Going Home – Teil 3

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22.01.2008 von axeage

Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis Daggy und John endlich eintreffen. Harry hat inzwischen drei Zigaretten geraucht und dabei die vorbeiziehende Menschenmenge beobachtet. Gelöste Stimmung; man liegt oder hockt auf Autodächern, im Gras, auf Kühlerhauben, auf der Straße. Überall Musik – handmade mit Westergitarre, Mundharmonika, Banjo. Gruppen haben sich gebildet. Es wird beratschlagt, wie es weitergehen soll. Zu Fuß, das Auto einfach stehen lassen? Offensichtlich ist jeder froh, bis hier her gekommen zu sein. Keine Spur von Aggressivität oder Missgunst, nur Daggy ist mit ihren Nerven am Ende. John musste übermenschliche Überzeugungsarbeit geleistet haben, sie bis hierher zu lotsen.
Aus der Ferne hört man bereits die ersten Festivaldurchsagen. Hubschrauber umkreisen das Gelände – auch Militärhubschrauber.
Als einer von Ihnen besonders tief über ihre Köpfe kreist, beginnt ein gellendes Pfeifkonzert. Fäuste werden geballt und Mittelfinger in den Himmel gereckt. „Fuck you“!
Dann eine Durchsage der Festivalleitung, die sich wie ein Lauffeuer verbreitet: „This is a free festival from now on“. Jubel und ungläubiges Staunen. Viele waren ohne Eintrittskarten hierher gekommen und dürfen jetzt Zäune niedertreten und Aufseher ignorieren. John nimmt Daggy in den Arm und jauchzt. Die kann irgendwie gar nicht nachvollziehen, warum er sich so freut, schließlich hatten sie doch beide bereits Eintrittskarten.
„Ich freue mich für die anderen …“ lügt John, denn eigentlich wollte er nur Daggy irgendwie aufmuntern – nein eigentlich wäre es ihm viel lieber, allein mit Harry, Stan und Max zu sein, vollgemützt bis oben, ohne diesen schwangeren Showstopper.
„A free festival – das wird in die Geschichte eingehen – Ihr werdet sehen, das geht in die Geschichte ein …“ unterstreicht John aber dann noch einmal nachdrücklich seinen Enthusiasmus. Harry zieht ruhig an seiner Zigarette und sagt ernüchtert:
„Das zieht nur noch mehr Freaks aufs Gelände und wir bekommen wahrscheinlich überhaupt nichts zu sehen. Also, weiter jetzt!“
Harry ist genervt und gibt John zu verstehen, dass dieser sich langsam mal entscheiden solle, ob Daggy jetzt mitkommt, oder hier bleibt, oder Gott weiß was …
„Sie will was rauchen,“ sagt John. Harry herrscht die beiden an: „Sie ist schwanger. Das ist Scheiße, wenn sie jetzt kifft“.
„Das lasst mal schön meine Sorge sein …“, quengelt Daggy und kramt in Johns Rucksack.
„Du bastelst uns jetzt einen schönen Joint, dann seh’n wir weiter. Ich habe keine Lust, mich ständig von Euch Blödmännern herumkommandieren zu lassen. John wollte, dass ich mitkomme. Jetzt bin ich hier, aber auf einen Gewaltmarsch war ich beim besten Willen nicht eingestellt.“
Ihr Englisch ist putzig, wenn sie wütend ist. Harry ist schon wieder ganz verliebt in sie und auch John bekommt diesen einfühlsamen Blick. Sie setzen sich ins Gras, John hantiert mit den Zigarettenpapierchen und lässt sich von Harry die Zutaten geben. Ein Hubschrauber macht ordentlich Lärm.

… to be continued

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