Völlig brodelnd und anarchisch

10

04.12.2009 von axeage

Seit mehreren Monaten kämpfe ich mich durch den Deutschen Buchpreis des letzten Jahres – Der Turm – von Uwe Tellkamp und das Buch will und will kein Ende nehmen. Keine Frage, es ist ein gutes Buch, ich habe hier auch schon darüber berichtet, aber es hat entschieden zu viele Seiten. Weniger als die Hälfte wären mehr als ausreichend gewesen.

Jetzt hat Tellkamp Der Turm II geschrieben, mit dem Titel Lava.

„Mir erschien es als geeignetes Bild zur Charakterisierung der Zeit.“ Er glaube, dies hätten „viele empfunden nach dem Mauerfall, dass jetzt eine völlig brodelnde, anarchische Zeit beginnt, bunt und wild, die dann langsam erst in geordnetere Bahnen ging.“ Dafür erschien ihm das Bild von der Lava, die koche unter einer dünn erstarrenden Oberfläche, sehr treffend.
(ddp)

Das muss einem erst mal einfallen.
Jedenfalls hoffe ich, dass Tellkamp sich diesmal etwas mehr Selbstbeschränkung auferlegt und nicht wieder einen 1000seiter geschrieben hat. Nochmal halte ich das ohne ein gerüttelt Maß an Querlesen höchstwahrscheinlich nicht durch.

10 thoughts on “Völlig brodelnd und anarchisch

  1. cw sagt:

    [Nerv-Intellektueller-Modus on] Vieles im „Turm“ ist mir doch eine Spur zu undetailliert. Man kann eine Eiche oder einen Stuhl oder einen Windhauch, der eine Fahne streift, nun einmal nicht in weniger als fünf Seiten angemessen beschreiben. Ich finde, Tellkamp hetzt mitunter arg. Ein paar mehr Figuren hätten dem Roman auf jeden Fall gutgetan. Diese Geschichte kann man vielleicht auch nicht auf 1000 Seiten erzählen. [Nerv-Intellektueller-Modus off]

  2. axeage sagt:

    Was ist schlimmer, als ein Intellektueller?

  3. iris sagt:

    Tellkamp

  4. axeage sagt:

    Nö, ein Nerv-Intellektueller.

  5. Westrup sagt:

    In der Schweiz haben sie jetzt einen neuen Tellkamp-Beschleuniger gebaut.

  6. axeage sagt:

    In der guten, alten Schweiz tut sich derzeit so manches schwarze Loch auf, ganz ohne Beschleuniger.

  7. fragmentjunkie sagt:

    Hmm, aber rechtfertigt allein das „aber es hat entschieden zu viele Seiten. Weniger als die Hälfte wären mehr als ausreichend gewesen“ nicht das Prädikat „nicht ganz gelungen“….
    Ich frage mich da, warum der Lektor gepennt hat!!

  8. Westrup sagt:

    Die Arbeit der Lektoren läßt generell in letzter Zeit zu wünschen übrig. Manche Autoren sollten dazu verdonnert werden, ihre Werke mit Griffeln in Granit zu meißeln.

  9. axeage sagt:

    @fragmentjunkie
    Vorsicht Wortwitz: Vielleicht wollte der Lektor am Ende nicht als Fragmentjunkie dastehen.

    @Westrup
    Hihi, feine Vorstellung.

Kommentar verfassen ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

Dezember 2009
M D M D F S S
« Nov   Jan »
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031