Vom seligen Geben während der Eiszeit

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05.08.2009 von axeage

Gestern habe ich zusammen mit meinem Vater meine Mutter in der Reha-Klinik besucht. Nach mehreren Hüftoperationen macht sie gute Fortschritte und wird am Samstag entlassen, obwohl ihr der Arzt dringend geraten hatte, noch eine Woche anzuhängen. Nichts zu machen, erteilte die Mutter dem Herrn Doktor eine Abfuhr und nachdem am Wochenende sowieso nichts Therapeutisches geschieht und die Patienten nur dumm in ihren Zimmern herumsitzen (Originalton Mutter), hatte sie kurzerhand beschlossen, am kommenden Samstag ist Schluss mit Reha – basta!
Vater und ich jedenfalls waren gestern Zeuge eines längeren Mutterspaziergangs mit einem sogenannten Gehbock und auch eine Treppe hat Mama mit Hilfe einer Krücke zwar angestrengt, aber immerhin bis oben hin geschafft. Das Ganze unter den kritischen Augen einer jungen Physiotherapeutin und als wir auf dem Rückweg den Ausgang der Klinik passierten, lockte uns die Augustsonne nach draußen und wir nahmen auf einer Bank Platz.

Neben uns saß eine ältere Dame in einem Rollstuhl: gepflegt, goldkettchenbehängt, mit verschmitztem Lächeln im Gesicht und leicht blinzelnd, weil vom Sonnenlicht ein wenig geblendet.

Zwischen ihr und mir entspann sich folgender Dialog:

Dame im Rollstuhl: Sie könnten mir 70 Cent geben, dann kaufe ich mir ein Eis.
Ich (leicht verdutzt): 70 Cent, hmm, mal sehen, was ich habe.
Dame im Rollstuhl: Geben Sie mir einen Euro, dann kaufe ich mir eine besseres Eis.
Ich (im Geldbeutel kramend): Ich habe weder 70 Cent, noch einen Euro. Ich habe nur zwei Euro.
Dame im Rollstuhl: Das ist auch in Ordnung, geben Sie mir zwei Euro. Das geht schon in Ordnung.

Geldübergabe

Etwas hilflos suchte ich Blickkontakt zu meinen Eltern. Die taten allerdings so, als seien sie ins Gespräch vertieft.
Also gab ich der Dame im Rollstuhl zwei Euro, damit sie sich ein noch besseres Eis kaufen konnte.

Ob sie es getan hat, weiß ich nicht. Vielleicht hat sie ja auch den Zwickel zu den anderen Münzen in ihr Nachtkästchen gelegt, die sie auf diese Weise während ihres Klinikaufenthalts verdient hatte.
Jedenfalls hat sie sich überschwänglich und mit herzlichem Händedruck bei mir bedankt.

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9 Kommentare zu “Vom seligen Geben während der Eiszeit

  1. Drogen wird sie sich ja hoffentlich nicht gekauft haben.

  2. axeage sagt:

    Ein Leben ohne Drogen ist auch keine Lösung.

  3. cw sagt:

    Mir fällt da gerade wieder diese nette Zeichnung ein.

  4. axeage sagt:

    @cw
    Hervorragend!

  5. Westrup sagt:

    Ich könnte auch ein schönes Eis gebrauchen. Gerd Lütke Westrup, Deutsche Bank Münster,Kto. 0070815 BLZ 400 700 24.

  6. axeage sagt:

    @Westrup
    Geld gibt’s nur bar und an Rollstuhlfahrerinnen.

  7. Westrup sagt:

    Aber ich bin eine Rollstuhlfahrerin.

  8. iris sagt:

    Irgendwie muß die Dame ja zu ihren Goldkettchen gekommen sein 😉

  9. @iris: Wo treibst Du Dich denn wieder rum? Hier wird nicht fremdkommentiert!

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