Rainer Maria spielt Golf

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13.08.2011 von axeage

Würde Rainer Maria Rilke Golf gespielt haben, dann hätte er dieses Herbstgedicht

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

bestimmt so formuliert:

Die Bälle fallen, fallen oft von weit,
als golften auf den Plätzen gute Götter;
sie fallen mit entschleunigtem Getue.

Und an den Löchern rollen sie zur Ruhe
Von fernen Schlägen hin zur Einsamkeit.

Sie alle fallen. Dieser Ball da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist mancher, welcher dieses Fallen
Für seinen einzgen Lebensinhalt hält.

Sonja hat mir diese köstliche Modifikation geschickt. Sie stammt von Michael Kopetz aus Österreich und wurde in der letzten ZEIT in der Rubrik Zeit der Leser veröffentlicht. Danke dafür.

3 thoughts on “Rainer Maria spielt Golf

  1. Wildgans sagt:

    Knallgolfgut:-)
    Das begeistert mich derart, dass ich mich nun auch an einer Gedichtumschreibung versuche- und das genau an die angegebene Stelle schicke- Thema verrate ich nicht.
    Gruß von Sonja

  2. Westrup sagt:

    Aber Rilke hat doch Fussball gespielt, kein Golf! Wie dieses Gedicht von ihm beweist:

    Die Quanten

    im Eimer mit warmem Senfwasser

    Seine Mauken sind vom Latschen eben
    so platt geworden, dass sie nichts mehr hält.
    Ihm ist, als tät es Käse geben,
    denn hinterm Tuch müffelts im Zelt.

    Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
    wenn anfangs man ne Runde dreht,
    wird echt zur Qual und richtig Schitte,
    wenn man in falschen Schuhen steht.

    Und auffem Platz schiebt man die Pille
    drei, viermal ins Tor. Das ist so klasse,
    geht durch der Glieder angespannter Wille –
    und in den Packeln trägste SASSE!

    ANMERKUNG:

    Im Frühjahr 1901 weilte Rainer Maria Rilke in Worpswede und war sehr frustriert, weil er aufgrund seiner Spreitzfüße oft die gemeinschaftlichen, sonntäglichen Bölzabende absagen mußte und auch ansonsten unter schlimmen Schweißfüßen litt. Der westfälische Unternehmer und Kunstliebhaber Dr. Bernfried Sasse ließ sogleich in seinen Werken in Greven Spezial-Einlagen für den Dichter anfertigen, der sich mit dem obigen Poem bedankte. Später schrieb er es zum ‚Panther’ um. ‚Packeln’ ist österreichisch ugs. für ‚Fussballschuhe’.

  3. Li Ssi sagt:

    superKlasse, gefällt mir…

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