Little Feat im Hirsch

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24.07.2008 von axeage

Sieben Mann hoch – oder besser sechs Mann und eine Frau hoch – standen gestern Little Feat auf der Bühne im Hirsch.
Keyboarder Bill Payne und Schlagzeuger Richard Hayward stammen noch aus der Urbesetzung und haben die Band zusammen mit Lowell George und Roy Estrada 1969 gegründet. Ihre ersten Alben wurden damals von der Kritik hoch gelobt, floppten aber insgesamt. Erst als 1972 Estrada ausstieg, der Bassist Kenny Gradney, der Percussionist Sam Clayton und der Gitarrist Paul Barrère dazustießen und die Band ihren ursprünglichen Stilmix zugunsten von eingängigerem Countryrock aufgab, stellten sich erste Erfolge ein. 1979 starb Lowell George an einer Herzattacke. Als sich die Band 1988 mit Fred Tackett als weiteren Gitarristen und 1993 mit der stimmgewaltigen Shaun Murphy verstärkte, war die Besetzung, so wie sie sich gestern im Hirsch präsentierte, komplett.

Apropos „präsentierte“: Little Feat zeigte sich in absoluter Bestform und der gut gefüllte Hirsch wurde von Anfang an ordentlich gerockt, was nicht zuletzt an den sich hervorragend ergänzenden Gitarristen lag. Während der kleine Finger der linken Hand von Paul Barrère mit dem Metall-Bottleneck verwachsen schien und er damit mitreißende Slide-Soli spielte, war Multiinstrumentalist Tackett mit zahlreichen Stratocastern, einer Mandoline und sogar mit einer Trompete am Start. Soundvielfalt, wie sie perfekter kaum möglich ist.
Den Soundteppich legten Payne am Schlagzeug, Gradney am Bass und der „schwarze Riese“ Sam Clayton an den Congas. Clayton übrigens steckte, dem Zeitgeist geschuldet, in einem bunten Batik-Unterhemd und groovte nicht nur mit seinen Trommeln, sondern auch mit seiner bärigen Stimme, die er in einigen Songs hören ließ und für ordentlich Voodoo-Zauber sorgte.

Mit der Sängerin Shaun Murphy, die auf den ersten Blick auch als Chefsekretärin oder Schmuckverkäuferin bei Karstadt durchgehen könnte, haben sich Little Feat meiner Ansicht einen ordentlichen Gefallen getan. Mit dem ersten Ton, den diese Dame von sich gibt, zieht sie einen in ihren Bann. Diese Frau hat keine Stimme, sie hat aber sowas von einer Röhre und so wie sie mit dem Mikrofon umgeht, vergisst man ganz schnell wieder die Chefsekretärin und die Schmuckverkäuferin erst recht. Die Frau weckt auf und reißt mit.

Bill Payne an den Keyboards überzeugte mit jazzig verbrämten Soloeinlagen und war zum Schluss mit seinem langjährigen Bandkollegen Hayward am Schlagzeug allein auf der Bühne. Man sah den beiden an, dass sie die traumwandlerische Sicherheit, wie sie sich zwangsläufig nach fast vierzig Jahren Zusammenspiel ergibt, sichtlich genossen.
Als dann zusammen mit dem Publikum noch Don’t Bogart Me und The Weight intoniert wurde, gab es Easy-Rider- und Gänsehaut-Feeling obendrauf.
So und nicht anders soll es sein, denn wäre es nicht so, könnte man sich die Musik auch über den mp3-Player anhören – wobei, ein wenig knacksen sollte es schon im Lautsprecher.

Übrigens, wem Bill Payne bei der anstehenden Präsidentschaftswahl seine Stimme geben wird, verriet der Aufdruck auf seinem T-Shirt. Dort war zu lesen: Obama 08.
Machte den freundlichen Keyboarder mit dem einnehmenden Lächeln gleich noch etwas sympathischer.

Dieser Artikel erschien am 26. Juni 2008 auch bei
musikspione.de

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Ein Kommentar zu “Little Feat im Hirsch

  1. Casa sagt:

    Little feats Willin‘ habe ich jahrelang selbst gespielt. Ein grandioser Song! Ich liebe ihn!

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