Wer ist diese Frau?

28.03.2012

Dauer-Anstalts-Insassin

Diese Dame saß bisher noch in jeder Sendung von Neues aus der Anstalt im Publikum. Wie kommt die immer wieder an Karten? Das Zeitfenster für den Kartenverkauf ist so klein und der Internet-Traffic während des Vorverkaufs so hoch, dass es quasi unmöglich ist, Karten zu bekommen. Und diese Frau sitzt jetzt seit 50 Sendungen im Zuschauerraum. Was soll ich davon halten? Ich will da auch mal hin. Was macht diese Frau anders?

Antworten bitte im Kommentarbereich – Danke!


Kerben in der Lederhand – Reloaded

21.02.2012

Einer von den Linken wurde heute morgen in einem Deutschlandfunk-Interview darauf angesprochen, dass der linke Nachwuchs vorgeschlagen habe, den Kabarettisten Georg Schramm als Gegenkandidaten für das Amt des Bundespräsidenten aufzustellen. Nette Idee, wobei ich zu diesem Thema im Mai 2010 bereits andere Gedanken hatte. Wer mag, kann Köhler durch Wulff ersetzen.

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Kerben in der Lederhand – 31.05.2010
Ich hege da ja einen Verdacht, einen, den man wahrscheinlich nur als Beta-Blogger hegen darf. Einen Verdacht, der, würde er von einem ernsthaften Journalisten geäußert, wahrscheinlich ganz schnell dazu führte, dass dieser sofort und für lange Zeit seinen Ruf als ernsthafter Journalist auf’s Spiel setzen würde.

Also, aufgemerkt: Patientensprecher Dombrowski, ihr wisst schon, der mit der Lederhand, hat noch in der letzten Sendung der beliebten Krankenhausserie Neues aus der Anstalt eine kleine Plakatsammlung von all jenen Politikern und Celebrities angelegt, die bereits über die Anstaltsklinge gesprungen sind, als da wären: Pinkwart, Rüttgers, Zumwinkel, die bayerische Dreierbande Stoiber, Huber, Beckstein, Ex-Verteidiger Jung und Prügelbischof Mixa.
Und gerade, als Dombrowski sich anschickte, entsprechende Kerben in seine Lederhand zu ritzen, schielte aus einer Anstaltsecke das extrem schief hängende und reichlich derangierte Bildnis unseres nationalen Grußaugusts Horst Köhler, was Dombrowski zu der Äußerung veranlasste: Den krieg’n wir auch noch.

Ein, zwei Wochen später, die Worte des Patientensprechers waren kaum verklungen, erreichte uns die Nachricht, Dombrowskis Alter Ego, Georg Schramm steige aus der Sendung aus, weil er sich mehr seinem Bühnenprogramm widmen wolle.
Und heute, heute schmeißt auch der Bundesköhler hin.

Da stimmt doch was nicht. Da ist doch was im Busch. Vor ein paar Tagen schwafelt Köhler davon, im Notfall sei auch militärischer Einsatz notwendig, um deutsche Interessen, wie beispielsweise freie Handelswege zu wahren, um in der heutigen Abschiedsrede denjenigen, die sich erdreistet haben, ihn daraufhin zu rügen, mangelnden Respekt vor seinem Amt vorzuwerfen. Geht’s noch?

Nö, nö, ich glaube, Schramm und Köhler planen eine neue Satiresendung, mit einem Konzept ähnlich dem der Anstalt. Arbeitstitel: Schloss Bellevue. Ich stelle mir da so eine große Freitreppe vor, zu deren Füßen wechselnde Gäste Rücktrittsreden halten und die Zuschauer sich maßregeln und Respektlosigkeit vor diversen Ämtern vorwerfen lassen müssen. Roland Koch ist im Gespräch, auch Margot Käßmann.
Die Sendung wird einschlagen wie eine Bombe. Das Duo Lederhand/Sparkassendirektor wird Arzt/Patientensprecher weit in den Schatten stellen. Urban wird weinen. Horst wird brillieren.

