Tages-Du

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13.07.2009 von axeage

Das vergangene Wochenende stand ganz im Zeichen des Golfsports. Hach, ich liebe solche Ausflüge in die analoge Welt, in der ein Computer lediglich die Aufgabe hat, Turnierergebnisse auszuwerten, ansonsten aber das Menschliche, das Menschelnde, die Natur und der durch keine noch so ausgeklügelte Computertechnik der Welt reproduzierbare Schwung eines Amateurgolfspielers im Mittelpunkt stehen.

Am Samstag ging’s los mit einem Turnier, das vom Bekleidungshaus Wöhrl und dem Online-Broker Cortal-Consors gesponsort wurde. Schöne Geschenke, schöne Preise, vernünftiges Essen.
Meine neuen Cleveland-Eisen kamen zum ersten Mal bei einem Turnier zum Einsatz und ich habe sie ganz hervorragend getroffen. Mein Nettoergebnis war zwar nicht unbedingt berauschend, aber brutto habe ich von über 60 Teilnehmern immerhin den 7. Platz belegt. Meine Mitspieler waren äußerst angenehme Zeitgenossen. Die Dame im Flight hat sich mit insgesamt 47 Nettopunkten um sagenhafte 11 Schläge unterspielt und damit den ersten Preis ihrer Handicapklasse gewonnen. Großes Hallo und Freude über eine sündhaft teuere Sportjacke und das unvermeidliche Plexiglas mit Gravur.

In der Umkleidekabine durfte ich ein feines Gespräch zum Thema Tages-Du belauschen. Diese offensichtlich in letzter Zeit um sich greifende Unsitte, sich während des Spiels zu duzen und danach wieder zu siezen hat Herrn Meier, einen Club-Kollegen, der am Wochenende zuvor in einem nicht näher benannten Schicki-Micki-Club Opfer besagter Unsitte wurde, so sehr erbost, dass er dem Dr. Sowieso, der während der Runde Klaus, danach aber wieder Dr. Sowieso genannt werden wollte, verboten hatte, ihn den Erbosten, während der Runde zu duzen. Für Sie, Herr Dr. Sowieso, hatte er ihm entgegengeschleudert, für Sie bin ich auch während der Runde Herr Meier.
Die Golfrunde soll daraufhin äußerst frostig verlaufen sein.

Gestern, am Sonntag dann noch eine kleine Privatrunde, bei der ich zwei Herren und einer Dame zugelost wurde. Die Herren, älter als ich, haben halbwegs vernünftiges Seniorengolf gezeigt, aber das Spiel der Dame konnte man beim besten Willen nicht Golf nennen. Mit wilden Körperverrenkungen hat sie versucht, den Ball von sich weg zu bewegen, was ihr nur in wenigen Ausnahmefällen wirklich geglückt ist.
Dann hatte die Gute auch noch ein furchtbar schrille, abstoßende Stimme und wenn sie beim Putten in die völlig falsche Richtung gezielt und den Ball dann viel zu stark gespielt hatte, um daraufhin beleidigt zu bemerken, selbst beim Putten habe ich heute kein Glück, dann hätte ich beinahe die Contenance verloren und sämtliche Etikettenregeln vergessen.
Weil mir die partnerschaftlichen Verhältnisse meiner Mitspieler lange Zeit unklar waren – mit anderen Worten, ich wusste nicht, wer zu wem gehört – wäre mir auch noch fast der Lapsus passiert, dem Ehemann der Ausnahmegolferin zu stecken, dass die Alte das wohl niemals lernen wird. Ja gut, ich hätte es höchstwahrscheinlich etwas eleganter ausgedrückt, aber peinlich wär’s trotzdem geworden.
Als uns dann nachfolgende Golfer noch bescheinigten, wir würden viel zu langsam spielen und sich daraufhin die Herrin unseres Flights furchtbar echouffierte, fand ich die Erfindung des Tages-Du plötzlich gar nicht mehr so übel und habe kurz darüber nachgedacht, es meiner Mitspielerin sofort und unwiderruflich zu entziehen.

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2 Kommentare zu “Tages-Du

  1. Axel, das ist wirklich ein feiner Text. Ich habe ihn jetzt schon zweimal gelesen und finde ihn immer noch toll. Das gelingt mir sonst nur bei Texten von Herrn Wesemann.

    Geh ich recht in der Annahme, dass die vollkommen talentfreie Golferin eine absolute Profiausrüstung hatte? In meiner aktiven Zeit (als Tennisspieler) war es jedenfalls so. Die größten Grobmotoriker trugen Schweißbänder und Stirnbänder und Tennissocken und Tennishosen und Tennishemden, alles vom Allerfeinsten, versteht sich. Ich hingegen spielte gelegentlich oben ohne – was im Umkehrschluss nichts anderes bedeutet als: Ich war schon ziemlich begnadet.

  2. axeage sagt:

    Christoph, vielen Dank für die Blumen. Wie sagtest Du, heißt der Mann? Wesemann? Trägt der seit neuestem einen Iro? Ja, doch, dessen Texte kann man auch gut lesen!

    Was die Ausrüstung der Dame betrifft, meine ich mich zu erinnern, dass es auf jeden Fall nix billiges war. Lustig in dem Zusammenhang ist immer, wenn eine Distanz von, sagen wir 70 Metern zu überbrücken ist, wofür man normalerweise ein Pitching Wedge benötigt, packen solche Damen immer ein Holz 5 aus, das eigentlich für 180 Meter gut ist, um dann trotzdem noch drei Schläge bis zur Fahne zu benötigen.

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