Wenne Mittwochs überlebs, is Donnerstachs

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08.06.2010 von axeage

Ruhrpott über Fronleichnam. War mal angesagt, weil ja Ruhr 2010. Viereinhalb Stündchen, dann war’n wir auch schon vor Ort. Herten, Westfalen in dem Fall. Übernachtung bei Michael und Babs. Freund Günter pennt bei Hartmut in der neuen Wohnung. Hartmut zieht öfter mal um. Ist irgendwie ein Hobby von ihm.
Nach der Ankunft erstmal Käffchen und Kuchen und ein paar Golfschläge im neu angelegten Garten ins Trampolin der Kinder. Die beschweren sich und nehmen Michael und mir die Golfschläger weg. Die wollen springen, bei dem schönen Wetter. Golf ist doof.

Weil bis zum Abendessen und bis zum Spargel noch Zeit ist, kleiner Ausflug auf die Halde Hoheward. Die entstand aus den Abraumschüttungen der Zechen Recklinghausen II, Ewald und General Blumenthal/Haard und ist über die Jahre ganz schön hoch geworden. Obendrauf hab’n die da so ein Ding aus Stahl gebaut. Nennt sich Horizontobservatorium, hatte aber Schweißfehler und musste gestützt werden. Deutsche Wertarbeit. Hart, wie Kruppstahl. Das war früher mal, sieht aber trotzdem imposant aus. Ansonsten viel Schauinsland und Ruhrpott, soweit das Auge reicht.
Entspannter Abendspaziergang mit Grüppchenbildung und viel Fingerzeig in alle Himmelsrichtungen.

Horizontobservatorium auf der Halde Hoheward

Auf dem Heimweg halten wir noch einmal auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Ewald.  Das ist jetzt Weltkulturerbe mit Travestieshow und Kochstudio. Zwei Busenwunder lassen sich in knapp sitzender Wäsche vor einem stählernen Stützpfeiler ablichten. Was der zottelige, alte Fotograf denen erzählt hat, wissen wir nicht, könnte aber stark in die Richtung geh’n: Ich bring Euch ganz groß raus, Mädels.

Industriekultur

Zum Abendessen Schnitzel, Kartoffeln und lecker Spargel mit Buttersoße. Bier dabei – ist klar.

Am nächsten Tag Industriekultur zweiter Teil: Zeche Zollverein mit Kokerei. Das Museum ist eine wilde Mischung aus Archäologie, Bergmannromantik, technischem Gigantismus und Zeitgeist. Kurz vor’m Ausgang sprechen aus kleinen Videoboxen Herbert Knebel, Helge Schneider, Alfred Tetzlaff und Adolf Tegtmeier. Ruhrpottoriginale, die ebenso dazu gehören, wie Förderturm und Glück auf.
Eigentlich wäre noch das Museum Folkwang vorgesehen gewesen, wird aber mangels Zeit auf morgen verschoben. Stattdessen noch die Kokerei. Führung is nich, weil schon ausgebucht. Aber das riesige Gelände mit all den verrosteten Röhren und Streben von außen zu sehen, ist auch äußerst eindrucksvoll.

Zeche Zollverein - Kokerei

Auf der Heimfahrt halten wir im Fleisch-Outlet bei Herta. Morgen soll gegrillt werden.

Am Abend dann noch Easy Listening Blues mit dem sympathischen Paul Millns und seiner Band. Glashaus nennt sich der Veranstaltungsort und besticht durch viel Grünzeug, Licht und gute Akustik. Wenn nicht musiziert wird, wird hier gelesen und verliehen. Ist nämlich die Stadtbibliothek.
Paul Millns ist ein großartiger Conferencier und Musiker. Zu jedem Song weiß er eine kleine Anekdote. Tony Blair scheint er nicht sehr zu mögen. Mehrfach verhöhnt er ihn in seinen Ansagen.
Dann, wenn Mr. Millns nicht Mr. Blair verspottet, singt und spielt er ganz hervorragend Klavier. Seine Mitmusiker bedienen Bass, Schlagzeug, Gitarre und Bluesharp. Es ist eine Freude, ihnen dabei zuzusehen. Alle zusammen krönen einen schönen Tag mit Freunden.

