Paralleluniversen

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05.10.2010 von axeage

Die einen stehen auf Bierbänken, in Lederhosen und Dirndl, völlig außerhalb der Zeit, schunkeln und grölen zu typisch bayerischem Liedgut wie Sweet Home Alabama oder Country Road, eine Maß Bier für 8,75 € in der Faust, mit der angestoßen und aus der auch manchmal getrunken wird. In Ausnahmefällen zerschlägt man den Krug auf dem Kopf eines anderen, aber solche Fälle gehen zurück, verrät die Statistik. Nicht jeder Wiesn-Besucher ist ein potenzieller Raufbold, ebenso, wie nicht jeder Bartträger ein Islamist.

Die anderen kämpfen sich mit jeweils vierzehn Golfschlägern auf einer Länge von rund sieben Kilometern im walisischen Newport durch Regen, Sturm und Kälte. Erst liegen die Amis vorne, dann holen die Europäer spektakulär auf. Und weil es regnet und regnet, immer wieder stark regnet und die Hälfte der monatlichen Regenmenge in dieser Gegend an zwei Tagen über dem Traum-Golfplatz The Celtic Manor Resort herniedergeht, muss die Entscheidung auf Montag verschoben werden.

Dann gibt’s noch welche, die kassieren Monatsgehälter, so hoch, wie sie unsereins im Jahr nicht annähernd verdienen wird, dafür, dass sie eineinhalb Stunden am Wochenende und in englischen Wochen auch mal am Dienstag oder Mittwoch hinter einem Ball herrennen, um dann doch das Spiel zu verlieren und sich die Brandreden des Herrn   Wurstfabrikanten und einer holländischen Muppetfigur anhören müssen.

Oktoberfest, Ryder Cup, Bayern München – Wiesn, Kampf der Kontinente, FC Hollywood – Volksfest, Golfsport, Bundesliga.

Als ich nach der zweiten Maß das Festzelt verlasse, um über die Wiesn zu spazieren – zum ersten Mal in meinem Leben übrigens, auch, um einmal eine Trinkpause einzulegen, denn würde man beim permanenten Prosit der Gemütlichkeit immerzu mithalten, wäre man nach zwei Stunden fertig, in der Ecke, Aus, Tilt, Filmriss – als ich also so vor mich hingehe und die Partygelaunten, Halb- und Volltrunkenen so bei ihrer Freizeitgestaltung beobachte, erkenne ich plötzlich, wie ernst es denen ist, mit ihrer Gaudi, mit ihrer Folklore, mit ihren auf den rot karrierten Hemden aufgenähten Hosenträgern, mit ihren Filzhüten und aufblasbaren Partyfässern auf dem Kopf.

Wiesn-Hit 2010, der Sarrazin-Song: Ich hab‘ ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döner. Integration muslimischer Migranten in Deutschland gescheitert – dass ich nicht lache.
Und alle singen Olé, Olé, Olé, Olé. Die Banktänzer im Bierzelt, die Zuschauer beim Ryder Cup in Wales und die Dortmunder, die anderntags den Bayern die Lederhosen ausziehen.

Und die Europäischen Golfer? Die verspielen fast noch ihren komfortablen Vorsprung vom Sonntag. Martin Kaymer, der neue Bernhard Langer verliert sein Spiel, doch dann, am 17. Loch der letzten Paarung, versagen dem jungen Amerikaner Hunter Mahan die Nerven. Ein Chip von ca. zehn Metern missrät vollständig. Der Ball hoppelt nur einen guten Meter. Mir, als Hobbygolfer passiert so etwas ständig. Ein kleiner Trost für mich. Eine Katastrophe für den Profi.
Für Hunter Mahan und Louis van Gaal bleibt eigentlich nur die Todesstrafe. Zum Glück ist die Wiesn ab heute vorbei.

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