Großes amerikanisches Kino

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20.02.2009 von axeage

Warum ich das weltweite Netzdingsbums so mag, liegt unter anderem daran, dass man dort (wo eigentlich genau??) nicht nur schnell und unkompliziert veröffentlichen kann und im nächsten Augenblick jeder Mensch auf der Welt – zumindest theoretisch – in der Lage ist, dieses zu lesen, oder man sich Informationen jetzt und sofort und in ungeahnter Vielfalt besorgen kann, ohne das Haus verlassen und eine Bücherei aufsuchen zu müssen, oder gezwungen wäre jemanden anzurufen oder vor einem Bücherregal zu verzweifeln. Warum ich das Netz aller Netze so mag, liegt auch daran, dass man sich LINK by LINK by LINK so herrlich verzetteln, verirren und verlieren kann.
So geschehen gestern Nacht, als ich diese wunderbaren Bilder von der Inauguration (welch ein Wort) des amerikanischen Präsidenten Barack Obama gefunden und betrachtet habe.

Mein absolutes Lieblingsbild ist Bild Nummer 6.
Wenn es eine visuelle Entsprechung gibt für den, zugegebenermaßen in letzter Zeit etwas in Verruf geratenen Begriff „Stolz“, dann ist es dieses Bild.

Auch Bild Nummer 33 hat es mir angetan, nicht weil es besonders anrührend oder spektakulär wäre, sondern weil darauf zwei Männer zu sehen sind, die vor vierzig Jahren bei den Olympischen Spielen in Mexiko-Stadt eine politische Geste, nein DIE politische Geste schlechthin in der Geschichte der Olympischen Spiele gemacht haben.

40 years after their silent protest at the 1968 Olympics, Gold Medalist Tommie Smith hugs Bronze Medalist John Carlos, and their wives Delois Smith and Charlene Carlos after Barack Obama is officially sworn in as the President of the United States.

Silent GestureIch erinnere mich noch gut, welch große Diskussionen diese Geste damals ausgelöst hat, auch im Wohnzimmer der Familie Scherm. Ich war gerade mal in der ersten Klasse und konnte mir keinen rechten Reim auf die geballten Fäuste dieser ernst dreinblickenden schwarzen Männer machen, die ohne Schuhe, nur mit schwarzen Socken an den Füßen, das Siegerpodest bestiegen hatten. Auf einem Siegerpodest, so meine kindliche Vorstellung, hatte man gefälligst fröhlich zu sein, man hatte zu jubeln, allenfalls eine Träne zu vergießen, wenn die Nationalhymne erklang. Aber das, was die beiden 200-Meter-Sprinter damals gemacht haben, war unerhört, fremd und erst dann zu begreifen, wenn man sich näher mit den Hintergründen befasste.

Man kann wahrscheinlich kaum ermessen, was in Tommie Smith und John Carlos am 20. Januar 2009 vorgegangen ist, als sie sich zusammen mit ihren Frauen in den Armen lagen und Barack Obama, stolz von seinen Töchtern und seiner Frau begleitet und beobachtet, den Amtseid abgelegt hat.

Großes amerikanisches Kino, das man sich durchaus ab und zu gönnen darf.

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