So, jetzt ist es raus.

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Tatsache ist übrigens, dass in der letzten Folge von Neues aus der Anstalt das Bild von Christian Wulff an die Anstaltswand gehängt wurde und kaum zwei Wochen später …


Feuerzangenbowle

12.03.2011

Wat is’n Dampfmaschin’… Da stelle mer uns mal janz dumm.
Ich gestehe, als Kind hatte ich eine Heidenangst vor diesen Dingern. Mein Cousin besaß so eine kleine Tischdampfmaschine. Immer, wenn er sie anwarf, verschwand ich unter dem Tisch. Keine noch so aufmunternden Worte von Vater oder Onkel konnten mich wieder hervorlocken. Erst wenn mein Cousin kopfschüttelnd, mit souveränem Lächeln und geringschätzigem Blick (auf mich) das schnaubend, fauchende Ungeheuer aus dem Zimmer trug, tauchte ich wieder auf. Ich hatte einfach Angst davor, die Höllenmaschine würde explodieren. Natürlich ist nie etwas passiert.
Ich danke für die Einhaltung aller Sicherheitsvorschriften.

Vor 25 Jahren allerdings, da ist eine in die Luft geflogen. Keine, die auf einen Tisch gepasst hätte. Keine, die mit Kohle oder Holz befeuert worden wäre. Keine, mit der man mal so einfach ein wenig Dampf erzeugt.
Nein, eine ganz große. Eine teure. Eine sozialistische. Eine echte Lenin-Dampfmaschine.
Der Pauker aus der Feuerzangenbowle würde sich wundern, welche Antworten er heutzutage auf seine Frage bekäme „Wat is’n Dampfmaschin’“: Befeuert mit Urandioxid, gesteuert von Absorberstäben, moderiert von Graphitringen und gedeckelt von 1000 Tonnen Stahlbeton wird Hochdruckwasserdampf über ein komplexes System von Rohren durch Separatoren geschickt, die Wasser und Dampf voneinander trennen und damit unvorstellbar große Turbinen antreiben. Dat is’n Dampfmaschin’. Ganz sicher bekäme unser alter Lehrer feuchte Augen und würde beeindruckt in die Hände klatschen.

Aber wie war das mit: „Da stelle mer uns mal janz dumm …“
Ein Test ward befohlen, weiland in jener Nacht vom 25. auf den 26. April 1986, der die längst überfällige Betriebsgenehmigung der gigantischen Dampfmaschine postum erwirken sollte.
Um diesen Test nicht zu unterbrechen, wurden erst einmal alle Sicherheitssysteme außer Funktion gesetzt. Dann musste noch die naheliegende Stadt Kiew mit Strom beliefert werden, was dann doch zu einer Unterbrechung führte. Schließlich, kurz vor Mitternacht, konnte es endlich weiter gehen. Runter mit der Leistung auf 25 %. Warum plötzlich nur noch 1 % Leistung angezeigt wurde, und es sich nachweislich nicht um einen Instrumentenfehler handelte, konnte sich niemand erklären. Also wieder hochfahren. Aber bitte ganz langsam.
Doch die Bemühungen, Herr der Lage zu werden, waren in etwa vergleichbar mit dem Versuch eines Führerscheinneulings, “mit einem total überladenen alten Auto, dessen TÜV-Termin abgelaufen ist, bei starkem Verkehr Bremsproben zu machen”. So stand es jedenfalls dieser Tage in der örtlichen Presse, anlässlich des Gedenkens an den ersten GAU der Menschheitsgeschichte. Innerhalb von Sekunden stieg die Leistung aufgrund einer konstruktionsbedingten Fehlfunktion, die im Vorfeld zwar erahnt, in dieser Nacht aber beflissentlich übergangen wurde, auf ein x-faches der Normalleistung an. Damit war die größte Feuerzangenbowle der Welt entgültig und unwiderruflich entzündet und den diensthabenden Ingenieuren flogen 1000 Tonnen Stahlbeton um die Ohren. Prost!

