Heute vor 20 Jahren …

10.11.2009

… hatte ich zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand. Den damals gespielten Ball und das Tee habe ich aufgehoben.

Jubiläumsball auf Jubiläumstee

Der damals gespielte Golfplatz hieß Geierstal und für die zwei 9-Loch-Runden habe ich gefühlte dreitausendfünfhundert Schläge gebraucht. Am Abend gab es Entenbraten mit Knödeln und Blaukraut, dazu ein Landbier – wobei, es könnten auch zwei Landbiere gewesen sein.
Im Fernsehen liefen Interviews mit Egon Krenz.

Übrigens, der Slogan des inzwischen zum Golfclub mutierten Golfplatzes ist eine echte Perle:
… Wo der Himmel die Erde berührt … Und der Bussard seine Kreise zieht …


It’s in the Game

28.09.2009

Weil im Fernsehen nichts weiter lief, als diese ermüdende Bundestagswahl, deren Ausgang in schwarz-gelb ich mir verkneife zu kommentieren, blieb nicht viel anderes übrig, als Computergolf zu spielen.

Als nach ausgeführtem Schlag die Kamera schwenkt und ich dort plötzlich als Zuschauer auftauche, kommt mir kurz der Gedanke, ob es nicht tatsächlich eine feine Idee wäre, den Rest meiner Tage in einem Computerspiel auf einem Golfplatz in Florida zu verbringen.

Its in the Game

It's in the Game


Tages-Du

13.07.2009

Das vergangene Wochenende stand ganz im Zeichen des Golfsports. Hach, ich liebe solche Ausflüge in die analoge Welt, in der ein Computer lediglich die Aufgabe hat, Turnierergebnisse auszuwerten, ansonsten aber das Menschliche, das Menschelnde, die Natur und der durch keine noch so ausgeklügelte Computertechnik der Welt reproduzierbare Schwung eines Amateurgolfspielers im Mittelpunkt stehen.

Am Samstag ging’s los mit einem Turnier, das vom Bekleidungshaus Wöhrl und dem Online-Broker Cortal-Consors gesponsort wurde. Schöne Geschenke, schöne Preise, vernünftiges Essen.
Meine neuen Cleveland-Eisen kamen zum ersten Mal bei einem Turnier zum Einsatz und ich habe sie ganz hervorragend getroffen. Mein Nettoergebnis war zwar nicht unbedingt berauschend, aber brutto habe ich von über 60 Teilnehmern immerhin den 7. Platz belegt. Meine Mitspieler waren äußerst angenehme Zeitgenossen. Die Dame im Flight hat sich mit insgesamt 47 Nettopunkten um sagenhafte 11 Schläge unterspielt und damit den ersten Preis ihrer Handicapklasse gewonnen. Großes Hallo und Freude über eine sündhaft teuere Sportjacke und das unvermeidliche Plexiglas mit Gravur.

In der Umkleidekabine durfte ich ein feines Gespräch zum Thema Tages-Du belauschen. Diese offensichtlich in letzter Zeit um sich greifende Unsitte, sich während des Spiels zu duzen und danach wieder zu siezen hat Herrn Meier, einen Club-Kollegen, der am Wochenende zuvor in einem nicht näher benannten Schicki-Micki-Club Opfer besagter Unsitte wurde, so sehr erbost, dass er dem Dr. Sowieso, der während der Runde Klaus, danach aber wieder Dr. Sowieso genannt werden wollte, verboten hatte, ihn den Erbosten, während der Runde zu duzen. Für Sie, Herr Dr. Sowieso, hatte er ihm entgegengeschleudert, für Sie bin ich auch während der Runde Herr Meier.
Die Golfrunde soll daraufhin äußerst frostig verlaufen sein.

