Geld

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25.06.2009 von axeage

Neulich wurde im Fernsehen ein Bericht ausgestrahlt über ein Experiment, das der Fernsehkoch Tim Mälzer durchgeführt hat. Dabei wurde einer jungen Familie (Vater, Mutter, Tochter) die auf’s Geld schauen musste, einen Monat lang ein doppelt so hoher Geldbetrag zur Verfügung gestellt, als der, mit dem die Familie normalerweise auskommen muss. Gleichzeitig wurde ein Koch-Kollege von Mälzer mit dem ursprünglich der Familie zur Verfügung stehenden Geldbetrag ausgestattet, und beide Parteien wurden mit Kamera und Mikrofon dabei begleitet, welche Lebensmittel sie kaufen und welches Essen sie daraus zubereiten. Ziel des Experiments war, herauszufinden, ob man dann, wenn man mehr Geld zur Verfügung hat, auch hochwertigeres Essen zubereiten kann, oder ob die Qualität von Speisen nicht zwangsläufig vom Preis der Lebensmittel/Rohstoffe abhängt.
Natürlich ist es nicht schwer, vorherzusagen, wie die Sache ausgegangen ist, aber ich schildere trotzdem mal den weiteren Verlauf der Sendung.

Die Familie kaufte fast ausschließlich Dosen, Abgepacktes, Tiefgekühltes und Unfrisches, so wie sie es immer gemacht hatte, diesmal halt Markenware, die oft doppelt so teuer war, wie Aldi/Lidl/Norma, dazu Nudeln und Päckchensoße. Einzige Frischware waren Zwiebeln, wenn ich mich recht erinnere und wenn zum Nachtisch Frau Mama früher einen Pudding gekocht hatte (ein Liter Milch und Puddingpulver kosten vergleichsweise wenig), musste es jetzt natürlich Dany plus Sahne oder irgend etwas anderes fertig gemixtes sein – Hauptsache, es war teurer, und das „Mehrgeld“ ward möglichst vollständig ausgegeben.

Der Koch nutzte seinen Informationsvorsprung bezüglich möglicher Beschaffungsquellen und kaufte fast ausschließlich frische Ware vom Erzeuger, teilweise direkt vom Traktor oder Lastwagen. Er feilschte mit den Bauern um Preise und Mengenrabatte, indem er halt nicht eine Hand voll Kartoffeln, sondern gleich einen ganzen Sack kaufte, weil es ja öfter mal Kartoffeln in verschiedenen Variationen geben sollte. Zum Schluss hatte er Gemüse, Salat, Milch, Sahne, Forellen vom Züchter, sowie Hühnchen und Eier vom Bauern. Frische Kräuter sammelte er auf Wiesen und im Wald.
Das Ganze zur Hälfte des Preises dessen, was die Familie für ihre Lebensmittel ausgegeben hatte und – welch große Überraschung – seine daraus bereiteten Speisen waren natürlich qualitativ wesentlich hochwertiger, weil frischer und bekömmlicher und weniger kalorienreich, nicht so fett und überhaupt.

Was wollte uns Tim Mälzer und sein Kollege mit dieser Geschichte sagen?
Vordergründig natürlich, dass es nicht ausschließlich am Preis der Lebensmittel liegt, ob ein daraus hergestelltes Essen hochwertig ist. Bei genauerer Betrachtung allerdings ergibt sich die Erkenntnis, dass der Wert des Geldes immer relativ ist und sich ausschließlich im (teilweise gefühlten) Gegenwert dessen zeigt, was man dafür kaufen kann, beziehungsweise, was man dafür kauft.

Don Alphonso, bei dem ich sehr gerne lese und dem ich neulich mit dem Posting Die Freuden ohne Lucas DM2P4 ein kleines Opel-Astra-Denkmal setzen musste, schreibt heute den wunderbaren Satz: Ich hatte so eine Idee, mit dem Sunbeam picknicken an einen Schweizer Bergsee zu fahren, in der „World of Interiors“ zu blättern und glücklich zu sein – es könnte anders kommen.
Darauf kann man natürlich wie Tim Mälzer antworten: Kein Mensch braucht einen Sunbeam, um von A nach B zu kommen, ein Opel Astra tut es auch. Kein Mensch braucht ein Picknick an einem Schweizer Bergsee, an einem Tisch im heimischen Wohnzimmer sitzt es sich viel gemütlicher. Kein Mensch braucht „World of Interiors“, der Möbelkatalog von IKEA enthält zweckmäßigeres und billigeres.
Aber die Intention des Don war nicht, von A nach B zu kommen, oder möglichst bequem beim Essen zu sitzen oder sich hauptsächlich zweckdienlich und günstig einzurichten. Seine Intention war, glücklich zu sein.

Geld allein macht nicht glücklich, sagen Volksmund und Mälzer. Opel Astra, Regalsystem Ivar und gesundes Essen aber halt auch nicht.
Don Alfons Schuhbeck, ein anderer Kollege von Tim Mälzer ließ sich in dem Zusammenhang bei einer Fernsehwerbung einst zu folgendem Dialog hinreißen:
„Herr Schuhbeck, den ganzen Tag die feinsten Schmankerln, und dann Herta Fleischwurst?“
Darauf der Meisterkoch, herzhaft in besagte Fleischwurst beißend: „Ja, eben, drum!“

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5 Kommentare zu “Geld

  1. Sag mal, Axel, machst Du gerade Diät, oder warum schreibst Du so oft über Essen? Mein Tipp: Nie mit leerem Magen ins Blog gehen!

  2. axeage sagt:

    Jetzt, da Du’s sagst – stimmt!
    Und Du hast nochmal recht, ich hatte den ganzen Tag Hunger, weil ich nur zwei Joghurt und ein Stück Streuselkuchen gegessen habe.
    Den Kuchen natürlich im Astra!

  3. iris sagt:

    Und, warst du glücklich ? 😉

  4. axeage sagt:

    @iris
    Du meinst mit Joghurt und Streuselkuchen?
    Natürlich nicht!
    Sonst aber schon.

  5. iris sagt:

    Egal womit, Hauptsache glücklich – oder ? Aber ich bin auch eher für Schuhbecks Variante 😉 Mälzer ist nur ein Schwätzer, der als Koch völlig überbewertet wird.

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