Wir bauen uns ein Atomkraftwerk. Wenn man einen Fehler macht, dann macht es ‚Puff’, und die Kühe fallen um und die Häuser und die Bäume – das ist immer ein großes Hallo und ein Spaß für die ganze Familie. Gab’s den Loriot-Sketch eigentlich schon vor oder erst nach Tschernobyl? Egal, Zeit spielt seit dem 26. April 1986 sowieso keine Rolle mehr. Wir werden noch ca. 48.000 Jahre Spaß an den Folgen dieses Gesellschaftsspiels haben, zumal die Ukraine plant, noch weitere 14 (in Worten: vierzehn) Atommeiler zu bauen.
Glaubt irgend jemand an die Einhaltung von Sicherheitsvorschriften?
Ich nicht! Na ja, vielleicht, wenn mein Cousin Betriebsleiter würde, aber der ist inzwischen Jurist.

Ach ja: Heute, fast pünktlich 25 Jahre später ist wieder eine in die Luft geflogen.


Ein Dollar für die Weltrettung

14.01.2011

Ab und zu, wenn ich sie sehe, die Bildzeitungsleser in den Cafés, die Andy Borgs und Florian Silbereisens in den Rentnerverblödungsprogrammen, die Klerikalen und Orthodoxen in ihren Frömmelgewändern, die Glückssteinverkäufer in den schäbigen Verkaufssendern, die Mütter, die ihre Tiefbegabtenbrut mit dem SUV von Kindergärten und Schulen abholen, die schwerbewaffneten Elchtöterinnen aus Alaska, die Hindukusch-Befreier mit ihren Sonnenbrillen, die Ölfrisuren hinter den Bankschaltern, die Superstarsucher und Dschungeltrottel, die Germanys Next TopDeppInnen, die Futtermittelpanscher, die Freaks in den Anschrei- und Beschimpfungsshows, die tätowierten Silikontussen und Muskeldödel, dann denke ich so bei mir, diese Welt ist einfach nicht mehr zu retten und bei diesem Personal besteht auch keinerlei Notwendigkeit, dies zu tun.

Dann aber kommen in einem Studio ein paar Herren zusammen und machen etwas, wofür ich eine Weltrettung doch wieder in Erwägung ziehen würde: großartige Musik.


Von Saulussen und Paulussen

10.01.2011

Drei Oscars sind eigentlich schon ein Grund, einen Spielfilm anzusehen, auch wenn die einschlägigen Filmbesprechungen TAS (= Typischer Ami Scheiß) vermuten lassen.
Aber ganz daneben liegt die Academy of Motion Picture Arts and Sciences ja nun meistens doch nicht (von Titanic einmal abgesehen) und so ließ ich mich am Freitag Nacht auf L.A. Crash ein, einen Episodenfilm, der den guten alten Rassismus zum Thema und unter anderem Sandra Bullock und Matt Dillon im Aufgebot hatte.

Ja, ja, der Rassismus. In jedem von uns schlummert er. Wenn wir nur das Fremde sehen, fühlen wir uns schon bedroht. Wie beispielsweise die Abgeordnetengattin (Sandra Bullock), die zusammen mit ihrem Abgeordnetengatten auf der Straße zwei halbstarken Schwarzen begegnet, die soeben aus einem Restaurant kommen, in dem sie nicht ordentlich bedient worden waren, eben weil sie Schwarze sind. Der eine Halbstarke beschwert sich über diesen Umstand bei seinem Halbstarkenbruder, Sandra sucht beim Anblick der beiden den Beschützerarm ihres Gatten, das fällt dem Beschwerer-Halbstarken auf. Er stellt daraufhin seinem Kumpel drei Fragen:
Sind wir Schwarze? Antwort: Ja.
Sehen wir furchterregend aus? Antwort: Nein.
Haben wir Waffen dabei? Antwort: Ja.
Tja und so holen sich die beiden Diskriminierten mit Waffengewalt das Sport Utility Vehicle des Herrn Abgeordneten und brausen TAS-gleich mit quietschenden Reifen davon.