Gestern, am Sonntag dann noch eine kleine Privatrunde, bei der ich zwei Herren und einer Dame zugelost wurde. Die Herren, älter als ich, haben halbwegs vernünftiges Seniorengolf gezeigt, aber das Spiel der Dame konnte man beim besten Willen nicht Golf nennen. Mit wilden Körperverrenkungen hat sie versucht, den Ball von sich weg zu bewegen, was ihr nur in wenigen Ausnahmefällen wirklich geglückt ist.
Dann hatte die Gute auch noch ein furchtbar schrille, abstoßende Stimme und wenn sie beim Putten in die völlig falsche Richtung gezielt und den Ball dann viel zu stark gespielt hatte, um daraufhin beleidigt zu bemerken, selbst beim Putten habe ich heute kein Glück, dann hätte ich beinahe die Contenance verloren und sämtliche Etikettenregeln vergessen.
Weil mir die partnerschaftlichen Verhältnisse meiner Mitspieler lange Zeit unklar waren – mit anderen Worten, ich wusste nicht, wer zu wem gehört – wäre mir auch noch fast der Lapsus passiert, dem Ehemann der Ausnahmegolferin zu stecken, dass die Alte das wohl niemals lernen wird. Ja gut, ich hätte es höchstwahrscheinlich etwas eleganter ausgedrückt, aber peinlich wär’s trotzdem geworden.
Als uns dann nachfolgende Golfer noch bescheinigten, wir würden viel zu langsam spielen und sich daraufhin die Herrin unseres Flights furchtbar echouffierte, fand ich die Erfindung des Tages-Du plötzlich gar nicht mehr so übel und habe kurz darüber nachgedacht, es meiner Mitspielerin sofort und unwiderruflich zu entziehen.


Acht neue Freunde

03.07.2009

Seit ich Golf spiele, habe ich Probleme, die langen Eisen zu treffen und ein langes Eisen beginnt bei mir schon mit der Nr. 6. Also habe ich mir angewöhnt, auch für kürzere Entfernungen ein Holz oder meinen Utility-Schläger zu benutzen und nicht so weit aufzuschwingen oder kürzer zu greifen.

Das war natürlich großer Quatsch und zum Schluss habe ich überhaupt kein Eisen mehr getroffen – auch die kürzeren nicht.

Clevelande HiBore RFlex

Cleveland HiBore RFlex

Zum Glück haben die Schlägerhersteller erkannt, dass mehr Golfer unter „Eisenmangel“ leiden und mit den sogenannten Hybrid-Schlägern Eisen entwickelt, die ein Zwischending zwischen Eisen und Holz darstellen.
Einen solchen Satz konnte ich jetzt zur Hälfte des Neupreises bei ebay ersteigern:
Cleveland HiBore RFlex
.

Spätestens am Sonntag wird sich zeigen, ob sich mein Golfspiel soweit verbessert, dass es für die Senior Tour reicht.


Grottengolf – Revanche

20.06.2009

Heute wieder Golf mit unserem ehemaligem Spielführer nebst Gattin. Spielführer Hans und ich vereinbarten ein kleines Lochspiel, damit Herr Scherm, der vor einer Woche unterirdisch schlecht gespielt hatte, sich ein wenig besser konzentriert.

Es begann katastophal. Spielführer Hans lag nach drei Löchern drei auf und ich konnte ihn lange nicht einholen. Dann am 8. Loch kam die Wende. Ich habe ihm fünf Löcher hintereinander abgenommen und am 16. Loch lag ich 3 auf und hatte gewonnen. Ich konnte es kaum fassen. Wir tranken Weizenbier.


Grottengolf

14.06.2009

Es gibt ja schon einige Varianten des Golfsports: Minigolf, Crossgolf, Indoor-Golf, aber die Variante dieses edlen Sports, der ich am Wochenende gefrönt habe, ist wohl am ehesten mit dem Begriff „Grottengolf“ zu umschreiben.

Es ist in jeder Saison das gleiche: ich spiele im Rahmen meines Handicaps ein paar gute Runden und denke, jetzt hast Du es endlich begriffen, du kannst jetzt endlich Golf spielen, du wirst Dich mit Tiger Woods, Bernhard Langer und Greg Norman messen können und es wird nicht peinlich werden, da kommt plötzlich und unerwartet der große Einbruch.

