Trubelmuße muss

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15.12.2008 von axeage

Am Wochenende habe ich mich durch Nürnberg schieben lassen. Weihnachtseinkäufe.
Ich gestehe, ich genieße dieses Ereignis. Selbst wenn ich schon alle Weihnachtsgeschenke hätte, würde ich am Samstag vor dem dritten oder vierten Advent in die Stadt fahren. Ich liebe den Trubel, die Gerüche, die greinenden Kinder, die frierenden Budenverkäufer, die Kegelclubs, die mit blinkenden Nikolausmützen oder Schaumstoff-Elchgeweihen auf dem Kopf grölend durch die Straßen ziehen, die Straßenmusiker, die Alle Jahr wieder spielen, die Tagesausflugsrentner in ihren altmodischen C&A-Jacken.

Ich habe auch immer ein ganz festes Programm. Es muss ein Elisenlebkuchen oder eine Kokosmakrone und ein Glühwein vom Christkindlesmarkt sein und natürlich Nürnberger Bratwürste. Danach darf sich eine leichte Übelkeit einstellen. Dann brauche ich unbedingt den Besuch in einem Buchladen und ganz wichtig, in einem Elektronikmarkt. Dort lasse ich mir von einer jungen Verkäuferin etwas erklären, das ich aber nicht kaufe. Dann in die Sportabteilung von Karstadt, zu den Golfschlägern, um einen der sündhaft teuren Driver auf der Videoleinwand auszuprobieren. Außerdem belausche ich unheimlich gerne Verkaufsgespräche von Fachverkäufern für Trockenrasierer beziehungsweise seit einigen Jahren für diese furchtbar komplizierten Espressomaschinen. Zum Schluss gebe ich dem Straßenmusikanten aus dem Banat, der mit seiner grausam quäkenden Trichtergeige das gesamte Jahr die Fußgängerzone nervt, 10 Euro dafür, dass er das auch im kommenden Jahr wieder tut. Das alles brauche ich Mitte Dezember, das muss sein, das geht nicht anders.

Ausführungen, wie diese, kann ich nicht nachvollziehen.

In diesen Tagen fallen uns Menschen seltsame Dinge ein. Zum Beispiel zusammengerottet im Schneetreiben und Regen vor einer Holzbude zu stehen und sich mit süßer heißer Flüssigkeit zuzuschütten, die irgendwann mal ein Speed Date mit einer Flasche Rotwein gehabt haben muss. Diese Form der organisierten Vorweihnachtsfreude muss durch Geschmacklosigkeit, Einsamkeit, ja Verzweiflung getrieben sein. Anders lässt es sich nicht erklären, dass Menschen für ein Heißgetränk fast fünf Euro bezahlen, das nach nichts als Zucker schmeckt, den Magen verdirbt und für baldigen Kopfschmerz garantiert.

Miriam Meckel

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