich ein Riff,
    doch fuhr er sein Schiff
    nicht gegen ihm, sondern entlang es.

  18. Sati sagt:

    Nach meiner Betrachtung – ist seither nichts mehr auf dem Boden gegeblieben und der Überwachungs- und Kontroll-Wahn komplett abgehoben. Schreib schon bei der Wildgans drüben, daß es m.E. ein gewollt-installiertes und medieninszeniertes „kollektives Trauma“ auslösen sollte, welches es seither ermöglicht, unter einem mehr als schwammigen Schlagwort des „Internationalen Terrorismus“ Maßnahmen zu installieren, die sonst nicht so leicht hingenommen worden wären. Und es blieb nicht das einzige medienwirksames Trauma, es folgten noch zahlreiche.
    Für mich – ist seit einigen Jahren dank unerschrockener Menschen und den von ihnen in Netz gestellten Informationen klar, daß es sich hier um eine ganz andere Version handelt, als die offizielle, welche ich ebenfalls für keinen Moment geglaubt habe. Ich glaube an eine Sprengung der Türme und des Nebengebäudes – wenn ich der Logik und dem betrachtenden Menschenverstand folge. Die vielen Zusamenhänge, die an diesem Ereignis hängen und für alle recherchierbar sind im Netz – sind erstaunlich perfekt orchestriert und perfide. Letzteres – macht es wohl den meisten unmöglich, an die logischen Zusammenhänge zu glauben – die immer und auch in anderen Fällen „Verschwörungstheorie“ genannt werden.

    Philosphisch betrachtet – ist es natürlich richtig, daß niemand was weiß oder beweisen kann, nicht einmal die eigene Existenz.
    Rein weltlich betrachtet – scheinen wir immer zu denken, daß Perfides und Unglaubliches immer nur in der Vergangenheit stattgefunden haben kann – aber doch nicht in unserer Zeit und Welt. Das Gegenteil ist der Fall.
    Und es ist alles noch viel wahnsinniger geworden – denn heute kann es jeder sehen bzw. sich informieren – aber dennoch leugnen oder verdrängen wir umso heftiger denn je die Geisteskrankheit der eigenen Spezies, also die eigene.

    Hätte gerne was Lichteres geschrieben oder einen
    netten Limerick (auch so eine Form der Verdrängung?) – aber inzwischen sehe ich recht dunkel, was die Menschheit betrifft.
    Das einzig Gute, das ich noch finden kann, ist, daß immer mehr Bodensatz hochkommt. Wobei – was nützt es, wenn wir nichts draus lernen?!

    Sati – recht unoptmistisch, am „historischen 12.09.2012“ – wünsche Euch denoch allen einen guten Tag.

  19. Sati sagt:

    „Für das, was geschehen ist, gibt es nur eine Erklärung: man hat am 11. September 2001 einer Sache ihren Lauf gelassen, von der man (hoffentlich höchstwahrscheinlich) nicht annahm, wie verheerend sie enden würde, die man aber deshalb billigend in Kauf nahm, weil sie einer vielarmigen Lobbyistenkrake, die sich längst unheilvoll in alle Bereiche amerikanischer Politik tentakelt hat, vermeintlich am nützlichsten war.“
    Entschuldige, wenn ich nochmal was dazu sagen möchte: Diese Inszenierung mit all ihren ineinandergreifenden Details, als kleinster Teil davon die quasi simultan anlaufende, weltweite Medienshow, war – wie schon geschruben – perfekt orchestriert und dazu bedarf es eines entsprechenden „Logistik-Apparates“ – über den keine sogenannte „terroristische Vereinigung“ auf diesem Planeten verfügt. Too big … Das – meinte ich mit „Logik“.

  20. axeage sagt:

    @Sati
    Also Sprengung ist großer Quatsch. Ganz großer Quatsch. Entschuldige, wenn ich das sage, aber auf dieses Verschwörungstheorieniveau lass‘ ich mich nicht herunterziehen.
    Dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist, dass im Vorfeld (vielleicht absichtlich) grob fahrlässig recherchiert wurde, dass viele Augen und Ohren geschlossen waren, obwohl sie hätten offen sein müssen, das räume ich ein. Aber alles andere, gar vorsätzliche Sprengung, halte ich für absolut unmöglich.

    … und bevor hier die große Verschwörungstheorieschlacht ausbricht, schließe ich hiermit den Kommentarbereich.

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