Digital Royal Dansk Cookies

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15.01.2010 von axeage

Weil sich die Liebste immer dann, wenn sie länger mit ihrer besten Freundin telefoniert, den Hals verrenkt, indem sie den Telefonhörer zwischen Ohr und Schulter klemmt und dabei nebenbei noch Küchen- und Haushaltstechnisches erledigt, habe ich ihr zu Weihnachten ein Headset gekauft, mit dem sie ohne Schiefhals telefonieren und mit zwei freien Händen ihre Nebenbeiverrichtungen erledigen kann.

Nun begab es sich aber, das just in dem Bereich unseres Hauses, in dem dies normalerweise geschieht, nämlich hauptsächlich in der Küche, der Empfang besagten Headsets am schlechtesten war, weil die funkende Telefonanlage im unteren Stockwerk steht und in der Küche offensichtlich die Reichweitengrenze des Funksignals bereits erreicht war.
Also waren die Alternativen, entweder das Headset wieder zum Händler zurückzubringen oder die Telefonzentrale ein Stockwerk höher im Flur aufzustellen. Weil ich nicht um ein Weihnachtsgeschenk ärmer sein wollte und außerdem technischen Basteleien durchaus zugeneigt bin, habe ich mich für Alternative Nr. 2 entschieden und ISDN-Box, ISDN-Telefon-Anlage, Telekom-Splitter, DSL-Router und die beiden DECT-Telefonanlagen (als Selbständige und ISDN-Nutzer haben wir natürlich mindestens zwei Telefon-Nummern) abgeklemmt, nach oben getragen, im Flur auf ein Schränkchen gestellt und wieder angeschlossen. Muss ich erwähnen, dass besagtes Schränkchen über die Jahre mit allem Möglichen zugestellt war und ich bis heute nicht weiß, wohin mit dem ganzen Kram?

Aber, wie das so ist, bei derartigen Aktionen: erst einmal AEG – Aufstellen, Einschalten Geht nicht. Ich habe daraufhin alle Kabel geprüft und tatsächlich eine abgerissene Lötstelle in einem Stecker gefunden. Dann war noch ein lästiger Treiber-Update der WLAN-Karte im Laptop notwendig, weil (natürlich) das weltweite Netzdingsbums nur noch äußerst stotternd funktioniert hat. Doch kaum waren zwei Tage nervenaufreibende Try-And-Error-Arbeit ins Land gegangen, war alles wieder wie vorher, inklusive der Möglichkeit, dass die Liebste mit zwei freien Händen und aufrechtem Gang lange Telefonate mit ihrer Freundin in der Küche führen konnte.

Allerdings übertrugen seither zwei Fernsehsender ihr Bild äußerst grobpixelig, so wie von einer alten EGA-Grafikarte erzeugt (die älteren unter den Lesern werden sich noch erinnern) und mein Verdacht, dies könnte unter Umständen von den beiden Funktelefonen herrühren, die seit der Umbauaktion nur wenige Meter weiter, im Flur neben dem Fernseh-Satellitenreceiver stehen, wurde in diversen Internetforen nachhaltig bestätigt. Diese Telefone, hieß es dort, würden auf der gleichen Frequenz funken, wie beispielsweise Tele5 und DSF.
Nun, um Tele5 wäre es nicht unbedingt schade gewesen, aber weil ich dann, wenn die Liebste bereits im Bett ist, gerne Sexy Sportclips Golfübertragungen im Deutschen Sportfernsehen ansehe, war ich schon etwas verärgert und habe mich in einschlägigen Foren schlau gemacht, was denn nun zu tun sei.

Eine sogenannte DECT-Abschirmbox sei die Lösung, hieß es da und wurde mit folgender Erklärung untermauert: Digitale Funktelefone haben die unangenehme Angewohnheit, permanent und mit enorm hoher Sendeleistung nach ihren Mobilteilen zu suchen, so wie eine besorgte Mutter nach ihren Kindern. In den meisten Fällen allerdings sei diese hohe Leistung überhaupt nicht notwendig, weil die Mobilteile gar nicht so weit entfernt seien und wie die Kinder ganz brav in ihrem Kinderzimmer spielten. Man könne diese Leistung also ruhigen Gewissens verringern, indem man die Anlage in eine Abschirmbox einsperre, die in stylischer Form und modischen Farbabstufungen (grau, hellgrau, anthrazit) für schlappe 80 EURO zu haben sei.

Hm, ganz schön happig, dachte ich und errechnete mühsam in meinem über die Jahre hinweg von DECT- und Mobiltelefonen mikrowellengegrillten Gehirn, dass für zwei derartige Telefone ja gleich 160 EURO fällig wären, was mir gar nicht gefallen wollte.
Doch ein paar Absätze weiter unten im Forum erfuhr ich, dass eine gemeine Blechbüchse die gleichen Dienste leisten würde, wie eine in anthrazit oder grau gehaltene Abschirmbox. Ich packte also unsere Telefonanlage in eine Dose Royal Dansk Cookies, fummelte den Deckel auf die Box, der sich aufgrund der Kabel etwas störrisch benahm und siehe da, schon rundeten sich auf dem Fernseher die Pixel der vorher nur entfernt zu erahnenden DSF-Akteure zu Stabhochspringerinnen, Biathleten, Golfspielern und nach 23:00 Uhr zu Busenwundern.