Ausgerechnet unser ehemaliger Spielführer mit Gattin und eine Dame, die ganz ordentlich den Schläger zu schwingen verstand, waren mit im Flight, als Herr Scherm das wohl unterirdischste Golf dieser Saison ablieferte. Dabei hat alles bis zum siebten Loch noch ganz gut ausgesehen. Dann allerdings sind Dinge geschehen, die ich bis jetzt noch nicht nachvollziehen kann: 20 cm Putts daneben geschoben, Bälle nach links und rechts ins Aus gedonnert, ein frontales Wasser getroffen, das zehn Meter vom Abschlag entfernt war, aus dem Sandbunker so „gut“ getroffen, dass ich fast einen meiner Mitspieler erschlagen hätte … nie habe ich mir sehnlichster ein starkes Gewitter herbei gewünscht, um diese peinliche Runde vorzeitig beenden zu dürfen. Der Himmel allerdings blieb wolkenlos und strahlend blau.

In den vergangenen Jahren hat immer eine längere Pause geholfen. Ich denke also, ich werde in den nächsten Tagen und Wochen lieber Rad fahren, Gitarre spielen oder ein gutes Buch lesen. Golf spielen jedenfalls nicht!


Weinimport für Anfänger

12.06.2009

Nach einer illustren Golfrunde zusammen mit zwei Koreanern und ihrem deutschen Betreuer Businesspartner saßen wir am 19. Loch noch auf ein Bierchen zusammen und unterhielten uns in leidlichem Business-Englisch über dies und das, als meine Golfkappe zum Mittelpunkt des Interesses wurde. Auf ihr prangt ein Emblem des Krüger Nationalparks und so kam das Gespräch auf Südafrika. Ich erzählte von unserem letzten Urlaub dort und dass meine Golfausrüstung auf einem Inlandsflug abhanden gekommen war.

Wein aus Südafrika von ALDI Süd

African Rock Selection - Sauvignon Blanc

Daraufhin konterte der Begleiter der beiden Koreaner mit folgender Story: Er habe sich bei einem seiner letzten Südafrika-Urlaube in einen Weißwein verliebt, mehrere Kisten davon gekauft und beim Heimflug bei der Fluggesellschaft als Fracht aufgegeben.

Die Kisten waren nach der Ankunft in Frankfurt zunächst verschwunden, bis sich Tage später der Zoll meldete. Der Wein könne abgeholt, müsse aber verzollt werden.
Gesagt, getan. Der Preis pro Flasche verteuerte sich von 3,90€ auf 4,35€ was bei der Köstlichkeit des edlen Tröpchens aber nicht weiter ins Gewicht fiel, bis der gute Mann ebenselbigen Wein bei einer Aldi-Süd-Filiale entdeckte. Dort kostete die Flasche 2,99€.
Die Liebste und ich haben diesen Wein derzeit im Keller. Nach dieser feinen Import-Geschichte haben wir uns gleich ein Fläschen gegönnt.


Dogleg

27.05.2009

„Hast Du Kinder?“
„Nein.“
„Warum nicht?“
„Wir haben keine bekommen.“
„Ich habe einen Sohn. Leider nur einen. Ich hätte gerne mehr Kinder gehabt. Jetzt gibt es nur noch ihn. Aber er wohnt so weit weg. Wir sehen uns kaum.“

Ich frage nicht, was mit ihrem Mann ist, weil sie schon bei ihrem Ball steht und ihn gekonnt bis zum Grünrand schlägt. Sie spielt ziemlich gut Golf. Sie ist in Prag geboren, in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, wie ein Vetter von ihr neulich auf einer Geburtstagsfeier gescherzt hat, wofür sie ihn seither hasst. Mit 21 ist sie einfach abgehauen – in den Westen. Leichtsinnig, wie man so ist als junge Frau, hat sie gesagt, aber ich habe es nie bereut, hat sie gleich hinterher gesagt. Sie hat Jahrzehnte in Afrika gelebt und gearbeitet. Sie hatte Malaria. Ein Neger hat ihr das Leben gerettet. Alle Ärzte hatten versagt, aber er, der Neger hatte die richtige Behandlungsmethode. Sie verbringt den Winter in Südafrika und den Sommer in Deutschland. Sie meidet Malariagebiete. Ihr Sohn lebt in der Schweiz. Er ist Ingenieur.
Das alles weiß ich erst seit ein paar Stunden. Seit wir zusammen Golf spielen.

