Auf dem Zauberberg

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23.07.2009 von axeage

Es hat ein ordentliches Stück Überredungskunst gekostet, meine liebe Mama, nach einem gebrochenen Oberschenkelhals und mehreren Hüftoperationen zu einem dreiwöchigen Aufenthalt in einer Reha-Klinik zu bewegen. Alles kein Problem, hatte sie erst gesagt. Mit ein wenig Training und eisernem Willen würde sie das zu Hause, zusammen mit ihrem Mann, meinem Vater schon schaffen.

Eine Woche hat sie zu Hause mit ihrem Mann, meinem Vater und eisernem Willen versucht, der verhassten Reha ein Schnippchen zu schlagen und meine Befürchtungen, sie würde in dieser Zeit noch einmal stürzen und damit alles noch schlimmer machen, haben sich zum Glück nicht bestätigt. Hausarzt und Orthopäde haben ihr schließlich zugeredet und eindringlich eröffnet, wenn sie nicht zur Reha gehe, würde sie wahrscheinlich nie mehr auf die Beine kommen und meinen Vater würde diese Situation auf die Dauer so sehr überfordern, dass er das auf keinen Fall lange würde durchhalten können.
Also hat sie zähneknirschend zugestimmt und am letzten Montag in einer Klinik, hoch droben auf einem Berg im Frankenwald ihre Reha angetreten.

Gestern haben sie Vater und ich in der Klinik besucht und es war wie ein Wunder. Sie war, im Gegensatz zu den letzten Wochen sehr gut drauf, hat sich sofort in ihren Rollstuhl geschwungen und uns am Gehbock – das ist so etwas ähnliches wie ein Rollator, nur ohne Rollen – gezeigt, wie sie durchs Zimmer laufen kann und sogar in der Lage ist, Hindernisse dadurch zu umgehen, indem sie den Bock einfach hochgehoben und nach dem Hindernis wieder aufgesetzt hat.

Vater und ich waren völlig erstaunt und freuten uns über ihren Zustand und als wir in den angrenzenden Klinikpark gegangen sind, uns auf eine Parkbank gesetzt, den Wolken beim ziehen, den Schmetterlingen beim fliegen, den Blumen beim blühen und den anderen Patienten beim rehabilitieren zugesehen haben und zwei Meter von uns entfernt ein ausgewachsener Fuchs ohne erkennbare Eile an uns vorüber lief und sich in die Büsche verkrochen hat, dachte ich, das hier muss der Zauberberg sein – kann ja gar nicht anders.

5 thoughts on “Auf dem Zauberberg

  1. Iris sagt:

    Schön, dass es deiner Mutter und damit euch allen, wieder besser geht !

  2. axeage sagt:

    @Iris
    Ich kann Dir sagen, mir fällt ein Stein vom Herzen.

  3. Iris sagt:

    @axeage,
    Ich hab ihn bis nach Moskau plumsen gehört 😉

  4. Barbara sagt:

    Reha ist das einzig sinnvolle, ich war letzten Herbst übrigens in Bad Steben.

    Weiter gute Besserung für Deine Mutter!

  5. axeage sagt:

    @Barbara
    Da hast Du Dich sicher nicht so sehr wohl gefühlt. Lauter alte und sehr alte Menschen – stimmt’s?

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