Unplugged – Martin Grubinger im Nürnberger Opernhaus

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26.04.2010 von axeage

Am vergangenen Donnerstag war der aus Österreich stammende Multi-Percussionist Martin Grubinger zusammen mit seinen Freunden in der Nürnberger Oper zu sehen. Zwar hätte es der vielen Freunde nicht unbedingt bedurft, denn ich bin mir sicher, für Grubinger wäre es kein Problem gewesen, einen solchen Abend auch ganz alleine zu bestreiten, aber nachdem keins der Instrumente durch ein Mikrofon verstärkt war und es natürlich immer eine Freude ist, Percussionisten bei der Arbeit zuzusehen, war es schon gut, dass ihn sein Vater, sein Lehrer Leonhard Schmidinger, seine langjährigen Freunde Wolfgang Auinger und Rainer Futhner und die Herren Barrios und Sanou an den diversesten Trommeln, sowie Per Rundberg am Klavier begleiteten.

Martin Grubinger (rechts), daneben sein Lehrer Leonhard Schmidinger

Apropos diverse Trommeln. Als das Konzert begann, war tatsächlich jeder Winkel der Bühne vollgestellt. Marimbaphon, Drumset, Pauken, Djemben, Cajons, Becken, Gongs, Toms, Bongos, Congas. Alles, was das Herz eines Drummers begehrt, war in allen Ausführungen und nahezu allen Größen vertreten. Die Musiker fanden kaum Platz, zu ihren Instrumenten zu gelangen.
Grubinger, ein hochsympathischer Endzwanziger mit Lausbubengesicht begrüßte nach einem fulminanten Werk im Stile japanischer Yamato-Trommler das vom ersten Moment an begeisterte Publikum und spielte danach auf dem Marimbaphon zusammen mit dem Schweden Per Rundberg eine Rapsodie, die eigentlich für großes Orchester komponiert worden war. Grubinger lobte nach diesem Stück den Pianisten und sagte augenzwinkernd, sein metronomgenaues Spiel sei ihm oft hilfreicher, als die Einsatzkommandos von so manchem Dirigenten.

Die Werke, die Grubinger an diesem Abend spielte, waren nicht in allen Fällen eingängige Rythmusstücke, sondern von viel Dynamik und extremen Lautstärken- und Rythmuswechseln geprägt und verlangten auch dem Publikum einiges an Konzentration ab. Aber die Virtuosität und vor allem die sichtbare Spielfreude, mit der dieser durchtrainierte junge Mann da vorne auf der Bühne zu Werke ging, ließen schnell vergessen, wie kompliziert diese Art von Musik zum Teil angelegt war und riss uns, das Publikum, ein ums andere Mal zu Begeisterungsstürmen hin.

Nach der Pause wurde es etwas eingängiger, etwas südamerikanischer, etwas afrikanischer, aber nicht weniger virtuos. Mit dem aus Burkina Faso stammenden Louis Sanou, der auf nativen Klanginstrumenten und einer Djembe spielte und dem Venezolaner Ismael Barrios an den Congas, wurde ein wahres Feuerwerk percussiver Spielkunst abgebrannt. Interessant ist bei aller Imrovisationskunst, dass es immer einen gibt, der das Kommando hat und nach meinen Beobachtungen war das, als alle Trommler zusammen am Werk waren, nicht Grubinger, sondern sein ehemaliger Lehrer Leonhard Schmidinger. Ein Augenzwinkern, eine gehobene Hand, ein kurzer Schrei genügen, um alle dazu zu bringen, sofort und absolut synchron das gleiche zu tun. Faszinierend!

Als Zugabe gab es dann noch einige Kostproben, die laut Grubinger weniger in den Bereich der Musik, als eher im sportlichen Umfeld anzusiedeln sind. Auf einer Trommel, die deshalb auf der Bühne stand, weil die Lufthansa Grubinger verboten hatte, sie im Passagierraum des Flugzeugs mit nach Portugal zu nehmen und die dort, also am Flughafen von Porto oder Lissabon aufgrund des Vulkanascheflugverbots höchstwahrscheinlich heute noch stünde, führte er einige schier unglaubliche Kunststücke vor und zum Schluss begeisterte er zusammen mit seinem langjährigen Freund und Bühnengefährten Rainer Furthner am Schlagzeug und schließlich noch einmal mit allen friends zusammen.

Stehende Ovationen nach gut zwei Stunden Musik, die man nicht jeden Tag zu hören bekommt. Großartig!
Im September kommt Grubinger übrigens schon wieder nach Nürnberg, diesmal in die Meistersingerhalle.
Könnte gut sein, dass die Liebste und ich uns das noch einmal „antun“.

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