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09.04.2009 von axeage

Geburtstagslektüre. Heute morgen im Bett ausgelesen. Thomas Bernhard – Holzfällen.
Welch ein Buch.
Das interessante, gleichtzeitig schlimme an Bernhard ist, dass er Gedanken, die jeder zwangsläufig hat, auch diejenigen, die von sich behaupten, nie derartiges zu denken – wahrscheinlich haben gerade solche Personen öfter als alle anderen derartige Gedanken – dass er diese Gedanken ausspricht, breittritt, wiederkäut.
Und manchmal dreht er Spieße auch um. Unverhofft. Nicht oft.

In den Wald gehen, tief in den Wald hinein, sagte der Burgschauspieler, sich gänzlich dem Wald überlassen, das ist es immer gewesen, der Gedanke, nichts anderes, als selbst Natur zu sein. Wald, Hochwald, Holzfällen, das ist es immer gewesen, sagte er plötzlich aufgebracht und wollte endgültig gehen.

Thomas Bernhard – Holzfällen

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10 Kommentare zu “48

  1. Seit ich Bernhard lese, und ich lese ihn oft und gern, was naturgemäß meiner Frau missfällt, ja, es stößt sie regelrecht ab, dass ich den Bernhard nicht nur lese, sondern ihn gern und oft lese, mit dem größten denkbaren Vergnügen, kann man ohne Weiteres sagen, mit dem allergrößten Vergnügen und zum Ärger meiner Frau, die ihn, Berhard, verabscheut naturgemäß, wieder und immer wieder hasst, aus tiefstem Herzen verachtet, diesen Bernhard, nur weil sie seine Gedanken und Erregungen, die doch die natürlichsten der Welt sind, nicht erträgt, seit ich also Bernhard, diesen größten aller deutschsprachigen Schriftsteller lese, heftig lese, träume ich von einem Ohrensessel.

  2. axeage sagt:

    In dem Augenblick, in welchem ich erstmalig einen Satz las, der länger als eine Seite ging, als eine ganze Seite wohlgemerkt, in jenem Augenblick war ich mir nicht sicher, im Gegenteil, ich war mir reichlich unsicher darüber, ob ich derartiges länger würde durchhalten können zu lesen, obwohl mir aus meiner eigenen Schreibpraxis ja längst, also über Jahre hinweg geläufig war, lange, mehrfach ineinander geschachtelte Sätze zu formulieren, deren Inhalt für mich am Ende immer noch Sinn und Zusammenhang ergab, anderen allerdings völlig abstrus, um nicht zu sagen sinnentleert vorkommen mussten, was mich aber schon damals in keiner Weise gestört hat und jetzt schon erst recht nicht stört. Das ist die Wahrheit.

  3. Kristin sagt:

    Ja, hätte ich das gewusst, als ich den Bernhard vor bald einem Jahrzehnt in das Leben meines Mannes brachte. Es war „Wittgensteins Neffe“, bis heute unübertroffen, hunderfach wiedergelesen und immer gerne zitiert. Der Bernhard, gelesen vom Beil, vom Matthes, göttlich. Aber wenn der eigene Mann sich fünf bis sieben mal im Jahr einbernhardelt, dann hört sich die Ehefrau, die den Bernhard ja keineswegs hasst, ihn sogar sehr anziehend findet, ja attraktiv, grummelnd sagen: Hätte ich doch den Bernhard nie in die Familie gebracht. Und nicht nur dass: Mein Mann hat sogar mal einen Film mit einem Bernhard-Mercedes vollgenipst. Dabei war es nur ein alter Mercedes in einer Garage. Er hat dann auch ein Monatseinkommen verbraten, um im Buchladen des Bernhard-Hauses Fachzeitschriftenausgaben zum Thema Bernhard-Wahrnehmung im transzendalen Wasweisich zu erwerben. Ach, er kauft überhaupt alles mit dem Namen Bernhard drauf. Aber seine Frau liebt ihn und lässt es geschehen. Nur dieses Bernhardeln (ununterbrochene Wut über alles und vor allem nichts)…

  4. jekylla sagt:

    Das ist ja ein Hammer! Lieber „Geburtstagsbruder“, nachträglich von mir auch alles Liebe und Gute für Sie, beste Wünsche und alles!
    Sie sind der erste Mensch, den ich kenne, der mit mir Geburtstag hat!!! 🙂

  5. axeage sagt:

    @Jekylla
    Also ich habe zwei (ehemalige) Arbeitskollegen, die mit mir/uns Geburtstag haben und ein paar Prominente sind auch darunter:
    Computererfinder Heinz Nixdorf, Golfspieler Severiano Ballesteros, Schauspieler Jean-Paul Belmondo, Fußballtrainer Thomas Doll.
    So, liebe Jekylla, die dürften doch erstmal reichen 😉

    … und vielen Dank für die Glückwünsche.

  6. jekylla sagt:

    Ich meinte „kennen“ im Sinne von mindestens semi-persönlich, keine Promis. Und den Thomas Doll, ähem, den vergess ich gleich, der ist sowas von untypisch Widder… 😉

  7. axeage sagt:

    Unser gemeinsamer Freund übrigens, ist genau zwei Tage jünger als ich.

  8. jekylla sagt:

    Ich weiß 🙂
    Er wird heute sein wahrscheinlich schon verwestes Geschenk von seiner Packstation abholen *g

  9. axeage sagt:

    Oh weh, was war/ist es denn (hinter vorgehaltener Hand)?

  10. jekylla sagt:

    Vorsicht, Herr r|ob ist ÜBERALL! *hektisch umguck

    Ich enthülle lieber morgen. Oder er. Je nachdem 🙂

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