Ich gestehe, ich musste herzlich lachen über diese Episode. Augenzwinkernder kann man latenten Rassismus nicht demonstrieren und gleichzeitig konterkarieren. Und in diesem Stil geht es weiter bei L.A. Crash. Egal, ob gutväterlicher Schlüsseldienst-Handwerker, persischer Kurzwarenhändler, fettleibige Krankenkassenangestellte, guter, böser oder ganz böser Bulle, Seifenopernregisseur oder Abgeordneter nebst Gattin, fast jeder wandelt sich im Laufe des Films entweder vom Saulus zum Paulus oder umgekehrt. Zu tun haben die Damen und Herren herzlich wenig miteinander, sieht man einmal davon ab, dass sie sich andauernd über den Weg laufen, was in einem Dorf wie Los Angeles natürlich das Selbstverständlichste der Welt ist.

Leichen könnte es in dem Film zuhauf geben, zumal, wenn man bedenkt, wie leicht es einem gemacht wird, in diesem Land der unbegrenzten Schießprügel, Waffen zu kaufen. Immerzu bedroht irgendwer einen anderen mit einer Waffe und jedes Mal denkt man: jetzt aber, jetzt springt einer über die Klinge. Einmal ist es fast soweit, aber ein Munitionsfehlkauf verhindert schlimmes. Es waren nur Platzpatronen.

Ganz zum Schluss wird derjenige Paulus, von dem man es am allerwenigsten vermutet hat, zum Supersaulus, sprich zum Mörder. Ja gut, die Tat könnte auch im Affekt geschehen sein, aber ein wenig Rassismus ist natürlich schon schuld dran und ordentlich, wie es in Hollywood nun einmal zugeht, ist das Opfer schwarz und der Mörder weiß.
Ach ja, die Welt könnte so schön sein, ohne diese fürchterlichen Vorurteile allem Fremden und Unbekannten gegenüber. Aber der Fremde und Unbekannte tut ja auch immer genau das, weshalb man vor ihm Angst hat oder haben muss oder haben müsste. Ach was weiß man denn schon vom Fremden und Unbekannten. Wenn man ehrlich ist, nichts. Sonst wäre es ja nicht fremd und unbekannt.

Solche, oder ähnliche Gedanken muss Regisseur Paul Haggis gehabt haben, als er das Drehbuch geschrieben hat, nachdem er selbst überfallen und sein Auto gestohlen worden war. Heraus kam ein Film, dessen Bemühen um die Aufarbeitung sozialkritischer Themen etwas rührend-kitschiges hat und selbst die hehrsten Absichten zum Schluss unter einer großen Pathoslawine verschüttet. Schade, denn der Witz, der trotz der Thematik in dem Film steckt, ist streckenweise großartig. Aber, getretener Quark wird breit, nicht stark und so nerven die wundersamen 180-Grad-Wendungen der Protagonisten zum Schluss dann doch mehr, als sie einen anfänglich noch recht launig amüsiert haben.

Sozialkritisches made in Hollywood sieht vor, dass in der Stadt der Engel ein fast erschossenes Kind zum Schutz- und Lebensengel wird und die Abgeordnetengattin in ihrer Putzfrau mit Migrationshintergund die letzte und einzige Freundin findet, nachdem sie unglücklich die Treppe hinuntergestürzt ist und sich sonst niemand um sie kümmert. Hach!


