Allerhand aus Schland

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01.07.2011 von axeage

Heißt es jetzt Krakenorakelin oder Krakinnenorakel und gibt’s überhaupt eine solche? Eine Pauline, eine Paulinette, eine Pauleuse? Irgendwie habe ich den Eindruck, fügt sich nicht alles so, wie es sein sollte, bei dieser Frauenfußball-WM. Ja gut, ich gebe zu, das sieht schon meistens wie Fußball aus und es fallen auch schöne Tore. Außerdem spucken die Mädels nicht so oft auf den Boden und wie manche Fußballerina aussieht, sollte ja wirklich keine Rolle spielen; bei den Männern tragen ja auch die wenigsten ihr Haar so schön, wie Mario Gomez. Trotzdem, schon das Wort Frauenfußball. Wenn Männer spielen, heißt es doch auch einfach nur Fußball. Und dann diese nervtötenden Innen-Anhängsel: SchiedsrichterInnen, FußballerInnen, TrainerInnen. Zum Glück spielen die FinnInnen nicht mit.

Dann gestern, das Spiel gegen die – dank Voodoo-Zauber – garantiert lesbenfreie Knochenbrecher-Truppe aus Nigeria. Ich mach’ mir jetzt bestimmt ein paar FeindInnen, aber warum musste ich nach fast jedem deutschen Ballkontakt an einen versprengten Hühnerhaufen denken? Könnte natürlich daran liegen, dass Hähnchenhaufen in der Natur kaum vorkommen? Und als Krönung dann noch diese moppelige Schiedsrichter-Asiatin, die selbst die härtesten Attacken nichtahndend und nichtsahnend unter den Rasen grinste. Bei den Männern wäre die mindestens mit ein paar Feuerzeugen oder Bierbechern beworfen worden und das halbe Stadion hätte gewusst und verkündet, wo ihr Auto wohnt.

Ich kann mir nicht helfen, aber ich werde nicht so recht warm mit jenen ursprünglich auf ein gewisses Maß an Robustheit und – ja, auch – Primitivität ausgelegten Sportarten, die dann plötzlich auch von Frauen ausgeübt werden (sollen/müssen). Diese Ambivalenz, wenn eine Spielerin ordentlich einsteigt, als Flintenweib abgestempelt zu werden, um sie dann, wenn sie es nicht tut, sofort der Nonnenhockeyfraktion zuzurechnen, führt doch bei den meisten Beobachtern und Zuschauern nur zur gänzlichen Gefühlsverwirrung. Wenn dann auch noch, ganz im Zeichen von Bild Dir Deine Meinung Großmaulwerbung für das „größte, deutsche Presseorgan“ hinzu kommt, ist doch endgültig jeglicher Wohlwollensbonus verspielt – oder? Also bei mir schon!

Bis vor kurzem dachte ich ja, man könnte den Deal machen, Männer lassen die Finger von rhythmischer Sportgymnastik und Synchronschwimmen, dafür lassen die Frauen das Fußballspielen und Boxen wieder bleiben. Dann aber sah ich neulich beim Themenabend „Nordlichter“ in 3Sat einen Filmbericht über schwedische Männer in der Midlife Crisis, die eine Synchronschwimmgruppe gegründet haben und zu unverhofftem Erfolg gelangten.

Auf nichts mehr ist Verlass. Schlimm!
Und was noch schlimmer ist: so wie ich die Nordlichter einschätze, sind bei der nächsten Frauen-Fußball-WM auch die Finninnen dabei.

Dieser Artikel erschien am 2. Juli 2011 auch bei kolumnen.de

21 thoughts on “Allerhand aus Schland

  1. Obstblog sagt:

    Frauenfussball…

    Axel hat hier und auch in seinem Blog anlässlich der Frauenfussball-WM etwas beschrieben, was ich mir auch schon gedacht habe. Ich hab das Spiel gegen Nigeria übrigens auch teilweise gesehen, und fand die Nigerianerinnen auch zu ruppig und die Schiedsr…

  2. iris sagt:

    Zur Ehrenrettung der Frauen möchte ich erwähnen, dass ja nicht jedes Spiel von ihnen so aussieht, wie das gegen die Nigerianerinnen (oder waren es in Wirklichkeit Nigerianer?). Was mir auch gehörig auf die Nerven geht, ist das Getue um die „Weiblichkeit“. Mein Gott, sie sollen sich im Fußball mit den anderen messen und gut ist. Den anderen Quatsch rundrum soll man sich einfach sparen. Aber das wird wohl ein Wunschtraum bleiben, solange es Massenmedien gibt😦

  3. axeage sagt:

    @Obstblog
    @iris
    S A T I R E !!!

  4. Ach übrigens und nicht ganz zum Thema:
    Man sagt als Journalist zu den Spielführerinnen der Damenfußballmannschaften neuerdings „Kapitänin“ (oder schreibt „KapitänIn“ mit großem „I“).
    Dabei würde doch „Kapitesse“ viel-viel schöner klingen.

