Unterkandidelt

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25.01.2009 von axeage

Lieblingswörter kommen und gehen. Derzeit benutze ich sehr gerne überkandidelt und hibbelig. Keine Ahnung, nach welchen Mechanismen und Kriterien sich solche Ausdrücke in meinem Kopf einnisten. Sie kommen, bleiben eine Zeit und gehen wieder.
In dem Zusammenhang habe ich mich gefragt, ob es das Wort unterkandidelt wohl gibt. Wenn Nein, erfinde ich es hiermit. Ich frage mich nämlich, was intelligente Menschen, von denen ich doch ein paar kenne, manche persönlich, einige aus dem Radio, dem Fernsehen und dem Internet, was solche Menschen dazu bringt, sich mit dem RTL-Dschungelcamp zu beschäftigen. Und zwar nicht so, dass sie ab und zu in diese Sendung zappen und hängen bleiben, weil einem blonden Busenwunder eine Spinne übers taucherbrillengeschützte Gesicht läuft und man bereits in dieser kurzen Szene erkennen kann, dass der Intelligenzquotient von Spiderman und Tittenblondie weit auseinander klaffen – zu wessen Gunsten darf drei Mal geraten werden.
Nein, diese Menschen besprechen, analysieren, kommentieren, sezieren und interpretieren diese Sendung bis ins kleinste Detail mit den krudesten Begründungen. Es gehe nicht um Ekel, es gehe um Selbstvermarktung, um Gruppendynamik, es biete beste Unterhaltung, Anschauungsunterricht im Extremmarketing in eigener Sache usw. usw.

IBES-HMHR (nein, ich werde den Titel hier nicht niederschreiben), diese Sendung ist gequirlte Scheiße und bleibt gequirlte Scheiße und die einzig adäquate Form damit umzugehen ist, sie nicht anzuschauen, keine Notiz von ihr zu nehmen, sie vollständig und absolut zu ignorieren.
Dieses Machwerk ist keine Unterhaltung, das ist eine Freak-Show, wie sie auf den Jahrmärkten des vorletzten Jahrhunderts üblich war. Und wenn mir einer, wie der Niggemeier damit kommt, dass die Berichterstattung über das RTL-Dschungelcamp ja wohl noch menschenverachtender sei, als die angeblich so menschenverachtende Show, um daraufhin die Dschungelkönigin mit Nepumuk aus der Sendung „Hallo Spencer“ zu vergleichen und dann auch noch Krokodilstränen für dieses androgyne Gesamtkunstwerk Lorielle zu vergießen, dann fällt mir dazu nur eins ein:
Genau so stell‘ ich mir die journalistische Arbeit desjenigen vor, der eine Seite wie bildblog betreibt. Außerdem: wenn schon Freakshow, dann richtig, Herr Medienjournalist.

Ich will nicht so weit gehen, zu sagen, diese Sendung gehört verboten. Ich bin der Meinung, solche Sendeformate verbieten sich von selbst.

So, das musste mal raus.

2 thoughts on “Unterkandidelt

  1. Axel, weißt Du, ich bin sehr dankbar, dass ich hier in Odessa zu dieser Sendung keine Position beziehen kann, einfach weil ich sie nicht gesehen habe. Ich gebe aber zu, dass ich mich wundere über Niggemeier – sosehr ich ihn sonst schätze. Wenn ich ihn richtig verstehe, ist er begeistert von der handwerklichen Professionalität der Macher. Sinngemäß: Endlich sind da mal Leute am Werk, die ihren Job nicht hassen.

  2. axeage sagt:

    Christoph, zum Thema „handwerkliche Professionalität“ fallen mir aus der jüngsten deutschen Geschichte ganz andere Sachen ein, die ich hier lieber nicht erwähne, die auch nicht unbedingt hierher gehören, aber ich sage nur „Wehret den Anfängen“.
    Solche Sendungen sind schon schlimm genug, wenn sie im Berlusconi-TV und bei den Amis m. o. w. rund um die Uhr gesendet werden, aber ich möchte so einen Scheiß eigentlich nicht sehen, wenn dabei deutsch gesprochen wird.

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