Von Saulussen und Paulussen

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10.01.2011 von axeage

Drei Oscars sind eigentlich schon ein Grund, einen Spielfilm anzusehen, auch wenn die einschlägigen Filmbesprechungen TAS (= Typischer Ami Scheiß) vermuten lassen.
Aber ganz daneben liegt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ja nun meistens doch nicht (von Titanic einmal abgesehen) und so ließ ich mich am Freitag Nacht auf L.A. Crash ein, einen Episodenfilm, der den guten alten Rassismus zum Thema und unter anderem Sandra Bullock und Matt Dillon im Aufgebot hatte.

Ja, ja, der Rassismus. In jedem von uns schlummert er. Wenn wir nur das Fremde sehen, fühlen wir uns schon bedroht. Wie beispielsweise die Abgeordnetengattin (Sandra Bullock), die zusammen mit ihrem Abgeordnetengatten auf der Straße zwei halbstarken Schwarzen begegnet, die soeben aus einem Restaurant kommen, in dem sie nicht ordentlich bedient worden waren, eben weil sie Schwarze sind. Der eine Halbstarke beschwert sich über diesen Umstand bei seinem Halbstarkenbruder, Sandra sucht beim Anblick der beiden den Beschützerarm ihres Gatten, das fällt dem Beschwerer-Halbstarken auf. Er stellt daraufhin seinem Kumpel drei Fragen:
Sind wir Schwarze? Antwort: Ja.
Sehen wir furchterregend aus? Antwort: Nein.
Haben wir Waffen dabei? Antwort: Ja.
Tja und so holen sich die beiden Diskriminierten mit Waffengewalt das Sport Utility Vehicle des Herrn Abgeordneten und brausen TAS-gleich mit quietschenden Reifen davon.

Ich gestehe, ich musste herzlich lachen über diese Episode. Augenzwinkernder kann man latenten Rassismus nicht demonstrieren und gleichzeitig konterkarieren. Und in diesem Stil geht es weiter bei L.A. Crash. Egal, ob gutväterlicher Schlüsseldienst-Handwerker, persischer Kurzwarenhändler, fettleibige Krankenkassenangestellte, guter, böser oder ganz böser Bulle, Seifenopernregisseur oder Abgeordneter nebst Gattin, fast jeder wandelt sich im Laufe des Films entweder vom Saulus zum Paulus oder umgekehrt. Zu tun haben die Damen und Herren herzlich wenig miteinander, sieht man einmal davon ab, dass sie sich andauernd über den Weg laufen, was in einem Dorf wie Los Angeles natürlich das Selbstverständlichste der Welt ist.

Leichen könnte es in dem Film zuhauf geben, zumal, wenn man bedenkt, wie leicht es einem gemacht wird, in diesem Land der unbegrenzten Schießprügel, Waffen zu kaufen. Immerzu bedroht irgendwer einen anderen mit einer Waffe und jedes Mal denkt man: jetzt aber, jetzt springt einer über die Klinge. Einmal ist es fast soweit, aber ein Munitionsfehlkauf verhindert schlimmes. Es waren nur Platzpatronen.

Ganz zum Schluss wird derjenige Paulus, von dem man es am allerwenigsten vermutet hat, zum Supersaulus, sprich zum Mörder. Ja gut, die Tat könnte auch im Affekt geschehen sein, aber ein wenig Rassismus ist natürlich schon schuld dran und ordentlich, wie es in Hollywood nun einmal zugeht, ist das Opfer schwarz und der Mörder weiß.
Ach ja, die Welt könnte so schön sein, ohne diese fürchterlichen Vorurteile allem Fremden und Unbekannten gegenüber. Aber der Fremde und Unbekannte tut ja auch immer genau das, weshalb man vor ihm Angst hat oder haben muss oder haben müsste. Ach was weiß man denn schon vom Fremden und Unbekannten. Wenn man ehrlich ist, nichts. Sonst wäre es ja nicht fremd und unbekannt.

Solche, oder ähnliche Gedanken muss Regisseur Paul Haggis gehabt haben, als er das Drehbuch geschrieben hat, nachdem er selbst überfallen und sein Auto gestohlen worden war. Heraus kam ein Film, dessen Bemühen um die Aufarbeitung sozialkritischer Themen etwas rührend-kitschiges hat und selbst die hehrsten Absichten zum Schluss unter einer großen Pathoslawine verschüttet. Schade, denn der Witz, der trotz der Thematik in dem Film steckt, ist streckenweise großartig. Aber, getretener Quark wird breit, nicht stark und so nerven die wundersamen 180-Grad-Wendungen der Protagonisten zum Schluss dann doch mehr, als sie einen anfänglich noch recht launig amüsiert haben.

Sozialkritisches made in Hollywood sieht vor, dass in der Stadt der Engel ein fast erschossenes Kind zum Schutz- und Lebensengel wird und die Abgeordnetengattin in ihrer Putzfrau mit Migrationshintergund die letzte und einzige Freundin findet, nachdem sie unglücklich die Treppe hinuntergestürzt ist und sich sonst niemand um sie kümmert. Hach!

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