Bardentreffen 2010

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02.08.2010 von axeage

Wir, die Liebste und ich, haben es uns wieder einmal drei Tage lange gegeben: Bardentreffen in Nürnberg. Klasse Wetter. Gute Stimmung. Köstliches Essen.

Bardentreffenpfanne - Nationalität unbekannt

Die Musik – naja, ich will’s mal so audrücken: es war schon an jedem Tag etwas halbwegs hörens- und sehenswertes dabei, aber auf einen echten Kracher, so wie’s eigentlich die letzten Jahre immer mindestens einen gab, musste man 2010 verzichten. Arlo Guthrie hätte einer werden können, den gab’s aber nur im Doppelpack mit dem wahrlich grauenhaften Wenzel (nein, ich verlinke diesen Herrn nicht!!!!), doch dazu später mehr.

Freitag am Abend ging’s los. Aufgrund meiner Vorliebe für Blues und Bluesrock hatte ich den Sebalder Platz auf dem Plan. Richie Arndt & Friends spielte dort, dem Motto des diesjährigen Bardentreffens folgend Train Stories – so auch der Titel seiner neuen Doppel-CD.
Arndt, ein guter Blues- und Rockgitarrist mit akzeptabler Gesangsstimme, lieferte mit seinen, ihn seit 15 Jahren begleitenden Kumpeln Jens-Ulrich Handreka am Bass, Frank Boestfleisch am Schlagzeug und dem berühmten Tatort-Melodien-Komponisten George Kochbeck an den Keyboards, sowie der quirligen Kellie Rucker an der Bluesharp eine grundsolide Bluesrock-Show ab, wenngleich ich das eine oder andere Song-Arrangement noch einmal überdenken würde. So fand ich seine Version des CSNY-Klassikers Marrakesh gelinde gesagt reichlich verhunzt und auch die Zugabe – Jimmy Cliffs I can see  clearly now – habe ich, vom Original einmal abgesehen, schon wesentlich geschmeidiger gehört.

Am Samstag bot am frühen Nachmittag der gute, alte Axel Zwingenberger Boogie Woogie. Ich gestehe, ich konnte dieser Variante des Blues noch nie etwas abgewinnen und habe auch an diesem Wochenende wieder einmal festgestellt, dass sich daran nichts geändert hat. Ja, ja, ich weiß, das Blues-Schema ist immer wieder das Gleiche, aber bei keiner Blues-Variante wird einem dies so bewusst, wie beim Boogie Woggie. Langweilig!

Beim anschließenden, reichlich ziellosen Umherstreifen von einer Bühne zur anderen, fiel mir auf, dass die Strategie der Stadt Nürnberg die „echten Barden“, also diejenigen die einfach so auf der Straße spielen, vom Festival zu verbannen, mit zunehmend strengeren Auflagen und mit Hilfe neongelbbejackter Hilfssheriffs erfolgreich fortgesetzt wird. Wenn man einmal welche spielen sieht, sind sie aufgrund mangelnder Verstärkung kaum zu hören und Duisburg sei Dank, hatten die Gelbjacken natürlich noch mehr Argumente in der Hand, die lästigen Straßenmusikanten von diversen Plätzen zu vertreiben. Schade!

Am frühen Abend am Lorenzer Platz habe ich mir ein paar Songs von der in der örtlichen Presse erwähnten und ebendort gelobten Band Three4hundred angehört. Die Sieger des diesjährigen Sparda-Band-Votings (das ist wahrscheinlich so etwas ähnliches, wie das Easy-Credit-Stadion) boten laut Programmheft gitarrengetriebenen Pop-Rock mit Indie- und Funkeinflüssen. Ja, durchaus, das ging ins Ohr, das ging ins Bein. Ich würde den Jungs allerdings raten, die Gesangsparts ihrer Songs etwas kürzer zu halten und dafür das eine oder andere Gitarrensolo zu verlängern. Das Potenzial dazu hat Gitarrist Georg Willert auf jeden Fall.

Three4hundred beim Bardentreffen 2010 auf dem Lorenzer Platz

Am Abend dann hätte echtes Woodstock-Feeling aufkommen können. Arlo Guthrie, in Ehren ergraut, gab sich auf dem Hauptmarkt die Ehre. Und es wäre auch ein richtig schöner Nostalgie-Auftritt geworden, zumal die Band, die er dabei hatte, einen wirklich guten Job gemacht hat. Wer aber überhaupt nicht ging, war dieser Wenzel. Im Gästebuch der Bardentreffen-Hompage schrieb ein Richard R. gestern:

Warum tut sich Arlo Guthrie diesen Wenzel an? Sobald Guthrie Stimmung machte, hob sie anschließend Wenzel mit seiner Theatralik wieder auf. Locker könnte doch Alro Guthrie das Programm alleine bestreiten, obgleich die Band eine Bereicherung darstellt. In vergangenen Jahren wurde man mit Highlights überströmt, aber die Eisenbahn-Motto-Show ist da eher ein Kurzzug, der hoffentlich schnell weiterfährt.

Auch fiel mir auf, dass Arlo recht maulfaul war und kaum Kontakt zum Publikum gesucht hat. Ich könnte mir in dem Zusammenhang durchaus vorstellen, dass er vom Sänger, Musiker, Autoren, Komponisten und Narren Wenzel, der sich nicht um Schubladen schert (Eigendarstellung!!), ebenso genervt war, wie ich und mit mir zusammen gefühlte 97 % des anwesenden Hauptmarktpublikums.
Übrigens noch besser, als Richard R. und ich hat diese obskure Abendstimmung  Thomas Susemihl von der Nürnberger Zeitung beschrieben. Hier nachzulesen.

