Going Home – Teil 5

Hinterlasse einen Kommentar

18.07.2008 von axeage

Ein Schwarzer schleicht auf die Bühne. Er hat äußerst schlechte Zähne. Bekleidet ist er mit einer orangefarbenen Kutte und in der Hand hält er eine völlig verschrabbelte Gitarre. Er setzt sich auf einen Barhocker und beginnt zu spielen. Allgemeine Verwunderung. Eigentlich war Sweetwater angekündigt, aber bei dem Verkehrschaos und all den Unzulänglichkeiten hier, war es kein Wunder, dass es zu Umbesetzungen und neuen Dispositionen gekommen war und wahrscheinlich auch weiterhin kommen würde.
Der Mann auf dem Barhocker heißt Richie Havens. Er wird von einem weiteren Gitarristen und einem Percussionisten begleitet und spielt Folk. Die Stimmung im Publikum ist wegen des miserablen Sounds und des drohenden Regens ziemlich schlecht. Vor allem hier oben auf dem Berg, wo sich die fünf auf einer Decke niedergelassen haben, trägt der aufkommende Wind nur ab und zu ein paar Soundfetzen herauf, um sie im nächsten Augenblick wieder in eine andere Himmelsrichtung zu blasen und es sich anhört, als würde Mr. Havens abwechselnd mit vorgehaltener Hand und dann wieder mit einem Megaphon singen.
Harry schimpft, John pflichtet bei. Max und Stan haben sich hingelegt und wissen nicht, worum es geht. Daggy hat Schmerzen.
„Was ist – geht’s los?“ will John wissen, doch sie weist ihn zurück und legt sich auch auf die Seite.
„Verdammte Scheiße, ich glaube, es geht los …“, John wird panisch und versucht Harry für die Situation zu sensibilisieren.
„Meinst Du nicht“, quengelt er weinerlich, „meinst Du nicht, wir sollten uns langsam darum kümmern, wo wir uns hinwenden können, wenn es tatsächlich losgeht?“
Harry zieht die Schultern hoch und winkt ab.
„Das geht jetzt nicht los. Sie hat noch ein paar Wochen“.
„Na Du musst es ja wissen. Wie oft warst Du denn schon schwanger?“
Harry und John blicken sich an und weil beide nicht mehr ganz nüchtern sind und weil beide in diesem Augenblick beschließen, dass dies wohl der beste Konfliktlöser sein dürfte und weil beide gute Freunde sind und weil beide finden, dass die Gesamtsituation ein wenig Entspannung vertragen könnte, fangen sie an zu kichern und wälzen sich auf der Decke, bis Max und Stan auch mitmachen und Daggy genervt versucht, die Kinderei zu beenden.
Auf der Bühne sind Mr. Havens inzwischen die Lieder ausgegangen. Er hat sich nach Kräften bemüht, Sweetwater zu ersetzen und das Publikum dankt es ihm und fordert weitere Zugaben. Also flüchtet sich Mr. Havens in ein Traditional. Sometimes I feel like a motherless child.
Bei diesem Lied werden die Jungs wieder zahm. John nimmt Daggy in den Arm. Max und Stan qualmen wie die Schlöte und Harry versinkt ganz in der Musik. Seine Eifersucht stellt er hinten an. Hat keinen Zweck, denkt er. Hat überhaupt keinen Zweck. Daggy und John küssen sich.
Freedom, Freedom, Freedom …
Irgendwann steht Mr. Havens auf. Er ist völlig durchgeschwitzt und verlässt ganz langsam, aber immer noch mit seinem eigenwilligen Stil Gitarre spielend, die Bühne. Er wiegt sich im Takt. Seine Begleitmusiker halten den Rhythmus noch eine Weile durch. Freedom, Freedom … Das Publikum erhebt sich und ist von dieser außergewöhnlich improvisierten Zugabe ganz angetan. Auch Daggy John und Harry stehen auf und haben das erhebende Gefühl, gerade etwas Besonderes erlebt zu haben.

… to be continued

Kommentar verfassen ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

Juli 2008
M D M D F S S
« Jun   Aug »
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031