Über den Dächern von Tanger mit Michael Ballack

28.12.2010

Montagskino im ZDF – Das Bourne Ultimatum.
Ach ich weiß nicht. Diese neumodischen Filme. Allein schon der Titel, dann diese Authentizität suggerierende Wackelkamera, die krude Story und für alle hartnäckig Begriffsstutzigen diese verhackstückelt-nervtötenden Rückblenden über die gesamte Dauer des Films. Dann noch dieser Hauptdarsteller, der dem Fußball-Nationalkapitän in Lauerstellung, Michael Ballack so schrecklich ähnlich sieht. Ja gut, dafür kann er nix, der gute Matt Damon, aber hätte man nicht einen nehmen können, der weniger brav und treudoof ins Objektiv der Kamera und durch die Okulare seiner zahlreichen Ausspähungs- und Zielfernrohre blickt.

Wenn ich dann noch Kritiken lese, die meinen, mit diesem Werk werde ein stechend scharfer Blick auf das amerikanische Trauma unserer Generation geworfen, nämlich auf den internationalen Terrorismus, dann drängt sich schon der Verdacht auf, die Verfasser derartiger Filmbesprechungen haben wohl zu viele schlechte Agentenfilme gesehen und darüber hinaus keine Ahnung, was das tatsächliche, amerikanische Trauma unserer Generation ist: die Ignoranz und die Borniertheit.

Nö, komme mir bitte keiner damit, dieser verwackelte Action-Reißer sei ein irgendwie geartet politischer Film. Der internationale Terrorismus, der Dank eines zugegebenermaßen reichlich monströsen Ereignisses im Herbst 2001 zum allgemein anerkannten Generalfeindbild stilisiert wurde und seither für sämtlichen Unbill in der westlichen Hemisphäre herhalten muss, dient in diesem Film als reichlich ärmliche Kulisse für ein paar alberne Kung-Fu-Rangeleien und Verfolgungsjagden über den Dächern von Tanger.

Der Rest ist Central Intelligence Agency für Anfänger, um nicht zu sagen für Stümper, rückt doch zum Schluss das gesamte Observation-Office aus, um den bösen Bourne zu suchen, zu stellen und zu richten, während dieser seelenruhig ins verwaiste Büro marschiert und sich sämtlicher CIA-Geheimdokumente bemächtigt. Platter geht’s nimmer.

Bleibt die Hoffnung, dass man Bourne, äh Webb, äh Damon, äh Ballack, der am Ende des Films in einen Fluss stürzt und dort eine Zeit lang regungslos verharrt, um dann allerdings urplötzlich und alphamännchengleich davonzuschwimmen, mitgeteilt hat, Das Bourne Ultimatum ist der ultimativ letzte Film dieser Trilogie.
Ansonsten steht zu befürchten, dass Bourne, äh Webb, äh – na Sie wissen schon – demnächst wieder auftaucht und Teil 4 – Das Bourne Desaster in den Kinos anläuft, um uns eines fernen Montags mit unruhiger Kamera zu einem weiteren, öffentlich-rechtlichen Unterhaltungsabend in den Schlaf zu schaukeln. Gähn!


Anstaltsandacht

22.12.2010

Zugegeben, die Zeiten für politisches Kabarett sind derzeit gülden: VonUndZuGuttiMutti, Stuttgart unterirdisch, der Kondompapst, Junggeselle Westerwelle, Hartz Fünf Euro, die Inflation der Rettungsschirme, Wikifreaks allenthaben und allerorten – so viele Nasen und Themen kann man eigentlich gar nicht in einer Satiresendung unterbringen, ohne sie zu überfrachten. Doch Urban Priols Neues aus der Anstalt schafft das immer wieder aufs Vorzüglichste und mit der gestrigen Sendung ist ihm ein wahres Meisterwerk gelungen. Wobei, ich habe den Eindruck, Kollege Frank-Markus Barwasser, alias Erwin Pelzig, redet da seit neuestem ein gehöriges Wörtchen mit.