Wir stehen auf dem 16. Grün und während sie puttet, bin ich mir ganz sicher, dass sie mir heute noch von ihrem Mann erzählen wird. Ich werde nicht nachfragen müssen. Sie wird selbst auf ihn zu sprechen kommen.
Wir spielen beide Bogey am Loch 16.
An Loch 17 und Loch 18 auch.
Am 19. Loch lade ich sie zu einem Drink ein. Wir sitzen ein Stündchen zusammen und kommen ins Plaudern. Dann erzählt sie mir von ihrem Mann.

„Weißt Du, als mein Sohn 18 Jahre alt geworden ist, hatte ich einen Job in Leipzig und mein Mann arbeitete bei einem Entwicklungshilfeprojekt in Tansania. Ich habe meinem Sohn nicht einfach so ein altes Auto kaufen wollen, das an jeder Ecke liegen bleibt, also habe ich ihm mein Auto geliehen. Er ist an diesem Abend mit seinen Freunden weggefahren. Irgendwann in der Nacht rief die Polizei an und der Polizist sagte, er hätte mir eine traurige Mitteilung zu machen. Mein erster Gedanke war, mein Sohn hat einen Unfall gehabt. Aber der Polizist sagte, es gehe nicht um meinen Sohn, es gehe um meinen Mann. Der Polizist sagte, mein Mann sei vor ein paar Stunden an einem Herzinfarkt gestorben. Mit 52 Jahren.

Hier macht sie eine Pause. Dann erzählt sie mir, dass ihr Mann weder geraucht noch getrunken habe, dass er vor seinem Afrika-Einsatz von mehreren Ärzten durchgecheckt worden sei. Es war alles in Ordnung mit ihm, sagt sie, er war sehr sportlich und hatte nicht einmal den Ansatz eines Bauches, sagt sie und lächelt, während sie einen verschmitzten Blick auf meinen Bauch wirft. Nein, sagt sie, das war bestimmt kein Herzinfarkt …

Ob sie nicht herausfinden möchte, woran ihr Mann wirklich gestorben ist, frage ich. Sie schüttelt den Kopf und winkt ab.

Sie hat das Haus in Tansania von einem Makler verkaufen und sich die wenigen, privaten Habseligkeiten Ihres Mannes nach Deutschland schicken lassen. Den Koffer hat sie bis heute nicht geöffnet.
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Ein Dogleg (englisch: dogleg = Hundebein) bezeichnet eine Golfbahn auf einem Golfplatz, deren Fairway nach rechts (Dogleg nach rechts) oder links (Dogleg nach links) gebogen oder abgeknickt ist. Der Richtungswechsel ist normalerweise etwa an der Stelle, an der ein guter Abschlag landen sollte.
Wikipedia

Join the Flight

15.04.2009

Golf ist ja eigentlich kein Sport – hört man immer wieder. Man geht ein wenig spazieren – wenn überhaupt, denn manche fahren ja mit einem Elektrokarren, oder noch schlimmer mit einem benzinbetriebenen Zweitakter über den Golfplatz – und drischt mit ein paar Schlägern, die man in einer Art Einkaufswagen, wie sie ältere Damen bisweilen benutzen, hinter sich herzieht, auf einen meist weißen Ball ein, bis dieser in insgesamt 18 verschiedenen Löchern versenkt worden ist.
Das alles kann man alleine tun, aber weil das ganz schnell langweilig wird, schließt man sich zu maximal vierköpfigen Grüppchen zusammen und weil es beim Golfsport keine Schläger, sondern Clubs, keine Abschläge, sondern Drives und keine Wiesen, sondern Fairways gibt, nennt man derartige Golferzusammenrottungen auch nicht Grüppchen, sondern Flight.
Womit man bei einem Aspekt dieser Sportart angelangt ist, der dem fehlenden bzw. geringen sportlichen Aspekt durchaus ebenbürtig sein dürfte: dem sozialen, ja, ich gehe soweit zu sagen, dem gesellschaftlichen Aspekt nämlich.

