Starkbierprobe – The Brew bei den Rother Bluestagen

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23.03.2010 von axeage

Wegen großer Nachfrage, verlegt in die Kulturfabrik !!! hieß es auf den Plakaten, im Internet und auf den Eintrittskarten, denn ursprünglich sollte The Brew im Posthorn in Eckersmühlen spielen. Ich glaube allerdings, der eigentliche Grund für die Verlegung war die Angst davor, der fette Marshall Amp und die beiden gigantischen Zwölfzoll-Lautsprecher hätten das gute, alte Posthorn zum Einsturz gebracht. Und weil sich dann doch ein paar Bluesfans ins fünf Kilometer entfernte Eckersmühlen verirrt haben und diese erst wieder zurückpilgern mussten, begann das Konzert ein Viertstündchen später.

Das tat der Stimmung in der gut besuchten Kulturfabrik allerdings keinen Abbruch, im Gegenteil, die Spannung wurde damit eher gesteigert, denn ich und mit mir wahrscheinlich die meisten Konzertbesucher waren auf’s höchste gespannt, auf das, was sich in den nächsten zwei Stunden hier abspielen sollte, immerhin wird die Band nach Einschätzung von BBC-Redakteuren als eine der derzeit heißesten Newcomer-Bands aus Großbritannien gehandelt.

Und so betraten pünktlich um 20:15 Uhr ein zwanzig- und ein einundzwanzigjähriges Bürscherl, Jason Barwick an der Gitarre und Kurtis Smith am Schlagzeug mit dem Bassisten Tim Smith, dem Vater des Schlagzeugers, die Bühne und machten gleich mit dem ersten Song klar, was wir hier unten vor der Bühne von einem echten Power Trio erwarten durften:
Volume Max, glühende Verstärkerröhren, viel WahWah, satter Bass und reichlich Schlagzeug.

Power Trio bei der Arbeit - The Brew

Das alles zusammen ergab ein Gebräu, das, würde man es als Getränk reichen, wohl am ehesten einem Starkbier entspräche und sich aus Rezepturen alter Songs von Stevie Ray Vaughan und noch älterer Songs von Led Zeppelin, Jimi Hendrix und The Who bedient.

Ab und zu war auch mal ein Cover dabei, was das Ganze etwas auflockerte, denn die Arrangements der hausgebrauten Songs waren mir ein wenig zu sehr auf Hauruck und „Eine geht noch nei“ ausgelegt. Keine Frage, sämtliche Stücke waren virtuos vorgetragen, Barwick beherrscht seine Gitarre schon beinahe genau so, wie seine berühmten Vorbilder, aber ebenso wie beim Starkbier muss man auch bei der Musik auf die Dosis achten. Nicht immer gilt viel hilft viel und Posing, vor allem, wenn es sich auf meterhohes Dauerhüpfen beschränkt, oder ein älterer Herr am Bass es seinem Sohn und dessen Kumpel gleichtun will, gleitet schnell mal ins Nervige und Lächerliche ab. Auch eine Gibson Les Paul mit einem Geigenbogen zu malträtieren kann man machen – muss man aber nicht.

Egal, die Show war trotz einiger Überdosen gelungen. Die Jungs haben wirklich alles gegeben. Das Schlagzeugsolo, das Kurtis Smith unter den Augen seines sichtlich stolzen Vaters kurz vor Schluss hinlegte, war eins der besten, das ich je gesehen habe und die erste Zugabe geriet zu einer wilden Melange aus Voodoo Chile und anderen Hendrix-Anleihen bis hin zum spektakulären Finale, bei dem Gitarre und Bass an die Verstärkerboxen angelehnt, sich zu einem fulminanten Rückkoppelungs-Gewitter aufschaukelten, bis Tim und Jason unter dem Jubel der restlos begeisterten Zuschauer ihre Amps auf Kommando gleichzeitig abschalteten.

Besagtes Abschalten allerdings bewirkte, dass die zweite Zugabe erst mit Verzögerung beginnen konnte. Der Marshall von Barwick war dabei nämlich offensichtlich abgeraucht und musste durch einen anderen ersetzt werden.
Wäre das Ganze im Posthorn in Eckersmühlen passiert, hätte man fast Sabotage vermuten müssen, so aber konnte man beruhigt davon ausgehen, der Verstärker hatte schlapp gemacht, weil er an diesem Abend schlicht und ergreifend überlastet war.

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5 Kommentare zu “Starkbierprobe – The Brew bei den Rother Bluestagen

  1. Auch wenn das Posthorn vielleicht wirklich nicht mehr stehen würde: der Grund für die Verlegung WAR die immense Kartennachfrage.
    Außerdem hätten die Zuschauer ansonsten auf Barwicks Sprungeinlagen verzichten müssen – die ich in keiner Sekunde als lächerlich empfunden habe, sondern lediglich als weiteren Ausdruck seines immensen Adrenalin-Ausstoßes auf der Bühne.

    …und Barwicks Streichorchester-Einlage war für mich übrigens einer der stillen Höhepunkte dieses phantastischen Abends.

    So sind die Geschmäcker eben im Detail verschieden. 😉

  2. axeage sagt:

    @Monika Ammerer-Düll
    Ja, ich weiß schon, wir alten Knacker stehen halt nicht so sehr auf Posing und knallige Showeinlagen.
    Insgesamt war es ja wirklich ein klasse Abend, der jeden Cent wert war.
    Übrigens: Gratulation zur Band-Auswahl. Wie jedes Jahr ein super Programm!!

  3. Frankie sagt:

    Hallo axeage,

    das ist gut, genau wie Du die Jungs von The Brew beschreibst, habe ich es vergangenen Sommer in Dinslaken (Niederrhein) auch erlebt. Sehr eindrucksvoll beschrieben. Spiegelt genau meine Meinung.
    Dein Weblog ist wirklich interessant, Mann.
    Bin im Zuge einer Freischlader Recherche drauf gestoßen.
    Weiter so…
    Frankie

  4. axeage sagt:

    @Frankie
    Vielen Dank.
    Solange die Zeit reicht, mach‘ ich weiter so.
    Ich schau‘ mir gleich mal Deine Seite an.

    Keep on rockin‘
    Axel

  5. Frankie sagt:

    Ja, ja, die Zeit: Man hat immer ein Löffelchen zu wenig davon…
    Genau, sieh Dir unser Webzine mal an.
    Falls es Dir gefällt, darfst Du gerne Stammleser werden. 😉

    Ich covere übrigens mit meiner Band auch Eric Clapton/Cream Zeugs.
    Ist das ein Zufall?

    Rock on,
    Frankie

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