Dumme geile Cowboys

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04.07.2007 von axeage

Manchmal bleibe ich bei Filmen hängen, die ich eigentlich gar nicht anschauen will. Gestern war es Hi-Lo Country auf Tele5. Martin Scorsese diesmal nicht als Regisseur, sondern als Produzent dieses sogenannten Neo-Westerns.
Die Handlung ist schnell erzählt: am Ende des zweiten Weltkriegs verlieben sich die Freunde Big Boy und Pete in die gleiche Frau (klasse: Patricia Arquette als laszive Mona), was die Männerfreundschaft auf eine harte Probe stellt. Heißsporn Big Boy (Woody Harrelson), der sich (nicht nur wegen der Frau) mit Gott und der Welt anlegt, wird zum Schluss von seinem Bruder erschossen, weil er es mit der brüderlichen Fürsorge etwas übertreibt. Zurück bleibt die schwangere Mona. Pete (Billy Crudup), der als Zeuge des Mordes aussagt, der Bruder habe in Notwehr gehandelt, verlässt das Bundesland, um sich Josepha zu widmen, seiner zweiten Garnitur in Sachen Liebe.

Naja, wie soll ich sagen. Der Grundgedanke des Films, einer aussterbenden Rasse, nämlich der des gemeinen, amerikanischen Kuhjungen ein filmisches Denkmal zu setzen, wurde nicht zuletzt durch die gute schauspielerische Leistung aller Darsteller nachvollziehbar und überzeugend umgesetzt. Insgesamt allerdings kommt der Film etwas zu testosterontriefend daher. Immer, wenn unsere Helden eine Bar oder Tanzveranstaltung besuchen, endet es in einer wüsten Schlägerei. Sie ernähren sich ausschließlich von Whiskey und Zigaretten und wenn mal nicht die Fäuste fliegen, wird der Gegner entweder angepinkelt oder beim Pokerspiel so fertig gemacht, dass er in der nächsten Szene an einer Herzattacke stirbt. Hätten die Jungs ihre Zigaretten nicht selbst gedreht, sondern einer weiß-roten Packung entnommen, man müsste vermuten, der Film sei eine aufwändig inszenierte Imagekampagne für den Marlboro-Mann.
Die kleine Josepha (allerliebst Penélope Cruz), die unsterblich in Pete verliebt ist, macht in einer Szene ihrem Unmut über das ganze Macho-Gehabe Luft, in dem sie Pete und Big Boy als dumme, geile Cowboys beschimpft. Damit formuliert sie für mich den eigentlichen Plot des Films.
Bleibendster Eindruck dieses Fernsehabends war dann auch nicht der Film, sondern eine völlig unaufdringliche Werbelaufschrift, die ein gutes Dutzend mal am unteren Rand des Bildschirms eingeblendet wurde:
Jetzt „Spiel mir das Lied vom Tod“ auf dem Handy erleben.

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