Marcel ma Belle

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14.10.2008 von axeage

Moralische Instanzen haben, vor allem, wenn sie sich erzürnen, immer etwas Anrührendes, finde ich. Das war und ist bei Günter Grass nicht anders, als bei Martin Walser oder Marcel Reich Ranicki.
Die Liebste und ich fuhren gerade im Auto, als die Sensationsmeldung uns ereilte.

Abgelehnt. Deutschlands berühmtester Lispler hatte einfach abgelehnt. Wir wussten nicht warum und konnten uns auch erst einmal keinen Reim darauf machen. Für sein Lebenswerk – naja, haben wir uns gedacht, vielleicht war Marcel erbost darüber, dass man ihm bereits zu seinen Lebzeiten einen solchen Preis hat zuschustern wollen. Andererseits, wie hätte man ihm den Preis sinnvoll überreichen sollen, wäre er bereits gestorben gewesen?
Auf jeden Fall großes Rätselraten, bis uns an besagtem Abend meine Lieblingsnachrichtensprecherin Marietta Slomka – oder war es der Liebsten Lieblingsnachrichtensprecher Klaus Kleber – endlich aufklärte und uns das ganze Ausmaß der Verleihungs- und Zurückweisungsmisere ins heimische Wohnzimmer moderierte.

Ach ja, der liebe Herr Reich, der gute Herr Ranicki, der teuere Marcel. Hätte er sich denn nicht im vornherein denken können, nein müssen, während dieser Verleihung mit dem Prekariat der deutschen Unterhaltungsindustrie auf eine Stufe gestellt zu werden und sich dies im Vorfeld durch diverse Film- und Showschnipsel offenbaren würde.
Natürlich hätte er und hat er sicher auch und doch darf man ihm nicht ausschließlich Kalkül unterstellen, mit seiner (wie immer fein formulierten) Ablehnungsrede auf den größtmöglichen Showeffekt geschielt zu haben. Ja, oder vielleicht doch?

Immerhin ist ihm sofort des deutschen drittliebste Schwiegersohn-Projektionsfläche – nach Beckmann und Kerner – zur Seite gesprungen, hat vermittelt, wo nur irgend möglich und RR hat, wenngleich mit drohendem Finger seine erheblichen Zweifel äußernd, grundsätzliche Kooperationsbereitschaft gezeigt und brav dem guten alten Tommy das „Du“ angeboten.

Und wenn man jetzt noch der Aussage von Teofila Reich-Ranicki glauben darf, dann hat ihr Mann den formschönen Preis ja doch mit nach Hause genommen und somit sollte ja eigentlich alles wieder in bester Ordnung sein.
Nur Gottschalk hat vergessen, seinen Wetteinsatz zu benennen, wenn das Treffen der Programmchefs mit ihm und Marcel wider Erwarten dann doch nicht stattfinden sollte – immerhin hat die zweite öffentlich-rechtliche Literatur-Instanz, Elke Heidenreich, von einem solchen Treffen abgeraten.
Naja, kann er ja vielleicht mal wieder ordentlich in Senf baden. Marcel und Elke hätten sicher ihre Freude dran.

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