So ein Flight kann während einer Golfrunde, die ja bekanntermaßen bis zu fünf Stunden dauern kann, alles sein: Staat, Familie, Wohngemeinschaft, Vertriebsbüro, Urlaubsort, Vorhölle, Hölle, natürlich auch Himmel – letzteres aber eher selten.
Immer gilt allerdings die oberste, niemals zu vernachlässigende, in jedem Fall aber goldene Regel: Beim Golfspiel gibt keine Gegner, sondern ausschließlich Mitspieler. Zugegeben, das fällt in so manchem Flight richtig schwer und in Gedanken hat man das Eisen 3, das im Spiel eigentlich kaum zum Einsatz kommt, schon der einen oder anderen zweckentfremdeten Verwendung zugeführt, indem man es einem seiner Mitspieler über den Schädel gezogen oder quer in den A… – Nein, solche Gedanken gehören nicht auf den Golfplatz und tragen der genannten goldenen Regel in keiner Weise Rechnung.

Was den gesellschaftlich-sozialen Aspekt betrifft, gibt es bei der Gruppenbildung zwecks gemeinsamer Golfplatzumrundung einerseits den kommunikativen- und andererseits den eher unkommunikativen Flight, auch Taubstummenflight genannt. Über den kommunikativen Flight verliere ich jetzt gar nicht viele Worte. Man kann sich vorstellen, was da abläuft: jeder Schlag wird gründlich diskutiert und kommentiert. Kein Thema ist zu abwegig, um es nicht ausführlich auf dem Weg zum Ball zu besprechen und wenn sich Frauen zu einem Flight formieren, wird in 99 von 100 Fällen dieser Art des Golfzusammenspiels gefrönt und gerne unter dem Terminus Erzählflight zusammengefasst – man hat schon Damenflights gesehen, die sich so vollständig im Geschnatter verloren, dass sie vergessen haben, weiterhin Golf zu spielen, was nachrückende Flights zu Unmutsäußerungen und bösartige Gedanken über die bereits erwähnte Zweckentfremdungen diverser Schläger hinreißen ließ.

Wesentlich interessanter und wie man sich vorstellen kann, auch wesentlich anstrengender, ist der Taubstummenflight.
Eine derart illustre Golferrunde darf man sich allerdings nicht so vorstellen, als würde von vorneherein Konsens darüber bestehen, in den kommenden vier Stunden kein Wort miteinander zu wechseln. Nein, einer der vier Mitspieler fühlt sich vor dem ersten Abschlag bemüßigt zu bemerken, sein Golfspiel verlange absolute Konzentration und jedes Wort zu viel, zu laut, oder gar beides würde diese, seine Konzentration aufs Empfindlichste stören.
Derartige Golfrunden enden allerdings gerne damit, dass derjenige, der die anderen, in der Regel kommunikativ veranlagten Menschen seines Flights zum Schweigen verurteilt hat, grottenschlechtes Golf spielt und es am Ende damit erklärt, die Vögel hätten ständig gezwitschert und das Gras sei zu laut gewachsen.

Schlimm ist es, einen sogenannten Regelvergesser im Flight zu haben. Zugegeben, es gibt hunderte von Golfregeln, aber selbst die einfachsten Regeln werden von solchen Menschen vergessen, sobald sie einen Golfplatz betreten oder werden nach eigenem Gutdünken ausgelegt und fehlinterpretiert. Überhaupt scheint partielle Amnesie ein häufig anzutreffendes Phänomen unter Golfern zu sein, denn auch das Vergessen von Schlägen ist sehr weit verbreitet. Erst wenn man den Vergesslichen mit dem Regelbuch kommt oder ihnen genau vorrechnet, wieviele Schläge sie benötigt haben, bekommen sie den offensichtlich von zu viel Düngemittel oder allzu intensivem Grün verursachten Gedächtnisschwund wieder in den Griff. Die meisten allerdings nur bis zum nächsten Loch.

Die wichtigste Erkenntnis im Zusammenhang mit dem Faktor Mensch und der damit einhergehenden Grüppchenbildung im Golfsport scheint mir allerdings zu sein, dass niemand in der Lage ist, sich über den Zeitraum einer Golfrunde zu verstellen. Du bleibst doch immer was Du bist, wusste schon Johann Wolfgang und hat dabei sicher gerade Golf gespielt. Golf bringt alles an den Tag. Alles!
Der Bescheißer wird ebenso entlarvt, wie der Choleriker und der Besserwisser, der Pedant ebenso, wie der Phlegmatiker, der Nervenstarke ebenso, wie der Flattermann, denn es gibt eine zweite goldene Regel, die da lautet:
Viele behaupten, beim Golf gehe es um Leben und Tod, aber das stimmt nicht – es geht um viel mehr!