Digital Royal Dansk Cookies

Hätte ich mir in den Schulbastelstunden meiner Kindheit auch nicht träumen lassen, im Jahr 2010, einem Jahr, von dem man weiland annahm, man würde mit fliegenden Autos reisen, sich von Robotern bedienen lassen und fremde Planeten besiedeln, mit einem Dosentelefon zu telefonieren.

Dieser Artikel erschien am 19. Januar 2010 auch bei kolumnen.de und am 21. Januar 2010 bei der Blogbibliothek

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13 Kommentare zu “Digital Royal Dansk Cookies

  1. Muriel sagt:

    Ich habe ja gerade laut gelacht, als ich bei Wikipedia diese Sätze über die DVD-Version der Clips las:
    „Entgegen dem Aufdruck auf den DVDs sind die Clips nicht alle ungekürzt. Einige sind zwar in der Spieldauer identisch, bei der DVD-Version fehlen allerdings Szenen. Dies wurde durch verlangsamte Wiedergabe ausgeglichen. Andere sind sogar kürzer als die derzeit ausgestrahlte Version, die bereits um eine Minute und fünf Sekunden gekürzt ist.“
    Ich komme nicht umhin, mir vorzustellen, wie man wohl zu dieser Erkenntnis gelangt ist.

  2. axeage sagt:

    @Muriel
    Da hat doch glatt einer den Festplattenrekorder programmiert und dann die Clips mit der Stoppuhr in der Hand mit denjenigen auf der DVD verglichen.
    Also ein derartiges Hobby ist ja schlimmer als Bloggen.

  3. Barbara sagt:

    Zu Euren Kommentaren: So gesehen ist Bloggen richtig sinnvoll… 😉

    Interessant zu lesen und endlich mal eine gute Verwendung für leere Keksdosen! 🙂

    Ich mogel mich seit Monaten darum herum, ein neues Telefon mit Headset zu kaufen, möglichst was mit Kabeln (falls es das heute wieder gibt), ähnlich komplex wie bei Dir, ähnliche Anforderungen – und ich weiß schon, dass es mindestens 3 Tage dauert, bis es wieder so funktioniert wie vorher… Das nervt echt immer… 🙂

  4. Westrup sagt:

    Ich würde ein paar Busenwunder auf die Dose kleben, dann sieht sie schöner aus.

    Übrigens habe ich mir aus strahlentechnischen Gründen extra ein strahlungsarmes Telephon von Swiss Voice besorgt. Es funktioniert prima. Jetzt bretzeln nur noch die Strahlen von Nachbars Telephon, Wlan, Handy und Radio durch dir Birne. Ich….äh… was wollt ich sagen?

  5. Ach, guck an, Du schaust das Deutsche Sportfernsehen auch so spät abends wegen der Golfübertragungen. Früher hatten die aber ein bisschen mehr Schwung, finde ich. Könnte daran liegen, dass die Senderfritzen jetzt oft zu früh ausblenden und man deshalb das Beste verpasst.

  6. […] in einem Kommentar bei axeage, jetzt auch hier: Ich habe laut gelacht, als ich bei Wikipedia diese Sätze über die DVD-Version […]

  7. axeage sagt:

    @Barbara
    Also ich denke ja, trotz Keksdose ist die nächste Anschaffung ein strahlungsarmes DECTophon – so etwas gibt es nämlich inzwischen auch.

    @Westrup
    Kein schlechter Vorschlag, mit der Keksdosenverschönerung, aber ich fürchte, da hat jemand was dagegen.

    @Christoph Wesemann
    Bleibt ja immer noch die DVD – siehe Kommentar und Pingback von Muriel.

  8. Ich sagt:

    Dabei fand ich die „Krims-Krams“ Ecke immer sooo nett.

  9. axeage sagt:

    @Ich
    Ich auch !!!

  10. Barbara sagt:

    weißt du, ob’s da auch isdn-fähige gibt? daran hapert es bei mir derzeit…

  11. axeage sagt:

    @Barbara
    Also ich habe das so gelöst, dass an der Telefonleitung eine „stinknormale“ ISDN-Telefon-Anlage hängt, die bis zu fünf analoge Geräte verträgt. Bei uns sind das zwei DECT-Telefone und ein (uraltes) Fax-Modem.

  12. iris sagt:

    Axeage, du bist ein Held. Ich trau mich nicht mal, zu nahe an unsere Anlage ranzugehen, weil sie bei der geringsten Berührung zickt und nichts mehr geht. Ich hoffe, deine Liebste hat das auch gebührend gewürdigt!

  13. axeage sagt:

    @iris
    Und wie sie würdigt. Sie nimmt das Headset gar nicht mehr vom Kopf und weil man mit dem Ding aber nicht rausrufen kann, bin ich jetzt auch noch Telefonzentrale, rufe mit einem Mobilteil an und verbinde dann mit hotlineengelsgleicher Stimme.

    Hach, ich wünschte, jede Frau hätte einen Mann, wie mich!

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