Mit der gestrigen Anstaltsfolge hat sich Pelzig jedenfalls vollends in das Sendungskonzept integriert. Fremdkörperte er in den beiden ersten Sendungen als Zuständiger für Öffentlichkeitsarbeit und interne Kommunikation noch etwas tapsig durch die Anstaltsflure, war er gestern Chefarzt Priol mindestens ebenbürtig, ich meine sogar ein klein wenig überlegen.
Herrenhandtäschchen, gschaftelhuberische Besserwisserei und reichlich Konsonantenschändung sind inzwischen zur Marke gereift und ein mehr als würdiger Ersatz für Lederhand und schulmeisterlich-keifende Publikumsbeschimpfung eines Georg Schramm.

Überhaupt, das Konzept dieser Sendung, angefangen bei der Kulisse, über die Auswahl der Gäste und Themen, bis hin zu einer zwar strengen, aber ausgeklügelten Theaterchoreographie kann man im Zusammenspiel nur als kongenial bezeichnen. Und weil wir uns ja in einer Anstalt befinden, haben auch Paradiesvögel, wie Kay Ray ihre Daseinsberechtigung.

Wunderbar auch Monika Gruber, im stylischen Flanellhemd und bequemen Wildlederstiefelchen als Außenministergattin nacheifernde Zeitschriftenaustauschtussi und Arnulf Rating als polternder Riese, der uns mit Verweisen auf den unsäglichen Sarrazin-Schmöker sämtliche abendländisch-jüdisch-christlichen Tugenden um die Ohren haute.

Als ganz zum Schluss noch die Biermösl Blosn als Sternsinger eine lateinische Zusammenfassungsmesse verlasen, in der die politischen Fehltritte der letzten Wochen und Monate im schönsten bayuwarisch-lateinisch verkraxelten Kauderwelsch herauspointiert wurden, war die Anstaltsandacht perfekt.

Ein großartiger Kabarettabend, bei dem ich gerne bis Mitternacht aufgeblieben bin.


That’s a Bingo

23.11.2010

So, jetzt habe ich sie alle gesehen.
Drei haben mir noch gefehlt in meiner Sammlung. Zugegeben bei insgesamt sechs Filmen (wenn man Kill Bill I & II als einen Film zählt) sind das gerade mal fünfzig Prozent. Mich also zu den großen Kennern und Fans von Quentin Tarantino zu zählen, wäre bis vorletzte Woche wohl eher Anmaßung gewesen. Aber Dank einer Erkältung, die mich zwei Tage auf die Couch und damit vor die Flimmerkiste gezwungen hatte und zweier netter Arbeitskollegen, die mir den vorletzten und den letzten Tarantino-Film auf DVD gebrannt haben, habe ich jetzt alle Filme des Meisters gesehen. Alle! Was zur Folge hat, dass ich mich jetzt hochoffiziell und zurecht als großen Fan von Quentin Tarantino bezeichnen darf.