Dieser Artikel erschien am 24. April 2009 auch bei der Blogbibliothek und am 20. Mai 2009 bei kolumnen.de


Wese-, Wenne-, Hofmann – Flash

14.01.2009

Beim Golfspiel trifft man ab und zu interessante Menschen. Vor Jahren ergab sich ein legendärer Nachmittag, bei dem die Liebste, ihre beste Freundin und ich Zuschauer bei einer illustren Golfrunde im heimischen Fichtelgebirge waren.
Es spielten in der Reihenfolge ihres Handicaps: ein namhafter Architekt aus Wunsiedel, der Schauspieler Klaus Wennemann und der Startenor Peter Hofmann.

Warum mir dieses Ereignis gerade jetzt in den Sinn kommt, liegt an meinem sehr geschätzten Kolumnisten- und Blog-Kollegen Christoph Wesemann, der wieder einmal eine herrliche Kolumne über unseren gemeinsamen Freund Oleg geschrieben und in den Text ein kleines Youtube-Video eingebaut hat, in dem Klaus Wennemann zusammen mit Götz George in einer Tatort-Szene zu sehen ist.

Zwei Eindrücke sind mir von jenem heißen Sommernachmittag irgendwann in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts nachhaltig in Erinnerung geblieben:
Erstens, was für ein super Typ dieser Klaus Wennemann war, sowohl als Schauspieler, als auch als Mensch. Wenn ich es recht bedenke, hat Wennemann eigentlich immer sich selbst gespielt. Er war der Fahnder, er war der erste Ingenieur aus dem U-Boot, er war der der LKW-Fahrer auf Achse und gleichzeitig war er der Sohn eines Bergmanns aus dem Ruhrgebiet, der heimlich Schauspielunterricht genommen hat, und an diesem Nachmittag war er Golfspieler und für knappe vier Stunden ein Star zum Anfassen, der Zigaretten von uns geschnorrt hat und dessen Gespräche mit dem Architekt, dem Startenor und mit uns durchaus einem Drehbuch hätte entstammen können.

Die zweite Sache, an die ich mich erinnere, war die sich abzeichnende Parkinson-Krankheit von Peter Hofmann, von der ich zu diesem Zeitpunkt allerdings nichts wusste. Hofmann war damals ein gefragter Tenor, der in Bayreuth den Siegmund, den Stolzing, den Tristan, den Lohengrin, den Parsifal gesungen hat. Obwohl ich, wenngleich gebürtiger Bayreuther, kein Wagner-Fan bin, habe ich doch die Karriere von Herrn Hofmann mit Interesse verfolgt und war an diesem Nachmittag ziemlich erschüttert über seinen Gesundheitszustand.
Hofmann, der Inbegriff eines Opernhelden war abgemagert, zittrig, gebeugt, aber er verfügte immer noch über seine alles durchdringende, trainierte Stimme, mit der er nicht gesprochen, sondern gleichsam geschmettert hat. Und doch wollte diese Stimme nicht zum Rest der Person passen. Der da Golf spielte und scherzte und schmetterte war nicht der blonde Opernstar, den man aus dem Fernsehen kannte. Das war ein sichtlich kranker Mann, aber einer, der kämpfte, der sich nicht unterkriegen ließ, der nicht klein bei geben wollte, das sah man seinen trotzigen Gesten und seinem entschlossenen Blick an und man hörte es an dieser gewaltigen Stimme.

Peter Hofmann musste sich daraufhin aus der Öffentlichkeit zurückziehen und Klaus Wennemann ist ein paar Jahre später an Krebs gestorben. Ab und zu taucht dieser Nachmittag deshalb als schicksalbeladener Flash vor meinem geistigen Auge auf und mahnt sprichwortbeflissen: Genieße das Leben beständig, Du bist länger tot als lebendig.