Blues will eat

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24.03.2009 von axeage

Am vergangenen Samstag habe ich – wie fast jedes Jahr – das Nürnberger Blues-Festival Blues Will Eat besucht. Neben den üblichen Verdächtigen, wie der Gallagher-Erinnerungsband Remember Rory oder Pearl, dem Langzeitexperiment im Dauerbeweinen der viel zu früh verstorbenen Janis Joplin und natürlich vielen bekannten Gesichtern auf und vor den insgesamt drei K4-Bühnen aus dem Umfeld von Vischers Blues Jam, gab es auch zahlreich Neues, Gutes und Sehr Gutes zu entdecken.

Als da beispielsweise wäre: das Gesamtkunstwerk aus München Dr. Will & The Wizzards. Welch eine skurrile Voodoo-Horror-Picture-Gospel-Blues-Show. Dr. Will ist abwechselnd Derwisch, General, Prediger, Schamane, Hutträger. Immer aber ist er Mr. Omnipräsent und schickt seine gewaltige Stimme entweder durchs Mikrofon, durch einen Telefonhörer oder durch ein Megaphon, nach Kräften unterstützt von zwei klasse Gitarristen, einem tätowierten Riesen am Kontrabass und einem herumwirbelnden Drummer, bei dem einem sofort das Tier aus der Muppedshow in den Sinn kommt: „Keine Angst, wir haben ihm die Füße am Boden festgenagelt.“

Ein weiteres Highlight waren für mich The Magictones. Rythm & Blues vom allerfeinsten, dargeboten von einer zehnköpfigen Band, mit vier Bläsern, zwei Gitarristen, Bass, Schlagzeug, Keyboard und Gesang. Es hat wirklich sehr großen Spaß gemacht, diese Truppe einmal in einem großen Saal zu sehen und natürlich zu hören. Messerscharfe Bläsersätze, Soli, Breaks und Endings wie aus dem Großen Lehrbuch für Bigbands und Wende Weigands absolut amtliche R&B-Stimme. Wer die Augen geschlossen hat, bekam Sonnenbrille und schwarzen Hut nicht mehr aus seinem Kopf.

Mein persönliches Highlight allerdings fand im Hinterzimmer des K4 statt. Eine Band, die mir auf der Demo-CD des Festivals durch schöne melodische Countrybluesklänge aufgefallen war: das Dennis Schütze Trio.


Tommi Tucker, Dennis Schütze, Jochen Volpert

Bass, Western- und E-Gitarre, sowie Gesang, mehr braucht es nicht, um gute Musik zu machen. Dennis Schütze hat eine wunderbare Stimme, spielt selbst die akustische Gitarre und wird kongenial begleitet von Jochen Volpert an der E-Gitarre und Tommi Tucker am Kontrabass.
Die Lieder sind fast alle selbst komponiert, hervorragend arrangiert und wenn die Jungs in der Zugabe auf Hey Joe von Jimi Hendrix zurückgreifen, bekommt man eine herrliche Ballade zu hören, die vielleicht auch als kleine Reminiszenz an Joe Strummer verstanden sein könnte, denn Jochen Volpert spielt eine Joe-Strummer-Signature-Telecaster, die auch jenseits von London Calling einen herrlichen Ton abgibt.

Nette Geschichte am Rande:
Die junge Frau, die mir einen Platz freigehalten hatte, als ich mir ein Bier geholt habe und so freundlich war, mir einige Bilder vom Gig zu schicken, war offensichtlich die Freundin von Bassist Tommi Tucker. Danke noch einmal an dieser Stelle und dem Dennis Schütz Trio weiterhin viel Erfolg. Ich freue mich schon aufs Bardentreffen im Sommer. Dort sind die drei wieder zu hören. Wer die Gelegenheit hat, sollte sich das nicht entgehen lassen.

Alles in Allem war Blues Will Eat 2009 wieder ein äußerst gelungenes Festival und es bleibt zu hoffen, dass diese Konzertreihe, in der sehr viel Herzblut und persönliches Engagement der Veranstalter steckt, noch recht lange weiter geht, auch wenn in diesem Jahr nur auf drei, statt wie sonst, auf vier Bühnen gespielt wurde und die Besucherzahl nach meiner Beobachtung etwas zurückgegangen ist.

Dieser Artikel erschien am 2. April 2009 auch bei den
musikspionen.

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2 Kommentare zu “Blues will eat

  1. tommi sagt:

    hallo axel,

    dann danke ich dir schon mal für das nette geschriebene. wir fühlen uns geehrt!

    auch uns hat das blues will eat einen riesen spaß gemacht! wir freuen uns schon auf das bardentreffen und sind drauf und dran, einen gig in nürnberg zu checken.

    so wie es aussieht, hast du da ja gute kontakte bzw. kannst uns vielleicht einen club empfehlen?

    würde uns feuen! (und du stehst natürlich auf der gästeliste 😉

    dann wünschen wir dir noch einen schönen abend und sehen uns hoffentlich bal wieder.

    blues mit gruß

    tommi vom dennis schütze-trio

  2. […] Der dritte Gig, den ich besucht habe, fand im Zentralcafe statt. Dennis Schütze & His Electric Combo. Vor genau sechs Jahren spielte er bereits mit seiner Akustik-Besetzung beim BWE im Hinterzimmer und ich habe an dieser Stelle darüber berichtet. […]

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