Blues Andacht – Eric Bibb bei den Rother Bluestagen

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22.03.2010 von axeage

Gleich zu Beginn mal was „Diskriminierendes“, von dem ich bitte, es richtig zu verstehen:
Eine Musik, wie Eric Bibb sie macht, kann definitiv nicht von einem Weißen gemacht werden. Es ist unmöglich. Bibbs einnehmende Art, seine wunderbare Bluesstimme, sein beseeltes Gitarrenspiel und sein trotz aller Bühnenpräsenz ruhiges, in sich gekehrtes, fast spirituelles Auftreten, können nur das Ergebnis eines über mehrere Generationen hinweg weitergegebenen Vermächtnisses sein, auf das „der weiße Mann“ einfach nicht zurückgreifen kann, auch wenn er sich noch so anstrengt.

Was gestern bei den Rother Bluestagen in der Kulturfabrik von Eric Bibb und seinen Mitmusikanten geboten wurde, habe ich auf einem Blueskonzert bisher kaum, eigentlich noch gar nicht erlebt. Bibb hat leisen -, zum Teil sehr leisen Akustikblues zelebriert und man hätte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können, so ruhig und andächtig war es im Zuschauerraum.
Doch auch diejenigen, die unter Blues eher treibendes -, rhythmisches Liedgut verstehen, kamen auf ihre Kosten. Sobald die beiden äußerst sympathischen Sidemen Trevor Hutchinson am Bass und Larry Crockett am Schlagzeug einsetzten, gingen Bibbs Songs teilweise richtig ab und es war eine Freude zu sehen und vor allem zu hören, welch großartige Musik man mit einer einfachen Akustikgitarre, einem Kontrabass und einem Schlagzeug machen kann.

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass dieser jugendlich aussehende Mr. Bibb im nächsten Jahr bereits sechzig Jahre alt wird, dann muss man den Eindruck gewinnen, entweder spiritueller Blues hält extrem jung oder Mr. Bibb hat tatsächlich an der berühmt schicksalsträchtigen Wegkreuzung seine Seele dem Teufel verkauft.
Nein, letzteres ist eher unwahrscheinlich, sind doch der Großteil seiner Songs religiös zumindest angehaucht und wähnte man sich doch das eine ums andere Mal inmitten eines Gospel-Gottesdienstes, weil viele der umstehenden Zuhörer der Aufforderung Bibbs nachkamen, zumindest den Refrain mitzuschmettern und dabei inbrünstig in die Hände zu klatschen. Halleluja!

Eric Bibb nach dem Gig beim Bier und beim Signieren

Leider, leider war dann nach gut eineinhalb Stunden und nur einer Zugabe aber auch schon Schluss und noch während ich und noch einige andere Unverzagte weitere Zugaben forderten, saß Mr. Bibb bereits bei einem Bier im Foyer und signierte CDs.

Tja, hätte  ich nicht so lange nach Zugaben gebettelt, dann hätte ich tatsächlich auch noch eine CD bekommen, so aber musste ich mich mit dem Versprechen von Tour-Managerin Sari begnügen, dann, wenn ich ihr eine E-Mail schreiben und sie daran erinnern würde, ich sei derjenige with the nice Baseball-Cap,  garantiert eine signierte CD zugeschickt bekäme. Na ich bin mal gespannt.

Bei der Gelegenheit darf ich der notleidenden Musikindustrie zurufen, dass es durchaus möglich ist,  eine nicht unerhebliche Zahl an CDs innerhalb kürzester Zeit zu verkaufen, dann nämlich, wenn man sich mit qualitativ hochwertigen Gigs und persönlicher Ansprache an seine Fans wendet. Halleluja – once again !!

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Ein Kommentar zu “Blues Andacht – Eric Bibb bei den Rother Bluestagen

  1. ruediger sagt:

    Ein schöner Bericht und verdammt, warum kommt der nicht in meine Nähe. 🙂

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