Going Home – Teil 8

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11.12.2009 von axeage

Der Sound, der vom immer stärker werdenden Wind zu den umliegenden Hügeln getragen wird, ist erbärmlich. Man sieht Nancy Nevins an, wie unzufrieden sie ist. Der Rest der Band gibt sich lässig. Harry tut so, als sei er begeistert, aber John kennt ihn lange genug und weiß, dass das nicht stimmt. Daggy wälzt sich auf der Decke hin und her. Als es leicht zu regnen beginnt, piepst sie:
„Habt Ihr Euch eigentlich mal überlegt, was hier los sein wird, wenn die Wolken dort drüben hierher ziehen und sich über dem Festivalgelände ausschütten?“
Die Jungs antworten unisono wortlos mit einem mitleidigen Beruhige-Dich-Baby-Blick, doch der zunehmend böiger werdende Wind, der die Lautsprechertürme bedrohlich ins Wanken bringt, spricht seine eigene Sprache.

Eine Durchsage der Festivalleitung fordert nachdrücklich und wiederholt, sich von den Türmen fern zu halten. Bei schönstem Sonnenschein aufgespannte Planen über der Bühne, die Schutz vor Regen und zu großer Sonneneinstrahlung bieten sollten, reißen ab, flattern eine Zeit lang neben und über der Bühne, um dann gespenstisch in die Zuschauer zu schweben.

Schließlich, als der Regen stärker und der Sound von Sweetwater immer mieser wird, als Daggy endlich, endlich wissen will, was nun geschehen soll, als es mehr und mehr zu regnen beginnt, als Sweetwater von der Bühne gehen und ein völlig entrückter Tim Hardin die Bühne betritt, als die Lautsprechertürme immer bedrohlicher schwanken, als Tim Hardin ständig die Stimme bricht, als nach einer Umbaupause die Sitar von Ravi Shankar zu hören ist und es noch mehr regnet, als Daggy unter einer Plastikplane sitzt, um sich vor den herabstürzenden Wassermassen zu schützen, als Shankar seinen Auftritt abbricht, weil sich das Wetter zu einem Unwetter ausgewachsen hat und sein sündhaft teures Instrument droht, bei der Nässe bleibende Schäden davon zu tragen, als Daggy nur noch weint, weil der Weltschmerz so groß ist und die Geburt bevor steht, als John alles versucht, sie zu beruhigen, als Harry seinen völlig durchweichten Joint anzünden möchte, als immer mehr Festivalbesucher irgendwo bei den Toiletten, bei den Verkaufsständen, im naheliegenden Wald Schutz suchen, als Blitz und Donner gleichzeitig herniedergehen und einen kurzfristigen Stromausfall verursachen, als viele sich wünschen, sie wären zu Hause in ihren Studentenbuden geblieben und hätten dort ein gemütliches Wochenende verbracht, als die Stimme des Sprechers mit Panik in der Stimme davor warnt, sich in die Nähe der Lautsprechertürme zu begeben, als Geschichte geschrieben wird in Sachen Three Days of Love and Peace, als dies alles geschieht, setzen bei Daggy die Wehen ein.

„Wir müssen sie tragen“, sagt John. „Wohin?“ fragt Harry. Daggy schreit.
„Was ist mit ihr?“, fragen viele.
„Aus dem Weg“, fordern Harry und John. Daggy schreit.
Auf der Bühne ist nichts los. Donner grollt. Regen prasselt. Blitz sorgt für Licht. Auf einem Freigelände bleibt Harrys rechter Schuh im Schlamm stecken. Daggy schreit. John fragt, wohin. Harry hat keine Ahnung. Er zieht seinen Fuß aus dem Schlamm, steuert eine Meute grölender Jungs an und fragt nach einem Arzt.
Die Jungs unterbrechen ihr Grölen, heben ihre Bierflaschen, fragen betreten, was mit Daggy ist und deuten auf eine Hütte, nicht weit entfernt.
„Ist sie schwanger?“, fragt einer und bietet an, mit zur Hütte zu gehen. „Ich bin Krankenpfleger“, sagt er und wirft seine Bierflasche weg.

… to be continued

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