Hey Joe

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01.03.2007 von axeage

Clapton is God. Ist eigentlich jemals geklärt worden, wer jene salbungsvollen Worte auf eine Mauer gepinselt hat? Mit dem Typen würde ich nämlich gerne mal ein paar Worte sprechen.
Zugegeben, auch ich bin ein großer Fan von Eric Clapton, aber inzwischen gibt es noch einige mehr – Götter meine ich. Viele von ihnen habe ich in den letzten Jahren gesehen: Robert Cray, Walter Trout , Stan Webb, Eric Sardinas, Bernard Allison, Popa Chubby und auch ein paar Göttinen waren dabei: Ana Popovic und die wunderbaren Ladies der durch die Lande ziehenden Blues-Karawane Sue Foley, Deborah Coleman und Roxanne Potvin. Jedes Konzert ein Fest, für all diejenigen, die Blues und Gitarrenmusik lieben.

Gestern war wieder einer von ihnen zu sehen und vor allem zu hören – in Nürnberg, im guten, alten Hirschen. Ein ganz junger, ein ganz wilder, ein ganz guter: Joe Bonamassa.
Der Hirsch war voll, die Stimmung hervorragend und es ging gleich richtig los mit der Henrik Freischlader Band aus Wuppertal. Ohren auf, Ladies and Gentlemen, das ist mal eine deutsche Bluesband, die es in sich hat. Straight, präzise, schnörkellos und absolut virtuos wurde da Bluesrock geboten, wie man ihn nicht alle Tage zu hören bekommt. Freischlader hat eine perfekte Bluesstimme und entlockt seiner verschrabbelten Fender Riffs und Soli, für die es nur einen Begriff gibt: amtlich. Am Bass Oliver Schmellenkamp und am Schlagzeug Dirk Sengotta, zwei Sidemen, mit denen sich jeder Bandleader „von“ schreiben kann, mehr braucht es nicht, um einen Laden, wie den Hirschen zu rocken. Schade, dass die Jungs, kaum hatte man sich eingegroovt, schon wieder aufhören mussten. Man kann nur hoffen, die Drei gehen öfter mal über die Wupper (höhöhö) und kommen zu uns nach Franken.

Dann Bühne frei für den Meister. Ein Griff in die Saiten genügt, um das gesamte Auditorium drei Meter nach hinten zu blasen. Auf der Bühne steht Mr. Obercool Bonamassa. Das Interessante an seinem Auftritt ist, seine Coolness und seine Präsenz wirken in keinem Augenblick aufgesetzt oder gekünstelt. Der Typ ist einfach so. Er betritt die Bühne, legt zwei Finger an die Stirn und grüßt sein Publikum im schäbigsten Al-Borland-Stil. Spätestens dann liegen ihm alle zu Füßen und er kann frei aufspielen. Seine Stimme ist kraftvoll, sein Gitarrenspiel nicht von dieser Welt und seine Ausstrahlung unerreicht. In solchen Augenblicken bin ich mir ganz sicher, Rory und Stevie Ray packen ihre elektrisch verstärkten Harfen aus und stören dort oben ordentlich die himmlische Ruhe.
Hier unten bei uns läuft derweil Joe zusammen mit Mark Epstein am Bass und Bogie Bowles am Schlagzeug zur Höchstform auf. Er entlockt seinen Gitarren Läufe, von denen man nur entfernt eine Ahnung gehabt hat, dass sie überhaupt existieren. Sein Spiel ist unglaublich druckvoll, dann aber wieder, an den richtigen Stellen, filigran und schmeichelnd, allerdings niemals kitschig. Er verwandelt von einer Sekunde auf die nächste seine Gitarre in ein Fagott, in eine Geige und dann wieder in ein gnadenloses Brett. Seine Band folgt ihm dabei auf Schritt und Tritt. Äußerst gelungen auch das kurze, aber sehr intensiv gespielte akustische Set, bei dem Joe ganz alleine auf der Bühne steht und mit seiner Westerngitarre eine Spielgenauigkeit und Geschwindigkeit an den Tag legt, die man nur als aberwitzig bezeichnen kann.

Irgendwann (an einem gelungenen Abend, wie diesem, natürlich viel zu früh) heißt es dann plötzlich: „… thank you Ladies and Gentlemen for coming out tonight“ und wir, das aufgeputschte, begeisterte Publikum, kitzeln noch eine letzte Zugabe aus der Band heraus.
Dann entlässt uns Mr. Joe Bonamassa in die Nacht und wir bleiben mit der quälenden Frage allein:
Hey Joe, where are you going with the guitar in your hand?

Dieser Artikel erschien am 01. März 2007 auch bei
musikspione.de

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Ein Kommentar zu “Hey Joe

  1. […] zu können – ist Henrik Freischlader, ein junger Mann aus Wuppertal, den ich früher in diversen Vorprogrammen und später dann auch als Hauptakt erlebt habe. Ein unheimlich sympathischer Typ, der sein Handwerk […]

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