Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

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23.06.2010 von axeage

Es gibt sehr wenige perfekte Spielfilme. Wenn die Gondeln Trauer tragen gehört dazu, auch Einer flog über das Kuckucksnest und natürlich Blade Runner.

Der Blade Runner war gestern mal wieder im Fernsehen zu sehen und obwohl schon reichlich fortgeschritten, musste ich ihn natürlich zum xten Mal zu Ende sehen. Diesmal der sogenannte Final Cut. Ich muss gestehen, ich habe mich über die Jahre an die sogenannten Voice Over Kommentare der Hauptperson Rick Deckard (dargestellt von Harrison Ford) gewöhnt und auch daran, dass Deckard zum Schluss mit der Replikantin Rachael über eine wunderschöne, grüne, sonnenbeschienene Landschaft fliegt, nachdem er zuvor Stunden in einer dunklen, dreckigen, regnerischen, überbevölkerten Großstadt umhergeirrt ist, um seinem schmutzigen Handwerk nachzugehen, Replikanten „in den Ruhestand“ zu schicken.

Aber sowohl seine Kommentare, als auch der herzerwärmende Schluss fehlen in der Fassung des Final Cut und wenn beim fulminanten Showdown der Oberreplikant Roy Batty (dargestellt vom unvergleichlichen Rutger Hauer) sein Leben aushaucht, und davon schwärmt, was er schon alles gesehen hat, was wir Menschen niemals glauben würden, dann ist der Film ohne Deckerts Kommentierung, die diesen Tod kongenial zu den gezeigten Bildern inklusive davonfliegender weißer Taube erläutert, irgendwie unvollständig.

Trotzdem, was Ridley Scott, der Regisseur mit diesem Film im Zusammenspiel mit Story, Schauspielern, Bildgewalt und der großartigen Musik von Vangelis geschaffen hat, ist so außergewöhnlich und perfekt, dass ich jedes Mal wieder in Verzückung gerate. Eine der herzzerreißendsten Szenen ist die, wenn Rachael, die gar nicht weiß, dass sie eine Replikantin ist, Deckert ein Foto von ihr und ihrer vermeintlichen Mutter zeigt und Deckert ihr erklärt, dass es sich dabei um inszenierte, implantierte Erinnerungen handelt, die jemand ganz anderem gehören.
Wenn Rachael daraufhin stumm zu weinen beginnt, dann ist es um mich geschehen.

Einen kleinen Wermutstropfen gab’s nach dem Film, als der Kommentator des bayerischen Fernsehens sagte:
Das war der Blade Runner. Blöd gelaufen ist es auch heute beim Fußball für Südafrika und Frankreich. Beide sind in der Vorrunde ausgeschieden.
Welch ein Mörderwortwitz.

Ich habe Dinge gesehen, die Ihr Menschen niemals glauben würdet: Gigantische Schiffe, die brannten, draußen vor der Schulter des Orion. Ich sah C-Beams glitzern, nahe dem Tannhäuser Tor. All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen.

Roy Batty – Replikant vom Typ Nexus-6 – kurz vor seinem Tod
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5 Kommentare zu “Träumen Androiden von elektrischen Schafen?

  1. Westrup sagt:

    Wenn der Film perfekt ist, warum muß denn dann soviel daran herumgeschnippelt werden? Ich glaub, ich mag die erste Fassung am besten. Ridley Scott ist irgendwie unerträglich geworden. „Kuckucksnest“ ist ohne Frage ein toller Film, aber bei einer genaueren Analyse auch ziemlich frauenfeindlich. Meine Vorschläge für perfekte Filme (ich finde übrigens, daß ein perfekter Film kein großer Film sein muß und umgekehrt) sind (tadadah): „Tanz der Vampire“, „Planes, Trains and Automobiles“, „Topkapi“ – mmmh, alles eher Komödien, gibt’s auch ernste perfekte?

  2. axeage sagt:

    @Westrup
    Wenn der Film perfekt ist, warum muß denn dann soviel daran herumgeschnippelt werden?
    Meine Worte!!

    Kuckucksnest: wohl eher männerfeindlich.

    Vampire, Topkapi: Naja, nette Filmchen, mehr aber auch nicht.

    Planes, Trains and Automobiles kenn‘ ich nicht

  3. Westrup sagt:

    Es gibt nur zwei Arten von Frauen im „Kuckucksnest“: Die sadististische Schwester und die Huren. Die Männer sind die Opfer. Ist mir auch erst beim zigstenmal aufgefallen.

    Für mich ist ein perfekter Film einer, der stets die richtigen Entscheidungen trifft, an dem ich, persönlich, nichts würde ändern wollen, keine Szene mehr, oder weniger. Das klappt in einem bescheidenen Rahmen natürlich besser als bei einem ambitionierteren Projekt.

    Und was die Filmchen anbelangt: Die würde ich allemal lieber mit auf eine einsame Insel (samt DVD-Player) nehmen als „Wenn die Gondeln…“. Uäghs.

  4. axeage sagt:

    @Westrup
    Soso

  5. Westrup sagt:

    Ja, ja.

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