Wortmeldung aus dem Reservetank – Jackson Browne in Erlangen

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22.04.2009 von axeage

Wer sich fragt, was der erste Teil der Überschrift mit dem gestrigen Konzert von Jackson Browne zu tun hat, dem sei verraten, dass eine der besten Langspielplatten der 70er Jahre, ach was sag‘ ich, eine der besten Langspielplatten überhaupt, Jackson Brownes Running on Empty ist, was übersetzt nichts anderes heißt, als Fahren auf Reserve.
Und wer sich weiter fragt, warum dies eine der besten Langspielplatten der 70er Jahre beziehungsweise überhaupt ist, der hat sie entweder noch nicht gehört und/oder er weiß nichts über die Geschichte dieser Platte. Die ist nämlich teilweise in Hotelzimmern, in denen Mr. Browne logierte, in einem VW-Bus, der offensichtlich nicht mehr genug Sprit hatte und natürlich LIVE auf diversen Bühnen aufgenommen worden. Außerdem wurde die Scheibe allein in den USA über 7 Millionen mal verkauft und erreichte damit Mulit-Platin-Status.
So, Schluss mit den ollen Kamellen, mehr gibt’s jetzt nicht mehr mit dem großen Löffel!

Gestern war The Godfather of Folk-Rock in der Heinrich-Lades-Halle in Erlangen zu sehen und zu hören und ich sage jetzt einfach mal, es war eines der besten und auch schönsten Konzerte, die ich seit langem erlebt habe. Es hat wirklich alles gestimmt: der Sound, die Musiker, die Musik (natürlich), die Lightshow und sogar die Zuschauer, denn die waren durch die Bank gesetzteren Alters und hatten nicht die unangenehme Angewohnheit, sich lautstark während des Konzerts zu unterhalten, sondern wie gebannt auf ihren Stühlen gesessen – selbst bei den leisen Parts, von denen es bei einem Browne-Konzert nicht wenige gibt.

Begleitet wurde Browne von einer ganz hervorragenden Band. Auf der Bühne standen ein Gitarrist, dessen Spielweise mich ein wenig an die von Mark Knopfler erinnerte, zwei bezaubernde Sängerinnen, die den heutzutage leider völlig aus der Mode gekommenen, mehrstimmigen Gesang unterstützten, sowie ein Schlagzeuger, der mit viel Arbeit und punktgenauem Spiel, sein Geld mehr als redlich an diesem Abend verdiente. Außerdem am Keyboard – hach, wie herrlich klingt doch immer wieder eine alte Hammondorgel mit Leslie – ein Mann, der nebenbei auch noch ein ganz hervorragende Stimme hat und die Mädels nach Kräften beim Chorgesang unterstützte und natürlich der obligatorische Bassist, dessen Arbeit nicht hoch genug einzuschätzen ist, der aber, wie nahezu jeder Bassist, eher durch stoische Gelassenheit auffällig wurde.

Nach einer Stunde mit teilweise atemberaubenden Arrangements und einer guten Mischung aus alten und neuen Songs – ja, tatsächlich, seit Ende letzten Jahres gibt es mit der neuen LP CD Time the Conquereor auch neue Songs von Jackson Browne – nach einer Stunde gab es eine kurze Pause. Der anschließende Part war dann eher ruhig, fast unplugged gehalten. Akustische Gitarren, Akustikbass, wenig Keyboard und der Schlagzeuger für einige Stücke am Cajon, bewiesen, welch hervorragende Musiker Jackson Browne auf seiner Tour dabei hat. Zum Schluss dann wurde es allerdings noch mal richtig laut. Bei Running on Empty hielt es keinen mehr auf seinem Sitz und nach (leider nur einer) Zugabe war nach gut drei Stunden Schluss.

Ein Bild, das sich mir eingeprägt hat, seit ich die Musik von Jackson Browne höre und das ich entweder von einem Plakat oder einem LP-Cover kenne, zeigt seine ins Gegenlicht eines Scheinwerfers getauchte Silhouette, mit abgeschnallter Gitarre. Dieses Bild war dank des großartigen Lichtmeisters des gestrigen Gigs der visuelle und krönende Abschluss nach jedem Lied und sorgte ein ums andere Mal für dick Gänsehaut.

Auf dem Nachhauseweg haben wir auf der Autobahn noch den Tourbus überholt. Mr. Browne saß mit seinen Leuten vor dem Fernseher. Die Liebste hat gehupt, der Busfahrer mit Lichthupe geantwortet.
Nein, wie Fahren auf Reserve, sah das nicht aus!

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8 Kommentare zu “Wortmeldung aus dem Reservetank – Jackson Browne in Erlangen

  1. Liebste sagt:

    Noch zusätzlich zum Konzert, aus weiblicher Sicht, zu bemerken:

    1. Herr Jackson sieht einfach zum niederknien gut aus

    2. Die Sängerinnen waren vollständig bekleidet

    Es war einfach phantastisch

  2. axeage sagt:

    @Liebste
    … und man darf nicht vergessen, dass der gute Mr. Browne 61 Jahre alt ist.

  3. iris sagt:

    Da bekommt man ja beim Lesen Gänsehaut !

  4. axeage sagt:

    @iris
    So soll es sein.

  5. michael sagt:

    Kann nur zustimmen. Es war FANTASTISCH. Hatte das Glueck das Konzert in Birmhingham/UK vor 2 Wochen besuchen zu koennen. Die erste Haelfte war gestern (fast) identisch, in der zweiten gab’s fast komplett andere Songs. Der Sound war interessanterweise in Erlangen besser als in der ehrwuerdigen Symphonie Hall in B’ham.
    Absolutes highlight fuer mich war gestern: Lives in the Balance. Besser geht nicht.

  6. axeage sagt:

    @michael
    Ich könnte nicht sagen, welcher Song mir am besten gefallen hat. Mich haben vor allem die teilweise ausgeklügelten Arrangements fasziniert. Das war nicht nur einfach so heruntergebügelt, sondern mit sehr viel Abwechslung und Finesse gespielt. Großartig!
    Und Du hast vollkommen recht. Der Sound war erste Sahne. Da habe ich schon bei wesentlich teuereren Konzerten in wesentlich bekannteren Spielstätten wesentlich schlechtere Akustik erlebt.

  7. Jackson wer? Ich kenn nur Jackson, Michael. Und der ist war ja auch browne braun.
    *grummelnd ab*

  8. axeage sagt:

    @Christoph Wesemann
    Ach Christoph, dafür bist Du noch viel zu jung!

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