Obwohl ich schon lange keinen mehr in Händen hielt, werde ich ihn doch vermissen. Den Quelle-Katalog.
In meiner Jugend war er für mich mehr, als nur das Fenster in die schöne, große Konsumwelt, die sich nicht wie heute schnöde durch lieblos gezimmerte Internetseiten oder nervtötendes Teleshopping präsentierte. Allein der Produktname der Hausmarke ließ erahnen, womit man es zu tun hatte. Nicht mit einer Weltmarke, nein die Kühlschränke, Waschmaschinen, Elektroherde und HiFi-Anlagen schienen der Quelle des Universums darselbst entsprungen zu sein, um sich in Millionen und Abermillionen Küchen, Wohnzimmern und Waschkellern zu materialisieren.
Mir war vollkommen klar, warum Karl-Theodor Von und Zu 50 Mille in die Hand genommen hat, um ein letztes Mal die Druckmaschinen anwerfen zu lassen, wusste er doch genau, dass es bei diesem Meisterwerk marktwirtschaftlicher Weltliteratur nicht einfach nur ums Kaufen ging. Die Lektüre eines Quelle-Katalogs war durchaus mit der Lektüre eines Magazins, eines Bilderromans, eines fundiert recherchierten Sachbuchs vergleichbar und hielt einen, auch wenn man nichts bestellte, noch Wochen und Monate nach der heiß ersehnten Sonderzustellung in Atem.
Allein der aufklärerische Aspekt in der Rubrik Mieder- und Damenunterwäsche kann für meine und nachfolgende Generationen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Hübsche Frauen mit echten Brüsten und nicht von jedem Körperhaar befreiten Bikinizonen lieferten herrliches Anschauungsmaterial, über das auch einmal ganz unverfänglich hinweggeblättert werden konnte, wenn die Mutter das Jugendzimmer betrat und mit gestrengem Blick musterte, welchen Studien sich der Herr Sohn da schon wieder hingab. Ja, auch wenn es nicht das Englischbuch oder die Formelsammlung war, der Quelle-Katalog war immer akzeptiert.
Selbst Ausflüge ins Reich der Mystik, die im Lebensalter aufkeimender Sexualität mindestens ebenso wertvoll sind, wie Closeups einschlägiger Körperregionen, waren da mit Wort und Bild geboten. Ein ewiges Mysterium wird in dem Zusammenhang wohl bleiben, warum ein Massagegerät, das seine Arbeit in Gesicht und an den Oberarmen verrichten sollte, die Form eines Stabes haben muss.
Dann die atemberaubende Phono- und HiFi-Technik, die sich anfänglich in rechteckigen Kompaktanlagen mit passendem, dunkelbraunem Möbel präsentierte, um sich schließlich mehr und mehr zur Komponentenbauweise zu entwickeln. Oh ja, man kam sich vor, wie der versierteste Tontechniker der Welt, wenn man Plattenspieler, Kassettendeck und Receiver erfolgreich miteinander verkabelt hatte und die ersten Takte von Bohemian Rhapsody aus den High-Fidelity-Lautsprechern ertönten.
Ja oder der Duft von Freiheit und Abenteuer, den man atmen durfte, wenn man sich im Geiste in die Auspuffwolke eines zweitaktgetriebenen Mopeds von Mars stellte und dabei die technischen Leistungsdaten mit denen des eigenen Klapprads verglich.
Ach ja, begehrt haben wir alle. Bestellt manchmal. Gelesen, geschaut und gestaunt aber haben wir immer.
Und bevor ich den Quelle-Katalog in Frieden ruhen lasse, darf ich meinen Kolumnisten-Kollegen Franz Josef Wagner von der Bildzeitung zitieren, der ebenso traurig ist wie ich und der sich standesgemäß von der Bibel des deutschen Wirtschaftswunders mit folgenden Worten verabschiedet:
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Dieser Artikel erschien am 27. Oktober 2009 auch bei kolumnen.de
Verfasst von axeage
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Die Recording Academy, die alljährlich die Grammy-Preisverleihung organisiert, hat beschlossen, die Kategorie Bestes Polka-Album ersatzlos zu streichen. Die Begründung dafür lautet, es müsse sichergestellt sein, dass die Preisvergabe die aktuelle musikalische Landschaft reflektiere.
Shaun, das Schaf. Für mich gibt es kaum eine witzigere Sendung. Ich liebe es, wenn Shaun ohne viel Federlesens Herr der Lage wird und bleibt, entweder mit Unterstützung des allzu menschlichen Hütehundes, auch oder gerade, wenn dieser ab und zu in sein typisches Hundeverhalten zurückfällt, aber stets mit den Widrigkeiten des Schaf- und Herdenlebens kämpfend. Sei es, weil das dicke Schaf wieder einmal alles frisst, was ihm über den Weg läuft, oder die benachbarte Schweinehorde ihrem Namen alle Ehre macht, oder der Bauer ein neues Spielzeug gekauft hat, das den Bauernhof im Allgemeinen und die Schafherde im Besonderen bedroht, oder weil Außerirdische, Touristen, Postboten, Busfahrer oder Hündinnen, in die sich besagter Hütehund verliebt, das beschauliche Leben einer englischen Stop-Motion-Schafherde aufs empfindlichste stören.