Deshalb

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25.08.2009 von axeage

Würden wir nur deshalb Musik machen, um damit Geld zu verdienen, hätten wir schon längst wieder damit aufhören müssen. Zu viel kostet die Technik, zu gering sind die Gagen der Veranstalter, zu oft müssten wir auf die Bühne.
Die letzten beiden Gigs bei größeren Altstadtfesten waren denn auch eher davon geprägt, mit den Tücken der Beschallungstechnik zu kämpfen, als dass wir uns dem adrenalingeschwängerten Kick auf der Bühne hingegeben hätten, vom Goldene-Nase-Verdienen mal ganz abgesehen.

MASH beim Schafferhof-Zoigl

MASH beim Schafferhof-Zoigl

Am vergangen Sonntag allerdings war alles ganz anders:
Prächtiges Wetter, eine kleine, geliehene Gesangsanlage mit improvisiertem, selbst gebasteltem, aber funktionierendem Monitorsound, akustische Gitarren, mäßig verstärkter Bass, gedämpftes Schlagzeug, begeisterte Zuschauer und ein ganz bezaubernder Veranstaltungsort, nämlich der Innenhof der Schafferhof-Zoigl-Brauerei in Neuhaus, das waren die Rahmenbedingungen für unseren bisher schönsten Gig.

Zweieinhalb bis drei Stunden hatte uns Reinhard Fütterer, der sympathische Wirt vom Schafferhof gebucht. Gespielt haben wir dann vier Stunden. Nicht für Geld, denn mehr Gage haben wir deshalb nicht bekommen, sondern weil die Leute mitgegangen sind, weil sie aus den hintersten Ecken des weit verzweigten Biergartens gekommen sind, um uns zuzuhören, weil die Bedienungen, trotzdem sie alle Hände voll zu tun hatten, ein paar Sekunden vor der Bühne stehen geblieben sind, um sich im Takt der Musik zu wiegen, weil die Sonne als Scheinwerfer gedient hat, weil das Bier selbstgebraut, das Schwein hausgeschlachtet und das Brot holzofengebacken war, weil wir auf besonderen Wunsch eines jugendlichen Rollstuhlfahrers dessen Lieblingslied gespielt haben und er sich so sehr darüber gefreut hat, dass er fast aus seinem Rollstuhl gefallen wäre.
Deshalb.

Naja und deshalb natürlich auch. Und deshalb.

8 thoughts on “Deshalb

  1. Von wem?

    Ein Blick auf die Garderobe, es ist zwanzig nach vier,
    Das wird ja immer früher, Mann, was machst du jetzt schon hier?
    Du redest mit dir selbst, weil der Moment gekommen ist,
    Wo du keinen mehr aussteh‘n kannst und unausstehlich bist.
    Du gehst dir auf den Nerv, stehst wie ein Fremder neben dir
    Und siehst dich auf- und abgeh‘n, wie ein eingesperrtes Tier.
    Im Saal, mehr so aus Höflichkeit, hast du Licht und Ton gecheckt,
    Du weißt, die Jungs, die machen das längst ohne dich perfekt.
    Du spielst ein altes Stück an, doch der Text fällt dir nicht ein,
    Du spürst, ein kaltes Fieber kommt heimtückisch und gemein.
    Du stimmst am Instrument herum, natürlich stimmt es längst,
    Du legst es wieder weg, und dir wird übel, und du denkst:

    Du mußt wahnsinnig sein,
    Da rauszugehen, ganz allein,
    Trotz all der Höllenqualen,
    Die dich lähmen und zermahlen.
    Du mußt wahnsinnig sein,
    Dich in die unbarmherzig grellen
    Scheinwerfer hinzustellen,
    Und dir die Seele aus dem Leib zu schrei‘n,
    Du mußt wahnsinnig sein!
    (…)
    Die Stunden sind verflogen, du stehst glücklich und stumm
    Am Ende deiner Lieder vor deinem Publikum.
    Es ist, als hättet ihr ein langes Zwiegespräch geführt,
    Ihr ward betroffen, zornig, ward vergnügt und ward gerührt.
    Und wenn ein Lachen, ein Applaus über die Reihen flog,
    Und wenn‘s plötzlich ganz still war, war das wie ein Dialog.
    Benommen und erschöpft verneigst du dich ein letztes Mal
    Vor freundlichen Gesichtern in dem großen dunklen Saal.
    Ein Mädchen hat dir einen kleinen Strauß nach vorn gebracht,
    Vom Klatschen ganz zerdrückt, was ihn dir nur noch lieber macht.
    Und du weißt einmal mehr, es ist eine Gnade, hier zu steh‘n,
    Und schwerer noch als aufzutreten, fällt‘s dir jetzt abzugeh‘n.

  2. axeage sagt:

    Peter Maffay
    Reinhard Mey

    Danke!

  3. axeage sagt:

    Verblüffend, der singt ja genauso wie Reinhard.
    Playback ist das aber nicht – oder?

  4. Nee, kein Playback. Er linst ja auch ab und zu nach dem Text auf dem Boden. Aber das Reinhardsche Kopfwackeln beim Singen muss er noch ein bisschen üben.

  5. axeage sagt:

    Und abspecken.

  6. Du weißt schon, wie das ist mit dem Glashaus und den Steinen?

  7. axeage sagt:

    Du meinst Schlachthaus und Schweinen?

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