Hurz

2

06.11.2007 von axeage

Die Literaturtage in Lauf gehören zu einer der gelungensten Veranstaltungen im Nürnberger Land und warten seit Jahren mit namhaften Autoren auf. Außergewöhnlich ist, dass die Lesungen im Rahmen der Reihe LesArt in Lauf kostenlos sind, im Gegensatz zu Ansbach, Fürth und Schwabach, wo diese Veranstaltungsreihe ebenfalls stattfindet, aber eben Eintritt kostet.
Im schönen Lauf holt man sich einfach so, ohne zu bezahlen Eintrittskarten in der Stadtbibliothek und erlebt gediegene, literarische Abende in der Aula der Bertleinschule.
Zu den bekannten Autoren gehören in diesem Jahr Wladimir Kaminer und Amelie Fried. Gestern las Christoph Ransmayr aus seinem neuesten Buch Der fliegende Berg.
Der Mann ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, wenngleich ich mir kein Buch von ihm kaufen würde. Seine Sprache ist mir insgesamt zu schwülstig, seine Themen zu sehr in der Nähe von Natur- und Gebirgsromantik und bereits die wenigen Kapitel, die Ransmayr ausgesucht hatte und vorlas, enthielten sowohl thematisch, als auch stilistisch zu viel Redundanz – wie mag sich da erst das gesamte Buch lesen.

Ja und dann war da noch Günther Voit, der mit einer Bassklarinette für die musikalische Untermalung an diesem Abend verantwortlich zeichnete. Sein Eröffnungsstück sorgte allerdings für reichlich unfreiwillige Komik. Abwechselnd hohe und tief gespielte Töne sollten wohl ein tonales Zwiegespräch andeuten, aber musikalisch erschließen wollte sich einem dieser Vortrag nicht wirklich, mir zumindest nicht.
Keine Frage, der junge Instrumentalist ist ein Virtuose und Könner und das Gespielte hätte durchaus als Hintergrundmusik getaugt, in einem nach Motiven von Ransmayr gedrehten Spielfilm. Aber gestern in der Bertleinaula ließ leises Kichern, das ganz verstohlen, aber durchaus hörbar hie und da im Auditorium zu vernehmen war, nur einen Schluss zu: die meisten Zuhörer dachten (wie ich) an HURZ.

Advertisements

2 Kommentare zu “Hurz

  1. Jekylla sagt:

    Genial wie ein Wort genügt, eine ganze Kette von Assoziationen auszulösen. Welches Wort? HURZ natürlich.
    Meine Leseschwäche hat mir übrigens statt Ransmayr eine ganze Zeit lang Ranseier vorgetäuscht. Erinnern Sie sich noch? Karl Ranseier ist tot?

    Es wird echt Zeit fürs Wochenende.

  2. Axel sagt:

    Schon irgendwie erstaunlich, das mit der „klassischen Konditionierung“ und den Assoziationen – einerseits.
    Andererseits kann das natürlich auch peinlich werden. Wenn ich mich nicht furchtbar zusammengerissen hätte, hätte ich sicher losgeprustet und wäre wahrscheinlich von den Ordnern des Saales verwiesen und auf eine schwarze Liste gesetzt worden, um daraufhin nie mehr in meinem Leben eine Karte für die Laufer Literaturtage zu bekommen.

    Schönes Wochenende, Axel

Kommentar verfassen ...

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Kategorien

Archive

November 2007
M D M D F S S
« Okt   Dez »
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
2627282930