Early Bird

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03.06.2011 von axeage

Also, ich sag mal so: ich bin definitiv kein Frühaufsteher und ich spiele auch nicht gerne alleine Golf. Im Gegenteil. Ich hasse das eigentlich. Beides wohlgemerkt: früh aufstehen und alleine spielen. Trotzdem habe ich mich aufgrund der schönen Bilder und des überzeugenden Postings bei Kiki in der Blognachbarschaft heute morgen aufgemacht, um 6:00 Uhr (in Worten sechs Uhr) am ersten Abschlag des Golfclubs Erlangen gestanden und gegen die gerade aufgehende Sonne abgeschlagen. Das habe ich, seit ich vor genau 20 Jahren in diesen Club eingetreten bin, noch nie getan.

Tee 1 gegen den Sonnenaufgang

Die Vögel zwitscherten, die Grauschleier der Nacht wurden von der Sonne aufgefressen, das Quotenreh zeigte sich am Abschlag Nr. 15 in einem Kornfeld, Nachtigall (wenn mich nicht alles täuscht), Kuckuck und Specht waren ordnungsgemäß angetreten, alles wie sonst auch, allerdings mit dem Unterschied, dass ich garstig müde und quasi alleine auf dem Platz war, sieht man einmal von einem verirrten Golfer ab, der vor mir herspielte und reichlich gehetzt wirkte, so wie einer, der ohne Greenfee bezahlt zu haben fürchtete, entdeckt zu werden. Ja gut und die Sonne stand nicht links, sondern rechts und ich hatte keinen Partner, was zur Folge hatte, dass ich ziemlich mäßig, um nicht zu sagen schlecht gespielt habe. Alleine spielen hat nämlich den großen Nachteil, immer sofort nach dem Schlag dem Ball hinterher zu schauen, was ordentlich zu Lasten der Qualität der Schläge geht.

Vielleicht hätte ich ja das EarlyBirdFeeling besser genießen können, wenn nicht kurz nach sieben Uhr die gesamte Greenkeeper-Mannschaft angerückt wäre, um sämtliche Fairway-, Rough- und Greenmäher anzuwerfen, was den ursprünglichen Eindruck eines lauschigen Frühsommermorgens vom einen auf den anderen Moment  in den einer geschäftigen Großbaustelle wandelte.

Zudem schoß mir an Loch 12 auch noch die Hexe ordentlich in den Rücken, so dass ich den Rest der Runde nur noch mit halbem Schwung …

Startzeit AM, nicht PM

Um’s klar zu sagen: es war ein Reinfall. Ich war überhaupt nicht locker. Ich habe zu viel Erweckungserlebnis erwartet. Ich wollte unbedingt um 6:00 Uhr starten und habe mich deshalb selbst zu sehr unter Druck gesetzt. Ich bin offensichtlich nicht dafür geeignet, mich beim Golf zu entspannen oder die Natur zu genießen. Aber vielleicht lerne ich es ja noch.

Heim und schlafen. Die nächste Startzeit nicht vor 11:00 Uhr

11 thoughts on “Early Bird

  1. Kiki sagt:

    Es hat sich schon allein für das Wort „Quotenreh“ gelohnt.😀
    Man kann wohl nicht gegen seinen Biorhythmus an, aber Hut ab, daß Du’s versucht hast!

  2. wildgans sagt:

    Stimmt. „Quotenreh“ ist superb! Kein gemeiner Frühgolfball sollte dem ins Auge knallen….aber in dieser Hinsicht handelst Du sicher fürsorglich🙂

  3. axeage sagt:

    @Kiki, wildgans
    … und dann war da ja noch der Quotengreenfeepreller. Ich möchte nicht wissen, wieviele es inzwischen gibt, die ganz früh spielen, um sich die Gebühren zu „sparen“.

  4. wildgans sagt:

    Zahlengrünfeeenttäuscher? Oder was bedeutet „Quotengreenfeepreller“?

  5. axeage sagt:

    @wildgans
    Schlimm, diese Nichtgolfer.
    Greenfee ist die Gebühr, die man zahlen muss, wenn man auf einem Golfplatz spielt, wo man nicht Mitglied ist. Ein Greenfeepreller ist also einer, der diese Gebühr nicht bezahlt. Und ein Quotengreenfeepreller ist so etwas ähnliches, wie ein Quotenreh, nur eben kein Reh, sondern ein Preller. Du verstehst?
    Wenn nicht, ist auch egal!

  6. Denis sagt:

    Ich bin ja nun bekennender Frühgolfer … und deshalb meine Frage: Woran erkenne ich einen Greenfeepreller? Wir haben einen Briefkasten, in dem man während der Abwesenheit des Managements die Kohle hinterlegen kann. Ich müsste schon den aktiven Kontrolletti machen, um die Schwarzgolfer zu erwischen.

  7. axeage sagt:

    @Denis
    Mensch, da hab‘ ich ja was losgetreten.
    Also, ich sag‘ jetzt mal potenzieller Schwarzgolfer. Der Kerl wirkte (wie gesagt) etwas gehetzt und war insgesamt wenig kommunikativ. Geprüft habe ich es selbstverständlich nicht.

  8. wildgans sagt:

    Axel, habe es auch vorher schon einigermaßen kapiert- nur wollte ich meine geniale „Übersetzung“ aus der naiven Kunst heraus an den golfenden Mann bringen:-)

  9. Sofasophia sagt:

    toll geschrieben. immerhin dafür hat es sich doch gelohnt!
    und die kommentare: göttlich, ähm gölflich …😉

    ach noch was zum greenfee: da hatte ich mir doch glatt eine art grüne fee vorgestellt. schaaade, dass du mich desillusioniert hast😉

  10. Sati sagt:

    Sonnenuntergänge sollen ja auch schön sein.
    Das Quotenreh aber, welches ohne dieses halbeherzigere Frühaufstehen nie derart erblickt worden wäre – ist bezaubernd.
    Daß ein Beitrag über Golf mich erheitern könnte –
    lehrt mich wieder, einmal wie überraschend das Leben ist.
    LG, Sati

  11. axeage sagt:

    @Sati
    Nie ward ein Quotenreh ohne dieses halbherzige Frühaufstehen derart erblickt worden …
    Ein schöner erster Satz für einen Roman.

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