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07.08.2009 von axeage

Es ist nicht der Liebsten und meine Lieblingsbeschäftigung und selbst die Katze bekommt im Zuge der vorbereitenden Arbeiten immer diesen unsteten, fast verhetzten Blick und stellt die Ohren auf, meistens dann, wenn sie mitbekommt, dass ich in der Besenkammer herumkrame, um den Staubsauger zu holen. Die Rede ist vom gemeinen Hausputz, der ebenso lästig ist, wie ab und zu eben einfach notwendig.

Schon wenn die Liebste verkündet – meistens an einem Freitag – Morgen ist es mal wieder so weit, gehe ich in der Nacht zum Samstag in Gedanken alle Schritte durch, die zur Durchführung dieser gewaltigen Aufgabe notwendig sind, als da wären: Füllgrad des Staubbeutels prüfen, Inventur bei den Putzmitteln durchführen, im Weg herumstehende Möbel beiseite räumen und einen Zeitplan erstellen, denn pro Raum sollte eine genau festgelegte Putzzeit keinesfalls  überschritten werden. Außerdem muss die Heizung programmiert werden, denn ebenso wie bei einer guten Geburt, braucht man bei einem guten Hausputz ausreichend heißes Wasser. Und ganz wichtig: Batterien des mp3-Players laden.

Letzteres entstammt dem ursprünglich von mir müde belächelten Tipp aus einem hausfraulichen Psychologiebüchlein, das mir meine Mutter einmal geschenkt hat und in dem sinngemäß steht, dass eine unangenehme Aufgabe, wie zum Beispiel Geschirrspülen, dann am leichtesten von der Hand geht, wenn man dazu ein fröhlich Liedlein pfeift.
Seither gebe ich mir bei Volume-Max die Red Hot Chili Peppers, wenn ich Wannenspray auftrage oder der unwürdigen Aufgabe einer Klobürste die Hand führe oder den Spiegel poliere oder mit dem Staubsauger durchs Haus trotte.
Tatsächlich erledigt sich mit Kopfhörern und entsprechender Musik die Hausreinigung wesentlich angenehmer, allerdings gibt es einen entscheidenden Nachteil, der aber eher damit zu tun hat, dass ich noch nicht der Vollprofi unter den Putzteufeln und demzufolge immer noch auf An-, Hin- und Zurechtweisungen der Liebsten angewiesen bin.
Oft genug schleicht sich diese nämlich von hinten an mich heran, wohl wissend, dass ich gerade verzückt einem Gitarrensolo von John Frusciante lausche und mir dabei vorstelle, der Staubsauger wäre eine Fender Stratocaster, tippt mir auf die Schulter, so dass ich fürchterlich erschrecke, macht daraufhin das unschuldigste Gesicht der Welt, mich mit meinen neuen Aufgaben vertraut und verschwindet so schnell wieder, wie sie hinter mir aufgetaucht war. Mir rast das Herz, der Staubsauger dröhnt und Anthony Kiedis brüllt mir Californication ins linke Ohr.

Immerhin gibt es, was die Arbeitsteilung zwischen der Liebsten und mir betrifft,  ziemlich konkrete Regelungen: Küche, Schuhschrank, Abstauben und Wischen macht die Liebste. Bäder, Gitarren und Staubsaugen mache ich.
Neulich allerdings gab es einen Spezialfall. In der Küche über der Tür hängt ein von Palmzweigen eingerahmtes Kruzifix mit einem Jesus aus weißem Porzellan. Über die Jahre ist Jesus, wie man sich denken kann,  nicht mehr weiß, sondern leicht gelblich geworden. Also dachte sich die Liebste, wäre es doch eine feine Idee, ihn von seinem Kreuz abzunehmen, zu Messern, Gabeln und Löffeln in den Besteckkasten des Geschirrspülers zu stecken, ordentlich durchzuspülen – immerhin ist er ja aus böhmischen Porzellan – und ihn danach …

… tja, ihn danach wieder anzunageln.

Nein, dieser Aufgabe fühlte sich niemand von uns gewachsen. Die Liebste hat Jesus daraufhin nur abgestaubt und die Palmzweige erneuert. Seinen Gilb durfte er behalten.

Dieser Artikel erschien am 21. August 2009 auch bei
kolumnen.de

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