Die Tage des Quentin begannen vor gut zwei Wochen mit seinem Erstling Reservoir Dogs. Der schwirrte noch auf der Festplatte des Rekorders herum und war ob der erwähnten Erkältung eine willkommene Abwechslung zu Hustentee und Taschentuch.
Der Film ist schon alleine wegen des Soundtracks sehens- und natürlich hörenswert. Ausgerechnet zu Stealers Wheels Stuck in the Middle with You, dem allerersten Song den ich in den 70er Jahren mit meinem Universum-Kassettenrekorder vom Radio aufgenommen habe, schneidet der widerliche Mr. Blonde dem armen, gefesselten Polizisten ein Ohr ab. Uaaah, ich darf gar nicht dran denken, aber Tarantino wäre nicht Tarantino, hätte er diese grausige Szene nicht als cooles Tänzchen arrangiert.
Ja, ich gebe zu, diese Szene ist grenzwertig, aber in diesem Film fließt nun mal hektoliterweise Blut und das Thema sind nun mal Gangster, also richtige Gangster und dazu gehören eben auch Psychopathen. Was aber bereits bei diesem ersten Tarantino-Film im Mittelpunkt steht, ist nicht die Gewalt, sondern die Szenenmontage und als echter Kontrapunkt zu sämtlich Gewaltstrotzendem, Bluttriefendem und Martialischem, der Dialog und das Kammerspiel. Darin steckt die eigentliche Intelligenz des Tarantino-Kinos, auch oder vor allem, wenn die Dialoge nichtssagend, manchmal sogar schwachsinnig zu sein scheinen. In dem, was die Gangsterrunde im Restaurant bei Reservoir Dogs oder die Mädels im Auto bei Death Proof oder der diabolische Standartenführer Hans Lader und der Milchbauer Perrier LaPadite bei Inglourious Basterds miteinander besprechen, werden sämtliche Charaktere festgezurrt, deren Rollen verteilt und in den Folgeszenen – meist verstörend-orgiastische Gewaltexzesse – entweder aufs Nachhaltigste bestätigt oder konterkariert.
Das ist in all seinen Filmen so und das wird, so nehme ich zumindest an, auch in seinen zukünftigen Filmen so sein. Was bei Inglourious Basterds allerdings ganz anders ist, ist die Umgebung. Nicht irgendeine amerikanische Stadt mit mehr oder weniger zwielichtigen Typen, sondern das von den Nazis besetzte Frankreich der 40er Jahre dient als Kulisse. Es ist mein Haufen-von-Kerlen-mit-einer-Mission-Film soll Tarantino gesagt haben und ich gestehe, ich bin froh, dass er darauf verzichtet hat, eine Persiflage auf die von ihm sehr geschätzten Italo-Western zu drehen. Ich mag Western nämlich nicht besonders, Nazis verarschen allerdings schon.

Ja gut, Nazis haben schon einige vor ihm verarscht: Mel Brooks, Charlie Chaplin, Dani Levy. Aber Tarantino belässt es nicht bei bagatellisierender Satire, indem er die Bösen als Trottel darstellt. Er nutzt das gesamte Spektrum, das ihm das Medium Kino bietet und lässt immer auch drastisch-schaurige Bilder sprechen. Fußball ist kein Nonnenhockey. Kino ist kein Sprechtheater und vor allem, Kino ist nicht Guido Knopp und nicht Political Correctness.
Und jetzt mal ehrlich: Wenn Brad Pitt als Lt. Aldo Raine seine Truppe, die Basterds zusammenstellt, von ihnen fordert, dass ihm jeder einhundert Nazi-Skalps bringen soll, oder später ein entfesselter Baseballschläger seine Arbeit verrichtet, dann löst das doch immer auch innerlichen Beifall bei uns Zuschauern aus und man denkt: Mensch, man hätte diesem Nazipack viel öfter mal den Arsch versohlen, ihm seine Grenzen aufzeigen, sie gegen die Wand laufen lassen sollen. Ging natürlich nicht, aber im Kino geht es eben. Die Bösen dürfen die Bösen bleiben und wenn das Böse mit einer oskarreifen Schauspielleistung eines Christopher Waltz auch noch ein solches Gesicht bekommt, kann man doch nur antworten: That’s a Bingo.

Sagt man doch so auf englisch, fragt Standartenführer Hans Lader am Ende des Films seinen Kontrahenten Leutnant Aldo Raine. Bingo antwortet dieser halb herablassend, halb angewidert und als Zuschauer weiß man sofort, dass das zufriedene Lächeln einschließlich Händereiben, zu dem sich Hans Lader daraufhin hinreißen lässt, ihm bald vergehen wird. Sehr bald.


AA kann auch schon mal “Scheiße” bedeuten

28.10.2010

Man kann von dem alten Haudegen ja halten was man will. Aber heute, beim direkten Vergleich – Joschka gibt diverse Interviews im heute-Journal, bei den Tagesthemen und im täglichen Kulturjournal auf 3Sat und Guido ergeht sich in Betroffenheitsprosa bei der Vorstellung der Studie – wurde doch wieder einmal mehr als deutlich, was dieser Außendingens Wester… (ich mag den Namen gar nicht hinschreiben) gegenüber Joschka Fischer doch für eine klägliche Milchsemmel ist.
Auf die Idee, eine solche Studie in Auftrag zu geben, wäre der doch niemals gekommen. Das hätte doch viel zu sehr seiner Karriere geschadet. Nö, der hebt den einst von Fischer verfügten Erlass lieber wieder auf.
Ich weiß gar nicht, welcher Begriff mir dazu am passendsten erscheint. Erbärmlich triffts wohl am besten.


