Alles ist Golf, Teil 2: Swingerclub

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14.09.2007 von axeage

„Sie werden Schmerzen haben an Stellen Ihres Körpers, von denen Sie nicht im Entferntesten eine Ahnung hatten, dass diese Stellen überhaupt existieren“, so sprach weiland ein Golflehrer, der im Rahmen eines „Tages der offenen Tür“ in irgendeinem nordbayrischen Golfclub seinen Golfschwung demonstrierte. Dann schlug dieser Mensch mit Leichtigkeit den ersten Ball gerade, und die beiden anderen mit Ansage nach links und nach rechts und wir, die Zuschauer und angehenden Golfspieler, die wir hochmotiviert aber völlig ahnungslos dieser Demonstration beiwohnten, dachten naiv: Na so schwer kann das doch wohl nicht sein.
Der Golflehrer gab daraufhin jedem von uns einen Schläger, nein ein Club, wie das, diesem Sport innewohnenden Anglizismus gerecht werdend, natürlich lauten muss und ließ uns schwingen. „Let the Clubhead do its job“ – will heißen, „lass den Schlägerkopf seine Arbeit machen“, sagte der Golflehrer golflehrerhaft und wir, die wir immer noch hochmotiviert und völlig ahnungslos waren, schwangen the Club, aber the Clubhead machte alles mögliche, nur nicht seine Arbeit. „Auf den Ball eindreschen“ beschreibt wohl am ehesten, was wir mit the Club anstellten und nach zwei Stunden hatten wir tatsächlich Schmerzen an den genannten, nie gekannten Körperstellen, nämlich hauptsächlich im beidseitig verlängerten Steißbereich – auf deutsch: es zog und zerrte vom Kreuz bis zum Arsch, so als wollten diese Teile demnächst durchbrechen, beziehungsweise abfallen.

Das Ganze ist jetzt über fünfzehn Jahre her, und nach vielen mehr oder weniger gelungenen Runden auf zahlreichen deutschen und ausländischen Golfplätzen, gibt es für Menschen wie mich, die den Golfsport nicht professionell, sondern in ihrer Freizeit ausüben, nur eine Erkenntnis: den Golfschwung, wie wir ihn dutzendfach im Fernsehen bei internationalen Golfübertragungen vorgeführt bekommen und bei dem wir uns jedes Mal fragen, was daran wohl so schwer sein soll, diesen Golfschwung gibt es für uns Amateure definitiv nicht!
Stattdessen darf man beim Amateurgolfer eine Vielzahl von Schwungvarianten und -abstufungen bewundern, über die ich im folgenden kurz referieren darf.

Zunächst sollte jeder Golfschwung dem vielpraktizierten, aber weithin unbekannten physikalischen Gesetz Rechnung tragen: Geschwindigkeit mal Masse ist Wucht.
Daraus hat sich hauptsächlich der sogenannte Peitschenschwung entwickelt.
Hier sieht der Schwung zwar überhaupt nicht aus wie ein Golfschwung, führt aber meistens zu recht ordentlichen Ergebnissen. Der Schläger biegt sich wie eine Peitsche und der Ball wird mit ungeheurer Wucht getroffen. Weil die Flugbahn des Balles häufig die Form einer Banane beschreibt, spricht man diesbezüglich auch gerne von der Schleuderbanane, oder wenn der Ball besonders weit fliegt, von der Prügelbanane.
Ganz anders, der Sensenschwung. Dieser wird meistens von Frauen ausgeführt und zeichnet sich durch ansprechende Ästhetik, aber sehr geringe Dynamik aus. Der Golfschläger wird lehrbuchgleich geschwungen, jedoch im alles entscheidenden, nämlich im Treffmoment, verliert der Schwung jeglichen Druck und der Schläger gleitet durch den Ball, wie die Sense durch das Gras. Das Ergebnis ist dann eher ein Hoppeln, denn ein Fliegen.
Auch häufig zu beobachten ist der Hack- oder Hammerschwung. Kurze Ausholbewegung und keinerlei Durchschwung. Im Treffmoment hört der Schwung quasi auf, so, als wollte der Spieler den Ball in den Boden rammen. Entsprechend flach ist die Flugkurve des Balles.
Das ganze Gegenteil dessen ist der Knickschwung, zu dem ich neige. Wie ein Klappmesser knicke ich im Treffmoment in der Hüfte ein, was dazu führt, dass der Ball ungeahnte Höhen erreicht, aber insgesamt nicht sehr weit fliegt. Ich argumentiere dann immer, „Golf ist ein Zielsport, kein Weitensport“ und spreche in dem Zusammenhang gerne von Placementgolf.
Eine weitere, gern genommene Schwungvariante ist der Schnippelschwung. Der Spieler vernachlässigt dabei zwei der drei Hebel, die einen Golfschwung ausmachen, nämlich den Arm- und den Körperhebel und setzt eigentlich nur den Handhebel ein. Heraus kommt ein lässiges Lupfen des Balles, das insgesamt souverän aussieht und vor allem beim kurzen Spiel von Vorteil sein kann.
Der imposanteste aller Golfschwünge aber ist der sogenannte Telefonzellenschwung. Hier beraubt sich der Spieler, der auf einem Golfplatz ja nun wirklich allen Platz der Welt hat, selbst seines Aktionsradius’ und schwingt, als stünde er in einer Telefonzelle.

Aber egal, welcher Schwungvariante man frönt, man muss sich bei diesem unsäglichen Sport immer die Vorgänge im Inneren eines Golfspielers vergegenwärtigen, die sich ungefähr auf folgende Art und Weise abspielen dürften:
Der Kopf sagt dem Körper: Geh’ beim Ansprechen des Balles leicht in die Knie und mach’ ein Hohlkreuz. Forme mit Armen und Oberköper ein versetztes Dreieck, dessen höchster Punkt von der linken Schulter markiert wird. Lockere die Handgelenke. Schwinge langsam, aber bewusst auf. Beende Deinen Rückschwung konkret und schwinge dynamisch, aber ohne Kraft durch. Am besten Du merkst Dir ein dreisilbiges Wort wie „Diskothek“ und schwingst auf „Disko“ auf und auf „Thek“ ab. Schaue nicht zu schnell dem Ball hinterher. Im Treffmoment musst Du den Ball noch liegen sehen. Beim Finish ruht der Körper ausbalanciert auf dem linken Außenfuß, wobei der rechte Fuß auf die Fußspitze und der gesamte Körper Richtung Ziel gedreht ist.
Und dann sagt der Körper: Wer, ich?

Dieser Artikel erschien am 21. September 2007 auch bei
kolumnen.de

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