No time for cake

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26.05.2008 von axeage

Gestern war Radfahrtag. Am alten Ludwigskanal entlang fahren keine eigenblutgedopten Tour-de-France-Double auf Rennmaschinen und bis zur Unkenntlichkeit in Bikeware gehüllt, sondern Familien und Radwanderer, die sich an der urigen Landschaft und den zum Teil wunderschön renovierten ehemaligen Schleusenwärterhäusern erfreuen und sich nach einigen Kilometern in einem Biergarten niederlassen, dort Brotzeit machen oder ein Stück Kuchen essen, um dann gemütlich wieder heim zu fahren.

So hatten das auch die Liebste und ich geplant und nach etwa einer Stunde Fahrt sind wir in einem lauschigen Biergarten eingekehrt. Es war 14:15 Uhr, die meisten Gäste ließen sich noch Schweinebraten und Schnitzel schmecken und auf der Karte stand: Kaffee und Kuchen ab 14:30 Uhr.
Ich fragte die Bedienung, ob man heute ausnahmsweise die Kuchenausgabezeit um ein Viertelstündchen nach vorne ziehen könnte, und angesichts dessen, dass der Biergarten nicht gerade aus allen Nähten platzte, jeder Gast sein Essen hatte und auch die Anzahl der Bedienungen mit insgesamt vier schwarz-weiß gekleideten Fachkräften für eine deutsche Gaststätte eher großzügig bemessen war, hielt ich dieses, mein Ansinnen auch nicht gerade für unanständig.
Zu meiner Überraschung wurde mein Antrag allerdings abschlägig beschieden. Kuchen erst ab 14:30 Uhr. Punkt.
Ich erinnerte mich kurz an eine Urlaubsepisode aus den 1980er Jahren, als mir in einem Londoner Restaurant zum Mittagessen ein Bier mit den Worten verweigert wurde: No time for beer, Sir und hätte am liebsten der schnippischen Bedienung geantwortet, sie könne sich ihren Kuchen sonstwohin … aber ich wollte der Liebsten und mir nicht den herrlichen Tag verderben und setzte mich brummelnd auf meinen Platz.
Wenigstens durften wir die Wartezeit mit einer Tasse Milchkaffe, die uns gnädigerweise vor 14:30 Uhr gewährt wurde, überbrücken – von dem in früheren Zeiten üblichen Biergarten- und Cafe-Terrassen-Mysterium Draußen nur Kännchen ist man inzwischen offensichtlich abgekommen.

Als mein Blick dann allerdings auf ein Schild fiel, auf dem stand: Bitte nicht die Tische wechseln, spielte ich kurz mit dem Gedanken, mich an einen anderen Tisch zu setzen, die Kuchenkarte rauf und runter zu bestellen und dann die Zeche zu prellen.
Aber die Bedienung riss mich jäh aus meinen Träumen voller bösartigster Rachegelüste.
„Welchen Kuchen hätten die Herrschaften denn gerne?“, flötete sie. Es war 14:30 Uhr und 17 Sekunden.

One thought on “No time for cake

  1. ingrid sagt:

    Ja, unmöglich aber leider durchaus nicht unüblich, was Euch da passiert ist. Aber gestern war wohl so ein „Wartetag“ – englische Zeitungen in einer internationalen Presse am Bahnhof kaufen wollen? mein gott nein, vielleicht so ab 15 Uhr kommen Sie nochmal wieder. Kiste Zigarren im Geschäft daneben kaufen wollen – oh weh da muss ich ja auf die Leiter steigen (O-Ton Verkäuferin), sie tat es und es bildeten sich währenddessen Warteschlangen im Geschäft. Dass der Liebste dann zuhause entdeckte daß sich in der versiegelten Kiste von 20 Zigarren nur 9 befanden ist nochmal ganz was anderes und der heutige Bericht des Rückgabeversuches steht noch aus.
    In diesem Sinne, schönen Montag und eine schöne Woche!

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