Stanley hätte gekichert

08.10.2010

Gestern in arte wurde ein Film gezeigt, der für mich in zweierlei Hinsicht bemerkenswert war. Doch dazu später.
Der Film hieß Kubrick, Nixon und der Mann im Mond, war als Dokumentarfilm angelegt und zeigte, dass Richard Nixon, der damals, 1969 sehr nervös war, ob die Amis es vor den verhassten Sowjets schaffen würden, bemannt auf den Mond zu fliegen und – das soll ein noch viel größeres Problem für Nixon dargestellt haben – ob es auch ordentliches Filmmaterial vom kleinen Schritt für einen Menschen und vom großen für die Menschheit geben würde. Das war nämlich gar nicht so klar und nichts ist schlimmer für den gemeinen, hollywoodsüchtigen Amerikaner, als ein politisches wissenschaftliches Ereignis, das nicht ordentlich mit Bildern und Pathos unterlegt ist.
Also sollen Nixons Schergen den damals äußerst hippen Regisseur Stanley Kubrick, der gerade mit der Produktion des Films 2001: Odyssee im Weltraum beschäftigt war, beauftragt haben, für den “Fall der Fälle” eine kleine, authentische Mondlandung zu inszenieren.

So weit, so verschwörungstheoretisch. Richtig glaubwürdig und gut wurde der Film aber dann, als besagte Schergen tatsächlich in einer großen Gesprächsrunde zu Wort kamen. Unter anderem Henry Kissinger (US-Sicherheitsberater und US-Außenminister), Donald Rumsfeld (Assistent des US-Präsidenten Nixon und späterer Verteidigungsminister der USA) und Richard Helms (früherer CIA-Chef). Die Jungs in der Runde unterhielten sich so locker und gelöst, auch darüber, dass Nixon ein alter Säufer war, der eigentlich gar nix vertrug und als ihm nach einiger Zeit die Muffe ging und er im Halbsuff den Gedanken äußerte, diejenigen, die an der Mondlandungsmanipulationsinszenierung beteiligt waren, liquidieren zu lassen, lehnten Rumsfeld und Kissinger vehement und kategorisch ab, bei einem solchen Unterfangen mitzumachen.

Ein durchgeknallter CIA-Mann soll dann aber auf eigene Faust losgezogen sein und tatsächlich alle Beteiligten (bis auf Stanley Kubrick) um die Ecke gebracht haben, was Kubrick dazu veranlasst haben soll, sich bis zum Ende seines Lebens auf seinem Landsitz in England zu verbarrikadieren.

So, jetzt aber zur Auflösung, warum mich der Film in zweierlei Hinsicht so beeindruckt hat:
Ich habe bis zu dem Statement der Witwe Kubrick, die zum Schluss des Films augenzwinkernd von einem großen Spaß gesprochen hat, geglaubt, was mir dieser Bericht suggeriert hat. Erst als Frau Kubrick zu Wort kam und die zahlreichen Outtakes von Leuten gezeigt wurden, die in die Sache eingeweiht waren (wohlgemerkt die illustre Herrenrunde um Rumsfeld, Kissinger und Helms war nicht eingeweiht), wurde mir klar, dass es ein Mockumentary war.
Was aber noch viel schlimmer ist: Ich habe den Amis alles, was ich gehört und gesehen habe tatsächlich zugetraut. Wenn sich der Film zum Schluss nicht als große Ulkerei entpuppt hätte, hätte ich gesagt. Tja, so isser halt, der Ami.
Schlimm – oder?


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