  5. Banane sagt:

    Axel: ist schon klar, wurde auch als solche verstanden. Ich hab halt den wahren Kern Deiner Satire aufgegriffen und meinen Senf dazugegeben🙂

  6. iris sagt:

    Satire? Nicht alles -leider! Denn die haben wirklich K… gegen Nigeria gespielt😦

  7. axeage sagt:

    @iris
    Du meinst doch nicht etwa Schei…?

  8. axeage sagt:

    @Андреас Зольф (=asolf)
    Kapitöse fänd‘ ich auch gut.

  9. OMG – Seit drei Jahren versuche ich Yasni und Google auszutricksen indem ich meinen Namen kyrillisch schreibe und dann, eines schönen Tages, ist man zu Gast bei irgendeinem Robert Koch – schwupps! – hat man mich entdeckt.

    Jedenfalls gibt es für Kapitesse semantische Vorbilder – Politesse zum Beispiel. Kapitöse klingt sehr stark sexistisch. Wie ein Kofferwort. Kapitän + Möse. Aber das hast Du bestimmt nicht gewollt.

    (Und – wo soll ich das nur hinschreiben? – lebt denn der Christoph Wesemann noch? In Facebook isser jedenfalls nicht)

  10. iris sagt:

    @asolf,

    die Zusammenstellung von Kapitän und Möse ist wieder mal typisch für dich (deine Frau würde sagen „frauenfeindlich“)😉 – axeage hat sicher eher an Friseuse (oder auch Frisöse) gedacht – oder irre ich mich da etwa axeage?

  11. Liebste sagt:

    Also, eine schöne Kolumne. Und so bezeichnend! Männliche Menschen sind eben doch konservativ und haben mit Veränderungen ihrer kleinen Welt oft Probleme! Dabei übersieht der Kolumnist und sicher auch einige/viele seiner geneigten Leser, dass schlechte Spiele im ‚Männerfußball’ durchaus an der Tagesordnung sind und Schiedsrichterleistungen, gute wie schlechte, schon mal zu Gewaltandrohungen führen. Darauf kann ich im Frauenfußball – wie auf das Spucken – IGITT!! – gut verzichten!

  12. iris sagt:

    „axeage sagt:
    04.07.2011 um 9:35
    @iris
    Du meinst doch nicht etwa Schei…?“
    Ich hätte noch viele andere Worte dafür gefunden, die kamen aber alle aufs Selbe hinaus. Und Sch… versteht wenigstens jeder sofort😉

  13. iris sagt:

    @Liebste,

    also ich hätte mir bei diesem Spiel Schiedsrichterdrohungen gewünscht😉 Und was die Fußballmänner betrifft, da ist eine Menge Neid dabei, dass die Frauen in den letzten Jahren erfolgreicher sind, als sie😉
    Liebe Männer – Neid muß man sich erarbeiten, nur Mitleid bekommt man geschenkt.🙂

  14. @ iris – „die Zusammenstellung von Kapitän und Möse ist wieder mal typisch für dich“

    DAS genau ist wirklich wie damals in der Schule: Irgendwer krakelt was an die Tafel und der kleine asolf kriegt einen Eintrag. Man kann es hier oben nachlesen: „Kapitöse“ – das Kofferwort – ist NICHT von mir.

  15. axeage sagt:

    @iris
    @asolf
    Ich halte mich da raus.
    Herr Wesemann lebt noch, ist aber nicht mehr online (beim Diss-Mobb-Portal facebook schon mal gar nicht). Er ist zu sehr familiär beschäftigt.

  16. iris sagt:

    @asolf,
    stimmt, das Wort Kapitöse ist nicht von Dir, aber , DU hast es in Kapitän und Möse unterteilt und nur darauf habe ich mich bezogen!
    @axeage,
    kein Problem, dass du dich da raushälst – ich krieg das ganz alleine hin😉

  17. wildgans sagt:

    Von Medien hoch gekochte Veranstaltungen guck ich nicht, stattdessen meine kleinen, gemütlichen Filmchen, während sich nebenan der Gatte gröhlend auf die FF-Oberschenkel haut….
    Gruß von Sonja

  18. axeage sagt:

    @wildgans
    … und der Gatte, den sie hatte, schlug sich auf die Platte.
    Sehr frei nach Heinz Erhardt

  19. Vielleicht versöhnt Sie ja dies hier:
    http://wp.me/pbaD2-ED😉

  20. irgendlink sagt:

    Puuh, da bin ich nun am Ende des Kommentarstrangs. Serr jeunne. Ich krieg von WMs leider immer nur die lustigen Fähnchen an den Autos mit. Bei der letzten WM sind mir die gelb-rot-schwarzen (nicht schwarz-rot-gelb) die ein Discounter unglaublich billig verkauft hat. Meiner Lieblingsschweizerin hab ich das so erklärt: es wäre, wie wenn sie in der Schweizer Flagge das Kreuz wie ein X malen, anstatt wie ein Plus.

  21. wildgans sagt:

    @irgendlink: Klasse Erklärung….ein X anstatt wie ein Plus:-)

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