Alter Mann mit Konzept

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09.10.2008 von axeage

Wenn ich „alter Mann“ schreibe, dann meine ich das in jedem Sinne positiv, mit echter Ehrfurcht und tiefer Verneigung, sowohl vor der Person, als auch vor seiner Leistung. Die Rede ist von Sigi Schwab, der sich gestern als angekündigtes Sextett, dann aber krankheitsbedingt doch nur zu fünft im Dehnberger Hoftheater die Ehre gab.

Ich habe Sigi Schwab gestern zum dritten Mal in meinem Leben live gesehen und es war, wie die beiden Male vorher, ein außergewöhnliches musikalisches Erlebnis.
Mein erstes Schwab-Konzert besuchte ich während meines Studiums in den 80er Jahren. Weiland spielte er zusammen mit Peter Horton. Damals war ich in eine Frau verliebt, die aber leider bereits einen Freund hatte. Sie, ihr Freund und dessen Nebenbuhler – also ich – lauschten den Klängen von Guitarissimo und als Peter Horton im schönsten Östereichisch zum Publik sprach: „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“ und der Freund meiner Angebeteten daraufhin zustimmend zu grölen begann, antwortete Schwab: „Reicht Ihnen das?“. Ich bin noch heute der festen Überzeugung, dass sich der Freund unter anderem mit dieser Reaktion selbst aus dem Rennen gekickt hat. Die Frau und ich haben später geheiratet. Aber das nur am Rande.

Vor ein paar Jahren war Schwab dann in der Röthenbacher Stadthalle zu Gast und zu jener Zeit bereits mit den beiden Percussionisten Ramesh Shotham und Andreas Keller unterwegs. Die Musik war geprägt von Schwabs überzeugendem Gitarrenspiel und äußerst gelungenen, teils außergewöhnlichen percussiven Elementen. Ein feiner Konzertabend, bei dem ich in der anschließenden Autogrammstunde auch ein paar Worte mit dem sympathischen Gitarristen wechseln konnte.

Ja und gestern ist Schwab noch einen Schritt weiter gegangen. Er hat sich mit Flöte, Oboe und Klarinette verstärkt und eine Suite in fünf Sätzen komponiert. West- Östliche Klangwelten, deren Grundlagen dem RAMAYANA entstammen, einem indischen Nationalepos, das aus über 20.000 Versen besteht.
Ich muss zugeben, als ich im Vorfeld des Konzertes in dem ausliegenden Flyer vom vorbildhaften Prinzen Rama, einer Inkarnation Vishnus gelesen habe, der auf die Welt kommt, um diese von dem bösen Dämonen Ravana zu befreien, war ich äußerst skeptisch und stellte mich auf eine etwas überkandidelte Performance ein. Aber, erstens kommt es anders und zweitens, als man denkt – zum Glück!

Es war ein sehr schönes Konzert, bei dem man vor allem den beiden Ausnahme-Percussionisten mal so richtig bei der Arbeit zusehen konnte. Was mir außerordentlich gefallen hat war, dass nicht davor zurückgeschreckt wurde, neben den traditionellen Instrumenten, auch elektronische Gerätschaften mit einzubeziehen. Keller bediente Drumcomputer und Looper ebenso inbrünstig und professionell, wie ein selbstgebasteltes Xylophon aus Plastikrohren und sein mit Cjemben und allerlei exotischen Klangkörpern ergänztes Schlagzeug. Und dann natürlich noch Ramesh Shotham, der fast das gesamte Konzert im Schneidersitz oder auf Knien absolvierte und die unterschiedlichsten Percussioninstrumente in absolut überzeugender Weise spielte. Der typische Indian Groove kam in fast jedem Stück durch und erfuhr seine Vollendung mit den beiden Bläsern Willy Freivogel und Rainer Schumacher und natürlich Schwabs Gitarre, die auch mal eine Sitar oder ein mit Saiten bespannter Kupferfisch war (Andreas Vogel – Oboe und Englischhorn – war leider kurzfristig erkrankt).

Wer sich auf einen reinen Gitarrenabend eingestellt hatte, der wurde allerdings etwas enttäuscht und ich sah einigen Zuschauern im gut besuchten Hoftheater an, dass sie lieber Was wir Ihnen immer schon spielen wollten gehört hätten.
Aber man muss einem Ausnahmemusiker wie Schwab zugestehen, dass er nicht stehenbleiben will und weitergehen muss. Ich habe den Abend auf jeden Fall genossen. Es war nicht nur etwas fürs Ohr, sondern vor allem auch fürs Auge und ich bin gespannt, was sich Herr Schwab als nächstes einfallen lässt. Ich glaube jedenfalls nicht, dass das mein letztes Konzert mit dem alten Mann war.

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