Blutiges Debüt

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10.07.2010 von axeage

Manchmal ist es wie verhext. Ich sitze vor’m Fernseher. Vor Müdigkeit zieht es mir die Augen zu. Ich bin gerade dabei, noch einmal alle Programme durchzuschalten, als ein Film beginnt mit der Warnung: Dieser Film ist für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet.
Natürlich schalte ich nach solch einer Meldung nicht gleich weiter, sondern lese erst einmal die Filmbeschreibung und als ich gestern Nacht den Namen Coen und das Wort Debüt gelesen habe, war an Schlaf natürlich nicht mehr zu denken. 

Blood Simple heißt das erste (Meister)Werk der Gebrüder Coen, deren skuril-krude Filme mich bisher noch alle begeistert haben. Der Liebsten und mein Lieblingsfilm der beiden ist O Brother, Where Art Thou?, mit diesem Wahnsinns-Countrysong I’m a Man of constant Sorrow und unserem Lieblings-Filmzitat: Wir dachten, Du wärst eine Krööööte

Gebrüder Coen - Quelle: Wikipedia

Mein persönlicher Lieblings-Coen-Film ist Fargo und das gestern gezeigte Debüt Blood Simple aus dem Jahre 1984 kommt diesem Film wohl am nächsten, nicht nur deshalb, weil Frances McDormand – übrigens die Ehefrau von Joel Coen – in beiden Filmen mitspielt. 

Was Blood Simple unter anderem so einmalig macht, ist die tiefe, tiefe Verbeugung von Ethan und Joel Coen vor ihrem Vorbild Alfred Hitchcock. In ihrem Erstlingswerk haben die beiden nahezu sämtliche Details aus Hitchcocks Suspense-Werkstatt verarbeitet. Ich gestehe, für jemanden, der wie ich den Film gestern zum ersten Mal gesehen hat, waren viele dieser Anleihen gar nicht zu erkennen, aber in einer hervorragenden Filmkritik von Jessica Ridders (hier der LINK) wird so manches aufgedeckt, worauf ich beim nächsten Mal – und es gibt bestimmt ein nächstes Mal !!!! – besonders achten werde. 

Jedenfalls ist bereits bei diesem ersten Film, der übrigens eine Low-Budget Produktion war, jene Coen-typische Art absurt abstrusen Humors erkennbar, die sich in sämtlichen, nachfolgenden Filmen der Gebrüder in zig Variationen wiederfindet.
So fiele beispielsweise niemandem ein, eine Szene, bei der jemand lebendig begraben wird, lustig zu finden. Bei Blood Simple muss man aber einfach kichern, wenn auch hinter mindestens zwei vorgehaltenen Händen. 

Blutig geht’s zu, bei Blood Simple, aber nicht blutrünstig. Irrungen, Wirrungen, mehrfachen Wendungen und auch der eine oder andere Running Gag münden schließlich in einen fulminanten, nervenaufreibend spannenden Showdown, bei dem selbst der Schlussdialog zwischen Täter und Opfer (wer ist eigentlich wer) noch einmal einen Aha-Effekt auslößt und damit einen letzten Contrapunkt setzt. 

Ganz großes Kino und bei der subtropischen Hitze, die derzeit in Schland herrscht, das einzige, was man in einem völlig überheizten Haus bei offenen Fenstern und Türen sinnvoll tun kann: fernsehen bis zum Morgengrauen.

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