Hüpfende Flöhe in Bad Aibling

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06.11.2009 von axeage

Zugegeben, Bad Aibling liegt nicht gerade um die Ecke, aber weil der Neffe nebst Eltern ein großer Fan des Ukulele Orchestra of Great Britain ist und selbiges gestern das 10. Bad Aiblinger Gitarrenfestival Saitensprünge eröffnet hat, sind wir kurzentschlossen alle zusammen ins oberbayerische Voralpenland gefahren und haben besagtem Orchester gelauscht, das ausschließlich mit Ukulelen und Sangesstimme musiziert.

The Ukulele Orchestra of Great Britain

Das Wort Ukulele stammt übrigens aus Hawaii, bedeutet hüpfender Floh und wenn man die oft atemberaubende Frequenz sowohl der Schlag- als auch der Griffhand beobachtet, mit deren Hilfe die Dame und die fünf Herren ihren Kleinstgitarren die wildesten Töne und Rythmen entlocken, meint man tatsächlich, die Herrschaften würden nicht auf einem Instrument spielen, sondern sich dem aussichtslosen Unterfangen hingeben, einen Sack hüpfender Flöhe hüten zu wollen.
Darüber hinaus verfügen alle sechs Musiker (eigentlich sind es ja acht, aber die Schweinegrippe macht offensichtlich auch vor hüpfenden Flöhen nicht halt) über hervorragende Gesangsstimmen und um die Kongenialität perfekt zu machen, auch noch über typisch englisches Humortalent, was den Abend zum reinen Vergnügen werden ließ.

Schon nach dem ersten Lied – Born to be wild – das ein Herr mit eigenwilliger Langhaarfrisur links außen intonierte, war jedem im ausverkauften Kurhaus zu Bad Aibling klar, womit man es bei diesem Konzert zu tun haben würde: Instrumentalanarchie in jede nur erdenkliche, musikalische Richtung, ohne Scheu und ohne jeglichen Respekt vor den ursprünglichen Komponisten, Arrangeuren und Interpreten, mit der offensichtlichen Lizenz zum Albern und dem Anspruch auf absolute Perfektion.

Vor nichts machte das UOGB halt und sein Repertoire erstreckte sich von Pinball Wizzard von The Who in einer mitreißenden A Capella-Version, über Wuthering Heights von Kate Bush, ein Volkslied, das nach eigenem Bekunden schon seit hunderten und aberhunderten von Jahren auf der Insel gesungen wird, bis hin zu The Good the Bad the Ugly als Hommage an die Spaghetti-Western der späten sechziger Jahre.
Zwischen den Liedern launige Dialoge und Sketcheinlagen, die zum nächsten Song, zum nächsten Gag, zum nächsten Bravour- oder Kunsstück überleiteten und einmal darin endeten, dass Bandleader George Hinchliffe auf einer Ukulele spielte, die nicht größer war, als die Hand eines wohlgenährten Holzfällers oder dazu, dass vier Orchestermitglieder gleichzeitig auf einer einzigen Ukulele spielten. Man kam aus dem Staunen und dem Kichern gar nicht mehr heraus.

Als bei der letzten Zugabe Hinchliffe unter Protest seiner Mitmusikanten ankündigte, ein Stück von Georg Friedrich Händel spielen zu wollen und zur einführenden Akkordfolge die anderen Orchestermitglieder erst nacheinander und zum Schluss gleichzeitig Fly Me to the Moon, Where Do I Begin, Killing Me Softly, I Will Survive und Hotel California einstimmten, war die Überraschung und die Begeisterung im Publikum perfekt.

Mit stehenden Ovationen, Blumen für die Dame und Wein für die Herren, überreicht durch den Oberbürgermeister der Stadt, wurde das Ukulele Orchestra of Great Britain schließlich verabschiedet und es gab an diesem Abend bestimmt niemanden im Saal, der sich nicht hervorragend unterhalten gefühlt hätte und der nicht restlos begeistert gewesen wäre. Nicht umsonst hat das Orchester von der renomierten englischen Zeitung The Independent den Titel Beste musikalische Entertainer des Landes erhalten. Neffe, Schwägerin, Schwager, die Liebste und ich haben jedenfalls nicht bereut, 270 km angereist zu sein, um diese köstliche Truppe einmal live gesehen zu haben.

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3 Kommentare zu “Hüpfende Flöhe in Bad Aibling

  1. Neffeli sagt:

    Eigentlich bin ich ja nur durch Zufall auf die Idee gekommen, einmal The Ukulele Orchestra of Great Britain bei youtube einzugeben. Da ich weiß, dass mein Vater ein großer Fan von denen ist, habe ich das auch gleich mal gegoogelt und daraufhin dieses Konzert entdeckt. Papa hat sich aber bezüglich der geografischen Lage des Ortes Bad Aibling um gute 200 km verschätzt, was wir aber erst nach dem Entschluss, dieses Konzert zu besuchen, gemerkt haben. Naja so wurde es dank mir und trotz Papas großartigen Geographiekenntnissen ein sehr schöner Abend.

    Gruß an Tante und Onkel

  2. axeage sagt:

    @Neffeli
    Ein schöner Abend – fürwahr!
    Dank an dieser Stelle nochmal, Dir lieber Neffe, für die hervorragende Recherche-Arbeit und die organisatorische Durchführung!

  3. […] Dass man mit so einer Minigitarre richtig gute Musik machen kann, beweist seit Jahren das Ukulele Orchestra of Great Britain, das die Liebste und ich mit Schwagerfamilie im November 2009 in Bad Aibling gesehen und gehört haben. […]

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