Vorstellungsgespräch

15.11.2011

Damals hielt er sich für unvoreingenommen, weil er sie einstellte. Aber der eigentliche Grund war wohl, dass sie so verdammt verführerisch war. So süß. So verlockend. Und um so mehr, als sie so töchterlich wirkte.

Delphine Roux hatte seinen Blick missverstanden, als sie den etwas melodramatischen Gedanken gehabt hatte – das war das Hinderliche an ihrer geistigen Gewandtheit: dass sie nicht nur voreilige melodramatische Schlüsse zog, sondern sich auch in erotischer Hinsicht dem Zauber des Melodrams hingab -, er wolle ihr am liebsten die Hände auf den Rücken fesseln. Nein, was er, aus allen möglichen Gründen, wollte, war dies: Er wollte sie nicht am College haben. Und darum stellte er sie ein.

Und so begannen sie ernsthaft, schlecht miteinander zurechtzukommen.

Philip Roth – Der menschliche Makel


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