Paul Millns und Band

Das Museum Folkwang muss am nächsten Tag dann aber doch ohne mich auskommen. Das Wetter ist zu schön. Außerdem habe ich mit Michael noch eine alte Golfrechnung offen. Pfingsten hat er auf dem Golfplatz Fahrenbach im schönen Fichtelgebirge mit einem Punkt Unterschied gewonnen. Diesmal wird die Golfanlage Castrop-Rauxel unsere Arena. Neutraler Boden, wenn man so will, weil auch Michael noch nie hier gespielt hat. Eine 27-Loch-Anlage mit einem A-, einem B- und einem C-Kurs.  Wir entscheiden uns für A und C, weil das der imposanteste und schwerste sein soll. Stimmt auch. Die Runde endet spektakulär mit einem Birdie von mir an Loch C9. Sieg mit sechs Punkten Unterschied – das ist die Hauptsache.

Am Abend treffen wir uns alle wieder bei Michael und Babs auf der Terrasse. Hardy, Günter und die Liebste sind erfüllt von musealem Kunstgenuss. Babs und die Kids waren auf der Fußballbildertauschbörse in Oberhausen und kleben stolz ihre getauschten und/oder erkauften Schätze ins WM-Album. Der Rest muss noch mehrfach die Geschichte zum legendären Birdie an Loch C9 von mir erdulden. Es wird gegrillt.

Irgendwann will Hardy Fotos aus alten Tagen sehen. Am besten aus der Zeit, als wir uns kennengelernt haben. Das ist jetzt immerhin schon beinahe 25 Jahre her. Micha schleppt eine Kiste an und verbreitet zwei Stunden lang Nostalgie. Bier dabei – ist klar. Die Nacht wird lang. Nicht für Günter, der hat sich den Magen verdorben. Nudeldicke Dirn hieß vielsagend das Maultaschengericht, das er nach dem Museumsbesuch verspeist hatte und das ihn fast zum Platzen bringt. Und weil er seinen ermatten Körper auf meine Schlafstatt gebettet hat, schlafen die Liebste und ich auf der Couch im Wohnzimmer.

Am nächsten Morgen nach dem Frühstück, Terrassenrelax und Augenpflege und Taschen packen und jede Menge Kamillentee für Günter. Hardys Mama hat uns zum Mittagessen eingeladen. Wir kommen etwas spät, weil sich die Liebste und Babs auf dem Weg zum Spargelmuseum (Sachen gibt’s) verquatscht haben und weil das NAVI die Straße nicht findet, in der Hardys Mama wohnt. Akademische Viertelstunde – immerhin haben wir alle studiert.

Es gibt Krustenbraten mit Kartoffeln und Rotkohl mit Apfelmus und hinterher einen Mandelpudding mit Erdbeeren. Es schmeckt köstlich, doch Günter möchte nur ein Glas Wasser und ein paar Erdbeeren. Wir ziehen ihn ob seiner Unpässlichkeit ein wenig auf. Auch Hardys Mama startet einen kleinen Seitenhieb und fragt, ob Günter einen Kaffee möchte oder vielleicht doch etwas Pudding. Als er ablehnt, kichert sie verstohlen. In der Scheibe ihres Wohnzimmerschranks klemmt eine Karte mit einem Sinnspruch von den Missfits:
Wenne Mittwochs überlebs, is Donnerstachs.
Günter hat noch nicht so hoch gesteckte Ziele. Er hofft erstmal, den Sonntach halbwegs zu übersteh’n.

Dann Verabschiedung und Versprechen, sich baldigst wiederzusehen. Nach knapp fünf Stunden Autofahrt ohne besondere Vorkommnisse kommen wir via Sauerlandlinie gegen 19:30 Uhr zu Hause an.
Ruhrpott über Fronleichnam: schön war’s. Aber ich bin schon froh, die nächsten Tage kein Bier trinken zu müssen.

Stillleben nicht aus dem Museum Folkwang

4 thoughts on “Wenne Mittwochs überlebs, is Donnerstachs

  1. wildgans sagt:

    gutbürgerlicher bericht, was ich davon besonders behalten habe:
    Käffchen (gemütlich)
    Busenwunder (uuiiiih)
    Golf ist doof (find ich auch)
    Fleisch-Outlet (zynisch-neumodische bezeichnung einer fleischfabrik)
    musealer Kunstgenuss (die Liebste könnte Freundin von mir sein…)
    Sauerlandlinie (fahre ich demnächst auch, andere Richtung, Frankfurt- Dillenburg, dann Richtung HSK)

  2. axeage sagt:

    @wildgans
    … und was ist mit’m Blues?

  3. iris sagt:

    @axeage,
    „Golf ist doof“ lässt du so unkommentiert stehen? tz tz tz…

  4. axeage sagt:

    @iris
    Golf ist ja auch doof.

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