Am gestrigen Sonntag dann bei erneut strahlendem Sommerwetter und allerdings überschaubarem Publikumsandrang noch einmal Sebalder Platz. Diesmal Roland Heinrich & die Rumtreiber. Eine Band, die zusammen bringt, was auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammen geht: Country-Folk-Rockabilly-Swing mit deutschen Texten. Auf den zweiten Blick und nach dem zweiten Song Lied dann aber doch, was allerdings durchaus damit zusammenhängen kann, dass Herr Heinrich ein begnadeter Ruhrpott-Conférencier ist, ganz im Stile eines Helge Schneider. Seine zum Teil köstlich, kruden Songherleitungen hatten höchsten Unterhaltungswert und standen der Qualität seiner Texte und natürlich seiner Musik in nichts nach. Geige, Kontrabass, Schlagzeug und eine Gitarre mit viel Hall und Surf, vorgetragen von einer ganz hervorragend eingespielten Band, sorgten für einen launigen Musiknachmittag und ließen die Nachmittagshitze vergessen, die sich ordentlich auf dem Platz vor der Sebalduskirche gestaut hatte.

Roland Heinrich - der Helge Schneider unter den Rockabilly-Musikanten

Der Rest des Tages gehörte den echten Barden, die an diesem Sonntag Nachmittag und Abend zahlreicher anzutreffen waren, als an den Tagen zuvor. Ob es daran lag, dass kaum Neongelbe zu sehen waren? Ein Schelm, wer böses dabei denkt.
Besonders gefallen haben mir diese drei Herren, die mit bissiger Mundharmonika, selbstgebasteltem Schlagzeug und Dobrogitarre in blumenbedruckten Anzügen Brachialblues und extrovertierten Ausdruckstanz zelebrierten.

Brachialblues im Blümchenanzug

Das Highlight dieses Sonntags sollte laut Programm die Band Tinariwen sein, die von Tuareg-Kämpfern in einem libyschen Rebellen-Camp gegründet wurde. Nun, sehr rebellisch kamen die sechs Jungs nebst Rebellen-Mädel nicht daher und leider hatten sie auch nur ein einziges Lied einstudiert. Nach zwanzig Minuten sind wir gegangen.

Abschließend muss ich leider resümieren, es  hat schon wesentlich interessantere Bardentreffen gegeben und vielleicht ist es ja mal wieder an der Zeit, selbst zur Gitarre zu greifen und mit Verstärker und Mikrofon die Neongelben auf Trap zu halten, so wie einst in den Jahren 2006 und 2007.

8 thoughts on “Bardentreffen 2010

  1. wildgans sagt:

    straßenmusikanten vertreiben, so ein mist. erinnert mich an die wm in vancouver, wo man indianische andenken in china anfertigen ließ…
    die blümchenanzüge sind hübsch und nett und lieblich anzusehen…arlo guthrie hätte ich gern mal fotografiert gesehen- vermutlich stand er ähnlich starr rum wie bob dylan vor paar jahren in worms…gruß von sonja

  2. axeage sagt:

    @Sonia
    Good old Arlo stand nicht herum, er saß auf einem Barhocker. Ich konnte leider nicht fotografieren, weil es schon zu dunkel war.
    Fotos gibt es auf der offiziellen Bardentreffen-Homepage hier.

    Der köstliche Konzertbericht von Thomas Susemihl ist hier nachzulesen.

  3. wils sagt:

    Prima Rundblick über das Nermberscher Bardentreffen. Wäre ein Anlass gewesen, Nürnberg mal wieder einen Besuch abzustatten. Vorbei. Gut, dass ich diesen Wenzel nicht kenne 😉

  4. axeage sagt:

    @wils
    Den Wenzel kannte (aus gutem Grund) kein Mensch, obwohl der, wie ich jetzt nachgelesen habe, schon 2001, 2005 und 2007 mit seiner Band (die übrigens hervorragend ist!!) auf dem Bardentreffen war.
    Ich will auch nix gegen seine Musik sagen, die mag man mögen oder nicht. Aber die Mischung Guthrie/Wenzel hat überhaupt nicht gepasst. Das ging gar nicht.
    Ansonsten, wenn Du mal nach Nürnberg kommst, melde Dich mal. E-Mail-Adresse haste ja – oder?

  5. moehi sagt:

    Hast du Caroline No nicht mitbekommen? Samstag, 14 Uhr
    Das war ein Highlight!

  6. axeage sagt:

    @moehi
    Die gute Caroline hatte ich mir tatsächlich aufgeschrieben, aber 14:00 Uhr ist irgendwie eine unchristliche Zeit und der Spielort St. Katharina verursacht bei mir oft klaustrophobische Zustände – vor allem seit Duisburg.

    Ja schade, hätte ich gerne gesehen.

  7. Vielen Dank für den schönen Bericht!
    Ja, auch ich hatte das große Vergnügen, schon des öfteren das Nürnberger Bardentreffen besuchen zu können, so auch wieder in diesem Jahr.
    Wer etwas über meine ganz persönlichen Eindrücke dieses Events nachlesen möchte, der kann dann mal hier klicken:
    http://roswithageisler.wordpress.com/2010/08/10/in-drei-tagen-um-die-welt/

    Gruss von Rosie

  8. Ralf sagt:

    Hi,

    bin gerade über deinen Rückblick gestolpert. Ich glaube, du hast ein paar ganz gute Auftritte verpssst 😉

    Fall du nochmal ein paar visuelle Erinnerungen möchtest:

    Bardentreffen_2010_ 356

    Viele Grüße, Ralf

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