Golf mit einem Schrank

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20.04.2010 von axeage

Kollege Heiner, mit dem ich am Wochenende eine gepflegte Runde Golf gespielt habe, kenne ich jetzt schon ein paar Jahre. Er hat das Herz am rechten Fleck und hat mich mit seinem alten Driver abschlagen lassen, weil er sich das Nachfolgemodell gekauft hatte und sein alter Schläger deshalb vakant war. Und weil diese Waffe – ein Cleveland Hibore XL – gut zu meiner restlichen Schlägersammlung passt, stellte ich Heiner in Aussicht, ihm den Driver abzukaufen, so ich ihn halbwegs treffen würde.

Tatsächlich lag Cleveland Hibore XL gut in der Hand, die Drives waren gerade, durchschnittlich zwanzig Meter länger und nach 32 Stablefordpunkten, also einem halbwegs akzeptablen Ergebnis, einigten wir uns im Clubhaus bei einem Bier auf einen akzeptablen Preis. Dann kam die Rede auf Heiners Arbeitsstelle und wenn ich in der Überschrift geschrieben habe, mit einem Schrank gespielt zu haben, so ist das nicht der zweifelsohne vorhandenen Körperfülle von Heiner geschuldet, sondern einem Umstand, den ich kurz ausführen darf:

Heiner arbeitet in einer größeren Firma, die vor ein paar Jahren von einer anderen Firma aufgekauft worden war. Nach der Fusion wurde beschlossen, sozialverträglich Personal abzubauen. In einem Sozialplan wurde festgelegt, 85 Mitarbeiter in den Vorruhestand zu schicken. Und weil von diesen 85 Mitarbeitern 25 noch gar nicht das Alter für eine derartige Altersregelung hatten, wurde verfügt, diese bilanztechnisch nicht als Personal, sondern als Inventar zu führen, was zur Folge hat, dass Heiner die nächsten drei Jahre zwar jeden Tag seine Arbeitsstelle aufsuchen muss, sich dort aber bitteschön von jeder Arbeit fernzuhalten hat – sprich er sitzt acht Stunden in einem Büro herum und hat nichts zu tun.

Du bist dann ab nächstem Jahr also ein Schreibtisch, sagte ich scherzhaft.
Schrank wäre mir lieber, anwortete Heiner.

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3 Kommentare zu “Golf mit einem Schrank

  1. Wildgans sagt:

    das ist bestimmt schwer durchzuhalten.
    unglaublich, was in firmen so passiert.
    und wenn er krank wird? gar durch diese situation?
    grüße von sonia

  2. axeage sagt:

    @Sonia
    Ich glaube (hoffe), Heiner steckt das gut weg. Die offene Art und Weise, mit der er die Sache angeht zeigt allerdings schon, dass er daran knabbert. Er könnte es ja auch verschweigen und nach drei Jahren „ganz normal“ in Vorruhestand gehen. Tut er aber nicht.
    Ich finde das Vorgehen der Firma auch ziemlich pervers gewöhnungsbedürftig.

  3. iris sagt:

    Anscheinend gibt es nichts, was es nicht gibt. Auch wenn sich mir die Verfahrensweise nicht erschließt.

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